Am meisten freut sich Leyla am Nachmittag auf die Hausaufgaben. "Weil ich dann fertig bin und zu Hause spielen kann", sagt die Neunjährige. Leyla besucht die dritte Klasse der Adalbert-Stifter-Grundschule (Ast-Schule). Seit ihrer Einschulung wird sie nachmittags in einer Offenen Ganztagsklasse betreut, ebenso wie ihr Bruder.

Yesim Belkhodja, die Mutter der beiden, hat sich dafür bewusst entschieden. "Ich finde es ganz toll, dass es die Gruppe gibt. Ich bekomme nur positive Rückmeldungen", sagt sie. Gemeinsames Mittagessen, Hausaufgaben, Austausch mit anderen Kindern: Dinge, die die Mutter vom Konzept der Offenen Ganztagsschule überzeugen. Zuhause schaut sie noch einmal über die Hausaufgaben und liest mit den Kindern.

Hausaufgaben und Freizeit

Gruppenleiterin Anja Schmitt behält zusammen mit einer weiteren Fachkraft und einer Praktikantin den Überblick über eine der zwei Gruppen. Dafür hat Schmitt eine Weiterbildung zur Fachpädagogin für Ganztagsschulen absolviert. Denn anders als in einer Mittagsbetreuung wird in der OGTS pädagogisches Personal eingesetzt (siehe Infobox unten).

Der Ablauf nach Schulschluss ist stets ähnlich: Nach dem Mittagessen können die Kinder in einem Stuhlkreis zur Ruhe kommen, dann werden die Hausaufgaben gemacht. In der restlichen Zeit wird gespielt, gebastelt oder, wer will, auch mal geschlafen. "Manche Kinder sind platt und brauchen eine Schulter zum Anlehnen. Andere müssen sich austoben und wollen raus", sagt Schmitt. Um 16 Uhr werden die Kinder abgeholt. Besonders für Alleinerziehende oder berufstätige Eltern sei die OGTS eine große Erleichterung: Die Hausaufgaben sollen in der Schule erledigt werden.

Das weiß auch Schulleiter Martin Horn. Familien mit Migrationshintergrund seien oft ebenso froh, wenn den Kindern am Nachmittag in der Schule bei den Hausaufgaben geholfen wird. Neben der offenen Ganztagsbetreuung bietet die Ast-Schule auch gebundene Ganztagsklassen an.

Welche Kinder welchen Betreuungstyp besuchen, dafür gebe es keine klare Tendenz. "Das ist ganz individuell vom Kind abhängig." Neben der Ast-Schule, der Grundschule Reuth und der Grundschule Burk-Buckenhofen soll bald an der Martinschule die OGTS eingeführt werden.

Stadträte geben Martinschule grünes Licht

An der Martin-Grundschule Forchheim und im Schulhaus Kersbach soll im neuen Schuljahr 2019/2020 eine Offene Ganztagsschule (OGTS) eingeführt werden. Die Mitglieder im Haupt-, Personal- und Kulturausschuss haben einstimmig entschieden, dass die Stadt Forchheim den Antrag der Schule unterstützt und die staatliche Kofinanzierung (die Stadt muss pro Gruppe zwischen 2500 und 5500 Euro an den Freistaat zahlen) sowie den Sachaufwand trägt.

Für die Stadt bedeutet die Zustimmung insgesamt höhere Kosten. Auch, weil staatliche Zuschüsse und Betreuungsgebühren, wie bei der Mittagsbetreuung, wegfallen. Nun muss noch die Regierung von Oberfranken zustimmen.

Schulleiterin Kerstin Friedrich hat vorab Elternabende durchgeführt und die Eltern befragt. "Der Bedarf an nachmittäglicher Betreuung wächst stetig", sagt Friedrich. So hätten rund 87 Prozent der Eltern in der Innenstadt und 67 Prozent der Eltern in Kersbach Interesse an einem solchen Angebot.

Die bisherige Mittagsbetreuung, die unter Trägerschaft der Stadt Forchheim läuft, wird von der OGTS abgelöst. Bei diesem Betreuungsangebot liegt die Verantwortung bei der Schule, die mit einem Kooperationspartner (Träger) ein pädagogisches Konzept erarbeitet. Die Regierung zahlt einen Betrag an den Träger, wovon unter anderem das Personal finanziert wird.

Die Martinschule hat sich für die AWO Forchheim als Träger entschieden, weil man bereits in der gebundenen Ganztagsschule gute Erfahrungen mit der AWO gemacht habe, erklärt Friedrich. Im Gegensatz zu einer reinen Mittagsbetreuung ist die Stadt bei der OGTS von der Organisation entbunden.fr

Was steckt dahinter? Durchblick im Betreuungsdschungel der Schulen

Offene Ganztagsschule Die Betreuung durch pädagogisches Personal findet im Anschluss an den regulären Unterricht statt. Wesentliche Bausteine sind Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung sowie Freizeit. Die Betreuung wird jahrgangsstufenübergreifend von außerschulischem Personal (zum Beispiel Erzieher) durchgeführt. Die OGTS ist ein schulisches Angebot, das sich an den Regelunterricht an mindestens vier Tagen in der Woche bis 16 Uhr anschließt. Das Angebot ist für die Eltern kostenfrei. Bei Bedarf kann freitags und in den Ferien eine kostenpflichtige Betreuung eingeführt werden.

Gebundene Ganztagsschule Der Unterrichtstag ist rhythmisiert. Übungs- und Lernzeiten stehen im Wechsel mit sportlichen, musischen und künstlerischen sowie Sozialkompetenz fördernden Angeboten. Das heißt: Der Pflichtunterricht ist auf den ganzen Tag verteilt, auch am Nachmittag. Ein Mittagessen und Erholungsphasen komplettieren den Schultag. Das Angebot ist für die Eltern kostenfrei.

Hort Das Personal des Hortes besteht überwiegend aus Erziehern. Horte haben meist auch in den Ferien geöffnet. Für einen Hortplatz müssen Eltern zahlen.

Mittagsbetreuung Die Mittagsbetreuung gewährleistet eine Betreuung der Kinder nach dem Unterrichtsende und ist meist mit einer Hausaufgabenbetreuung verbunden. Oft ist die Stadt der Träger. Im Gegensatz zur OGTS ist die fachliche Ausrichtung der Mittagsbetreuung weniger streng. Eltern müssen ein Betreuungsentgelt zahlen.

Quelle: Regierung von Mittelfrankenfr