Mit Christian Kawala haben die First Responder einen würdigen nichtärztlichen Leiter und Nachfolger für Matthias Fuchs gefunden. "Ich habe mich sehr gefreut. Es ist eine sinnvolle Aufgabe, bei der man wirklich Menschen helfen kann", sagt Christian Kawala über seine Ernennung zum neuen nichtärztlichen Leiter der First Responder in Dormitz, einer Untergruppe der Freiwilligen Feuerwehr, die jedoch nicht zu den Pflichtaufgaben der Gemeinde gehört.

Die First Responder werden zu Notfällen gerufen, natürlich müssen sie mehr können als im Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein vermittelt wird. Der 27-Jährige Kawala, ein gebürtiger Gräfenberger, war nicht nur Ausbilder für die Jugend der Feuerwehr in Gräfenberg, sondern bringt Erfahrung aus dem Rettungsdienst mit. "Ich arbeite seit 2018 hauptberuflich als Rettungssanitäter beim Bayerischen Roten Kreuz in Altdorf", sagt Kawala, der seit einigen Monaten in Dormitz lebt.

First Responder müssen mehr können als Erste Hilfe

Durch seinen Hauptberuf ist Kawala auch mit den üblichen Abläufen vertraut. Von seinem Vorläufer Matthias Fuchs hat er die Prämisse "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr" übernommen. "Deshalb gehen die First Responder mit vielen kleinen Reanimationspuppen in die dritten und vierten Klassen der Grundschule in Dormitz und üben mit den Kindern, wie man einen Menschen reanimiert", erklärt Kawala. Denn im Ernstfall zähle jede Minute.

Doch wann kommen die First Responder zum Einsatz und was dürfen diese ehrenamtlichen Rettungshelfer tun? Christian Kawala schildert ein Beispiel: "Einer Mutter wird in der Küche schwummrig, die Brust schmerzt und die Familie wählt den Notruf. Der Disponent, der den Notruf über die 112 annimmt, gibt Verdacht auf Herzinfarkt in sein System ein und alarmiert einen Rettungswagen sowie ein Notarzteinsatzfahrzeug. Doch beide sind im Einsatz und die Fahrzeuge aus den Nachbarlandkreisen haben einen langen Anfahrtsweg. Dann meldet der Computer, dass es hier die First Responder gibt", erklärt Kawala.

Zwei von den ehrenamtlichen Respondern sind immer im Dienst und sie fahren mit ihrem Einsatzfahrzeug zum Notfall, um dem Patienten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes adäquat zu versorgen. "Der Zeitfaktor ist der große Vorteil", sagt Kawala. So könne man bei einem Waldunfall dem Verletzten die Blutung stoppen und ihn in eine Rettungsdecke packen und dem Notarzt die genauen Koordinaten nennen.

Als erster am Unfallort: Wann die First Responder zum Einsatz kommen

Oder: Die First Responder können den Blutdruck messen oder Sauerstoff geben. Wenn sie feststellen, dass die Person nicht nur kurz ohnmächtig war, sondern einen Herz-Kreislauf-Stillstand hatte, können diese sofort einen Herz-Lungen-Wiederbelebung starten und einen mitgeführten Defibrillator anwenden. Werde das Gehirn länger als zehn Minuten ohne Sauerstoff versorgt, sei die Chance auf eine vollständige Genesung nach erfolgreicher Reanimation sehr gering. "In Bayern beträgt die Hilfsfrist zwölf Minuten. Zu 90 Prozent kann das eingehalten werden", sagt Kawala. Um den Moment zwischen Eintritt des Ereignisses bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes qualitativ zu überbrücken kommen die First Responder zum Einsatz; neben Eggolsheim und Gößweinstein nur noch die First Responder in Dormitz.

Zwischen 200 und 250 Einsätze haben die Dormitzer jedes Jahr. "Wir haben pro Monat 90 Schichten, die besetzt werden müssen", sagt Kawala. Und sie werden von den 20 First Respondern besetzt. An den Wochenenden rund um die Uhr, an den Werktagen von 19 Uhr bis 6 Uhr. Deshalb: "Es wäre schon gut, wenn wir mehr Mitglieder hätten", sagt Kawala. Und bietet Schnupperstunden für die 90-stündige Ausbildung an. Aktuell sind die First Responder wegen Corona nicht im Einsatz: "Freiwillige Aufgaben wie der First Responder Dienst sind im Moment untersagt."