Kühe sind nicht lila, dafür kann die Zunge von Schafen blau sein: Bei schweren Fällen zeigt sich die Blauzungenkrankheit so am deutlichsten. Die Gemeinden Hallerndorf, Heroldsbach, Hausen, Forchheim, Poxdorf, Effeltrich, Langensendelbach, Hetzles, Neunkirchen am Brand, Dormitz und Kleinsendelbach wurden mit Wirkung vom 27. Februar zur Sperrzone wegen Blauzungenkrankheit erklärt. Die Sperrzone wurde errichtet, weil die Krankheit in Baden-Württemberg in einem Rinderbetrieb ausgebrochen ist. Für den Menschen ist die Seuche nicht ansteckend, Fleisch- und Milchprodukte können bedenkenlos verzehrt werden.

Beim Angushof Dittrich in Ebermannstadt reagiert Inhaber Thomas Dittrich noch gelassen auf die Blauzungenkrankheit. Schließlich befinden sich seine wertvollen Rinder nicht im Sperrbezirk - noch nicht. 120 Tiere samt Kälbern stehen in seinem Stall. "Momentan ist es noch ruhig. Ein Problem ist es nur, wenn man ein Rind aus dem Sperrgebiet dazukaufen will", sagt Dittrich. Seine Suche nach einem Bullen laufe deshalb im Moment eher schleppend. Um auf der sicheren Seite zu sein, möchte er seine Rinder auf jeden Fall gegen die Blauzungenkrankheit impfen lassen.

Impfstoff nicht verfügbar

Doch genau daran scheitert es im Moment: Der Impfstoff ist nicht vorrätig, er muss erst produziert werden, wie Bernhard Hauser, Leiter des Veterinäramtes am Landratsamt Forchheim, berichtet. Im März, vielleicht auch erst im Mai, soll es erste Chargen des Impfstoffes geben. Bis die Grundimmunisierung bei einem geimpften Tier eintritt, dauert es jedoch fast drei Monate.

Und das heißt für die Tierhalter in den Sperrbezirken: Bis sie beispielsweise ihre Jungbullen in den Norden Deutschlands verkaufen können, müssen sie sich gedulden. Oder sie müssen eine Blutprobe vorlegen, die die Gesundheit des Tieres bestätigt.

Für Tierarzt Andreas Striezel, Leiter der Großtierabteilung bei "Die Tierischen - Zentrum für Tiergesundheit", gibt es deshalb im Moment viel zu tun. Noch musste er den Landwirten keine negativen Nachrichten überbringen. Denn einen Fall der Blauzungenkrankheit hat es im Landkreis Forchheim bisher nicht gegeben.

Bis der Impfstoff wieder erhältlich ist, könne es bis Mitte Mai dauern, schätzt Striezel. Und dann wird es erst richtig kritisch. "Das ist dann der Zeitraum, in dem die Insekten zu fliegen beginnen", sagt der Tierarzt. Eine einstimmige Erklärung, weshalb die Blauzungenkrankheit schon so bald ausgebrochen ist, gebe es auch unter Fachleuten noch nicht.

Virus nur zufällig entdeckt

Veterinäramtsleiter Hauser vermutet: Bei den aktuellen Fällen handelt es sich nicht um frische Ausbrüche, sondern um bereits länger bestehende, die nun zufällig entdeckt wurden. Denn das tückische an der Blauzungenkrankheit mit dem Serotyp 8, wie der aktuelle Virusstamm heißt, ist: Sie verläuft beim Rind meist ohne Krankheitsanzeichen. Nur Schafe können davon schwer krank werden und sterben.

"Schäfer sind mit ihren Schafen tatsächlich stärker betroffen. Beim Rind ist es eher ein wirtschaftlicher Aspekt, beim Schaf der gesundheitliche Aspekt", sagt Hauser. Er rechnet damit, dass sich der Sperrbezirk noch weiter ausdehnt. Der Veterinär befürchtet: Ohne flächendeckende Impfungen werde sich die Blauzungenkrankheit weiter ausbreiten. Um das Virus einzudämmen, brauche es eine Pflichtimpfung, meint Hauser.

Im Unterschied zu den Seuchenfällen in den vergangenen Jahren obliegt es diesmal den Tierhaltern, ob sie ihre Tiere impfen lassen. Sowohl die Kosten für die Impfung, als auch für die Blutuntersuchung, muss der Tierhalter selbst zahlen. "Ich gehe davon aus, dass die Impfung gut angenommen wird", meint Tierarzt Striezel. Es gebe bereits Landwirte, die auf der Warteliste stehen.

Das Virus der Blauzungenkrankheit (Bluetongue-Virus, BTV)

Erreger Das Virus trat in Zentraleuropa und in Deutschland erstmals 2006 auf. Nach den letzten Fällen 2009 war Deutschland von 2012 bis Dezember 2018 frei von der Tierseuche. Im Dezember 2018 wurden erste Fälle vom Serotyp 8 in Baden Württemberg bestätigt.

Vorkommen Der Erreger kommt weltweit in tropischen und subtropischen Regionen vor.

Übertragung Die Übertragung von Tier zu Tier geschieht über blutsaugende Insekten (Gnitzen), in denen sich das Virus vermehren kann. Auch in Deutschland heimische Gnitzen sind geeignet. Betroffen sind Schafe, Ziegen, Rinder, Rehe und Hirsche sowie Kamele, wie Lamas und Alpakas.

Krankheitsbild In der Regel entwickeln sich nur bei Schafen schwere klinische Symptome. Bei erkrankten Schafen sieht man häufig Entzündungen der Kopfschleimhäute. Es bilden sich Ödeme der Maul- und Nasenschleimhäute, in seltenen Fällen ist die Zunge so stark betroffen, dass eine sichtbare Blauverfärbung auftritt. Infizierte Rinder zeigen in der Regel weniger ausgeprägte Symptome, Aborte sind häufig die einzigen Anzeichen beim Rind. Bei schweren Krankheitsverläufen können die Kopfschleimhäute, das Flotzmaul, das Zahnfleisch und die Euterzitzen betroffen sein, sodass eine Euthanasie nötig wird.

Quelle: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit fr