Ein Spielautomat, gefüttert mit Dantes himmlischer Komödie. Musik verkündet den Gewinn: Einen Platz im Himmel, in der Hölle oder im Fegefeuer. Die blecherne Stimme verliest den Richtspruch. "Das gefällt mir", sagen zwei Kinder, die in die alte Mälzerei mit ihren Eltern zur Kunstausstellung Kunstraum Weißenohe gekommen sind.

Viele Leute sind an diesem Sonntag in der Ausstellung. "Lebensfreude" lautet das Thema und spiegelt für einen Moment die Stimmung der Kinder wider. Die echte Lebensfreude. Doch was ist mit der aufgesetzten Freude, die Angestellte in die Arbeit mitbringen müssen? Was, wenn Kreativität, diese Lebensfreude umschlägt und sich in Melancholie oder Depressionen zeigt.
Was, wenn man alles hat und die Lebensfreude in Langeweile mündet?


Menschen können scheitern

Es ist jedenfalls ein vielschichtiges Thema, das in vielen Facetten beleuchtet wird und viel Raum für Interpretationen lässt. Zwei Seiten der Medaille sind deshalb in zahlreichen Werken bekannter Vertreter der zeitgenössischen Kunst zu sehen und diese Kunst, umgesetzt durch viele Techniken, fasziniert.
Ein Bild zeigt einen Mann, der einen Luftballon vor das Gesicht hält? Will er nicht lachen oder ist es wie in Japan, wo man an einem Tag seine wahren Emotionen statt des gewohnten Lächelns zeigen darf, aber die Mimik hinter einer Maske verstecken muss?

Starke Farben verwendet die Künstlerin Kerstin Schmitt für ihre Bilder. Das Kippmoment spricht an. Für welches Handeln entscheidet sich der Protagonist auf dem Bild? Wo sind Realität und wo beginnen die Tagträume. Eher düster, ohne düstere Farben eingesetzt zu haben, wirken die Werke im alten Mälzraum.
Die Entfremdung steht im Vordergrund, das Scheitern der Menschen, die doch erfolgreich sein wollen, sich an Vorbildern abreiben, sich dem Gegenüber oft falsch verhalten, da sie von den gesellschaftlichen Zwängen getrieben sind.


Schicksal von Kindern

Lange arbeitete der Künstler Uwe Gerhardt an seinen Zeichnungen, hat sich monatelang auf diese Ausstellung vorbereitet. Es ist der passende Raum für diese Ausstellung. Zwiespältigkeit drücken auch die Werke von Eva Mandok aus. Sie fertigte Köpfe aus arabischen Zeitungen. Die Köpfe lachen, haben eine Kindergröße. Gaza. Kinder, die getötet wurden, obwohl sie eigentlich lachend im Sand spielen sollten. "Tristesse einer glücklichen Welt" ist der Titel der Werke von Christian Vittinghoff.

Figuren sind in den unterschiedlichen Bildfiguren versteckt, alles auf altem Zeitungspapier gedruckt. Auch Luxus und Wohlstand können die Lebensfreude nehmen oder in einer sicher geglaubten Scheinwelt zum bösen Erwachen werden, wie Vereinsvorsitzender Lutz Krutein mit seinen Werken zeigt. Eine Krankenliege wurde umgebaut.

Große Rollstuhlräder sind nun am Gestell. Der Mensch fühlt sich "wohl und weich gebettet, will schnell vorwärts und am Ende fahren wir in den Abgrund", erklärt der Künstler die oft betrügerische Sicherheit, die Wirtschaft und Marketing vermitteln würden. Bilder, die sich ausziehen, Bilder, wie sie Impressionisten gezeichnet haben - in den Kunsträumen sind viele beeindruckende Werke, die das Thema Lebensfreude aus unterschiedlichen Standpunkten bearbeitet. Den Wissenschaftspreis in Sachsen hat das Werk mit gebrannten Datenträgern erhalten.

Auch mit Abfall kann man etwas erschaffen, das Freude bereitet - das ist die Botschaft hinter dem Kreis, der aus alten CDs gestaltet wurde. Regenbogenfarben erstrahlen, wenn Licht einfällt. Auch Werke von zwei geistig behinderten Frauen sind ausgestellt. In der Kunstwerkstatt der Lebenshilfe entstanden die Werke einer Künstlerin, die mit Kreisbildern aufmerksam macht, ihre Gefühle ausdrückt. 2000 Stück hat sie gefertigt. Menschen, die auf den ersten Blick fröhlich wirken, zieren die Bildreihe der andern Künstlerin in den Räumen der alten Mälzerei. Auf den zweiten Blick erkennt man die Traurigkeit in den Augen. Es sind wohl die Menschen selbst, die für die Künstlerin geheimnisvoll bleiben.