"Die Technik heute ist schon ganz schön verrückt", sagt Heiligenstadts Bürgermeister Helmut Krämer (CSU/Einigkeit) und zeigt auf die Glasfaserleerrohre, die Mitarbeiter der Gemeinde derzeit in Burggrub verlegen. "Auf diese Mitarbeiter bin ich sehr stolz, die gehen das richtig motiviert an", lobt Krämer. Denn seine Leute haben sich in diesem Zusammenhang ein besonderes Wissen aneignen müssen.
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Das war nötig geworden, da die Gemeinde kein Unternehmen gefunden hatte, das im Zuge der Abwasserbeseitigung auch gleich noch die Leerrohre für die Breitbandversorgung in Burggrub übernehmen wollte. "Und wir wollten da nicht zweimal aufgraben", erklärt der Bürgermeister.
Für Krämer und die Heiligenstadter Gemeinderäte ist der Breitbandausbau ein vordringliches Ziel. "Das beschäftigt uns seit 2007. Da kamen die Bürger auf uns zu und forderten einen gescheiten Anschluss", sagt Krämer.


Er erinnert sich auch an einen Fachbeitrag, in dem geraten wurde, dass die Gemeinden eine Übertragungsrate von einem Megabit pro Sekunde (MBit/s) anstreben sollen. "Wir haben auf ein Förderprogramm gewartet. Der Freistaat Bayern hat dann eines mit einem Volumen von 1,5 Milliarden Euro aufgelegt", berichtet Krämer. Von diesem Förderprogramm profitiert nun auch die Marktgemeinde.


Reduzierte Geschwindigkeit

Heiligenstadt stehen maximal 900 000 Euro mit einem Fördersatz von bis zu 70 Prozent zur Verfügung stehen. Es soll eine Übertragungsgeschwindigkeit von mindestens 30 MBit/s erreicht werden.
Zwei Angebote von Telekommunikationsunternehmen lagen Heiligenstadt vor. "Die wollten Glasfaser nur bis zum Kasten verlegen, ab da wäre es über Kupferkabel weitergegangen. Und das dämpft einfach die Geschwindigkeit", erklärt der Bürgermeister. Jetzt gibt es ein Bundesförderungsprogramm, das den Glasfaseranschluss an jedes Haus unterstützt: "Fibre To The Home" (FTTH). Ein Betreibermodell würde vom Bund mit bis zu 15 Millionen Euro gefördert werden - und das mit einem Anteil von 50 Prozent.

"Heiligenstadt will mehr. Wir wollen für unsere Bürger eine höhere Übertragungsgeschwindigkeit. Und es sollen sich auch mal IT-Unternehmen dort ansiedeln können, wo andere Urlaub machen", sagt Krämer. Er verweist darauf, dass FTTH-Produkte bereits heute Datenraten von 300 bis 500 MBit/s haben. Auch habe er bereits zwei Unternehmen gefragt, die Interesse haben, das Netz anschließend zu pachten.


Europaweites Verfahren

Allerdings gäbe es vorher erst ein europaweites Auswahlverfahren und es ist noch nicht sicher, ob die Marktgemeinde in das Bundesförderprogramm aufgenommen wird. "Bei einem Wechsel in das Bundesprogramm käme es zu einer Verzögerung von sechs bis neun Monaten", räumt der Bürgermeister ein. Um auf der sicheren Seite zu sein, ließ sich Krämer bestätigen, dass die Gemeinde im Falle eines negativen Bescheids trotzdem Fördermittel aus dem Bayrischen Programm erhalten werde.

Zusammenfassend sagt Krämer: "Aufgrund der großen Chance, ein flächendeckendes FTTH-Hochgeschwindigkeitsnetz aus Bundesmitteln gefördert zu bekommen, hat der Marktgemeinderat einstimmig beschlossen, dass wir die Chance auf jeden Fall nutzen sollten."