Mit einem Paukenschlag zog Birgit Kaletsch am Dienstag die Konsequenz aus einem offenbar schon lange gärenden Frust: Die Forchheimer CSU-Frau schmiss ihre beiden Ämter als Kreisvorsitzende der Frauen-Union (FU) und als Stellvertretende Ortsvorsitzende der CSU Forchheim hin. Ihr Stadtratsmandat werde sie behalten, erklärte sie dem FT: "Schließlich bin ich von den Bürgern gewählt."

In einem offenen Brief an die stellvertretende CSU-Kreisvorsitzende Gisela Steinlein werden die Motive von Birgit Kaletsch deutlich. Das Fass zum Überlaufen brachte demnach der Wahlabend vom 21. Mai. Kaletsch hatte sich als eine von vier Kandidaten um das Direktmandat für den Landtag beworben; hatte aber am Ende nur 5 von 164 Delegierten-Stimmen erhalten.

Persönlich war sie am Wahlabend gar nicht anwesend gewesen.
Weil der Abend nicht auf ihren Terminkalender abgestimmt worden war, spricht Kaletsch jetzt von einer "unredlichen Terminposse".

Doch das ist noch der harmloseste Vorwurf, den sie in ihrem offenen Brief erhebt: Die zurückgetretene CSU-Politikerin prangert den "Klüngel der Riege alter Männer" an, die in der CSU dafür sorgten, "dass es ohne Frauen weitergeht"; sie spricht auch von der "Angst" der Männer davor, dass "die Frauen nicht nur anders sondern besser" seien. Die Frauen würden als "dumm" hingestellt und seien in der CSU "seit langen Jahren ausgeschlossen".

Gisela Steinlein, die sich am besagten Wahlabend kritisch zur Kandidatur von Kaletsch geäußert hatte, muss sich nun in dem offenen Brief fragen lassen, ob bei ihr denn "Hopfen und Schmalz verloren" sei?
Gisela Steinlein wusste am Dienstag nicht so recht, wie sie die wütenden Kaletsch-Äußerungen einordnen soll. "Ich verstehe es nicht. Ich kann nicht nachvollziehen, dass sie das alles geschrieben hat. Das ist so was von abstrus, jedenfalls hat es nichts mit Politik zu tun."

Was die angebliche Frauenfeindlichkeit in der CSU betrifft, sagte Steinlein: "Das weise ich absolut von mir. Ganz im Gegenteil: Wer seine Stimme erheben will, kann sie erheben - und wird gehört." Gleichzeitig betonte die stellvertretende CSU Kreisvorsitzende aber auch, dass sie die Angriffe "nicht persönlich" nehme; dass Kaletsch "viele Verdienste" für die CSU erworben habe und dass sie das Gespräch mit ihr suchen werde.

Das hat auch Udo Schönfelder vor. "Der Sprung kann vielleicht noch gekittet werden", sagt der Chef der CSU-Stadtratsfraktion. Er bedauere die "Zuspitzung" des Konfliktes, zumal er "Birgit Kaletsch als engagierte und qualifizierte Politikerin schätzen gelernt" habe.

Schönfelder wollte sich am Dienstag nur zu möglichen Konsequenzen auf Fraktionsebene, nicht auf Parteiebene äußern. Von dem Kaletsch-Vorwurf, die CSU in Stadt und Landkreis sei "noch nicht reif" um die Frauen zu integrieren, fühlt sich Schönfelder "nicht persönlich gemeint". Nicht nur er, auch andere in der Fraktion seien der Auffassung, "Kaletsch sollte als Stadtrats-Kollegin erhalten bleiben".

Das dürfte schwer werden. Dem FT jedenfalls sagte Kaletsch am Dienstag: "In diesem Kreis- und Ortsverband fühle ich mich Fehl am Platz." Die Frage, ob sie demnach die CSU verlassen und künftig als fraktionslose Politikerin im Stadtrat sitzen werde, ließ sie aber offen: "Es kommt darauf an, wie sich die CSU jetzt weiter verhält."
Wobei Kaletsch auch betonte, dass sie nicht alleine dastehe mit ihrer Position. "Ich bin 14 Jahre in der Frauen-Union und ich habe einige Frauen kennengelernt, die meine Auffassung teilen."

Udo Schönfelder sei in den letzten Jahren der einzige gewesen, der die Frauen-Union "mit ins Boot genommen hat". Dem Forchheimer Ortsvorsitzenden Werner dagegen wirft Birgit Kaletsch vor, permanent "ohne Absprachen" zu agieren.

Thomas Werner wollte sich noch nicht zum Rücktritt von Kaletsch äußern. Auch Antje Müller wollte das nicht, die stellvertretende FU-Kreis-Vorsitzende: "Erst mal muss ich mich abstimmen, vorher sage ich nichts." Und Kathrin Grüner, FU-Ortsvorsitzende aus Forchheim sagte: "Ich kann die Meinung von Birgit Kaletsch, dass Frauen nicht eingebunden sind, nicht teilen."