"Wenn ich Sie wiedersehe, muss ich Sie einsperren", warnte Amtsrichterin Silke Schneider den jungen Mann, der vor ihr stand und bereits einige Vorstrafen erhalten hatte. Er musste sich vor Gericht verantworten, weil er in einer Ebermannstädter Bar mehrere Gäste beleidigt und in einem Handgemenge die Geschäftsführerin an der Hand verletzt hatte. Alles nur, weil er sich provoziert gefühlt hatte.

"Einfach nur komisch gefühlt"

Da der Angeklagte den Verlauf des Abends anders schilderte, als die Zeugen, überlegte Richterin Schneider zunächst, ob sie den Termin vertagen und als weitere Zeugen auch die Freunde des jungen Mannes laden sollte. Da aber nach einer Besprechung zwischen Anwalt, Richter und Staatsanwaltschaft sich der Angeklagte zu einem Geständnis bewegen ließ, in dem er die Taten einräumte, die ihm vorgeworfen wurden, verurteilte ihn die Richterin zu einer Freiheitsstrafe von insgesamt vier Monaten, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden. Außerdem muss der Angeklagte 50 Arbeitsstunden leisten, bekommt einen Bewährungshelfer, soll am Anti-Aggressionstraining teilnehmen, zu dem er sich bereits angemeldet hat und seine begonnene Therapie fortsetzen. Die Richterin hielt dem Angeklagten zugute, dass er sich persönlich vor der Verhandlung bei den Geschädigten entschuldigt hatte.

"Das wird auf jeden Fall nicht mehr vorkommen", versprach der Angeklagte. Was war passiert? Der junge Mann hatte mit mehreren Freunden die Bar in Ebermannstadt besucht, sie tranken Bier und Cocktails. Plötzlich fing er an und beleidigte einen anderen Gast in der Bar. Dieser kam daraufhin zu ihm und wollte wissen, warum er fremde Leute einfach beleidige.

Statt jetzt einzulenken, beleidigte und bedrohte er noch einen weiteren Gast. Der Gast, der auch als Zeuge vor Gericht aussagte, fühlte sich bedroht: "Es gibt so einen Unterschied, wenn jemand besoffen ist, und er lallt dich voll, aber ich habe ihm in die Augen geguckt und mich einfach komisch gefühlt", erklärt er auf Nachfragen der Richterin. Diese ist ebenfalls überzeugt davon, dass bei dem Angeklagten nicht nur Alkohol im Spiel war.

Worte nützten nichts

Die lautstarke Auseinandersetzung am Tresen ließ einen Gast aufmerksam werden, der schlussendlich der Wirtin half, den aggressiv gestikulierenden Angeklagten aus der Bar zu befördern: "Ich wollte ihn eigentlich verbal beruhigen, das hat aber nicht funktioniert", erinnert sich der Gast, der jetzt als Zeuge vor Gericht steht.

Die Wirtin selbst erinnerte sich daran, dass der Angeklagte erst ruhig wurde, als sie ihn an seine Mama erinnerte. Auf die Frage von Richterin Schneider, wie der Angeklagte drauf war, ist sich die Wirtin sicher, dass er weder besoffen, noch bekifft war, sondern irgendeine andere Substanz genommen haben muss. Sie will nicht, dass der Angeklagte eingesperrt wird, sie will, dass ihm geholfen wird: "Ich ziehe meine Anzeige zurück, wenn er sich behandeln lässt."

"Bei Ihnen gibt es einige Dinge zu bearbeiten", stellt die Richterin fest. Auch der Staatsanwalt findet die Verhängung einer Freiheitsstrafe angemessen, da die bisherigen Geldstrafen auf den Angeklagten scheinbar ohne Wirkung blieben. "Sie sind erwachsen", wies die Richterin den jungen Mann darauf hin, dass er die Verantwortung für seine Handlungen übernehmen müsse.