Wer schon einmal eine Altstadtführung erlebt hat, weiß um die reichhaltige Geschichte der kleinen Bergstadt in der südlichen Fränkischen Schweiz. Ein Gefängnis und das Gericht waren dort, wo nun das Gebäude der Verwaltung steht.

Eine Stadtmauer erinnert noch heute an das Leben der damaligen Zeit. Eine Zeit, als der Nachtwächter seine Runden drehte oder die Stadtwachen an den Türmen positioniert waren, als Wegezoll kassiert wurde. Jede Generation erlebte ihre eigenen Geschichten beim Markttreiben in der Stadt, die hauptsächlich vom Geschlecht der Patrizier aus Nürnberg geprägt waren.

Wer jetzt durch das Hiltpoltsteiner Tor zum historischen Kern Gräfenbergs gelangt, ahnt, welch Glanz die damalige Zeit versprühte - zumindest was die Bausubstanz betrifft.
Dem Einsatz der Altstadtfreunde, die nun 15-jähriges Vereinsjubiläum feiern, ist das zu verdanken.


Vereinsgründung

Lange Zeit war das anders. Verkommen war die Stadtmauer, das Gesteiger Tor und das Hiltpoltsteiner Tor bedurften einer Sanierung. Hier gab es die Schwierigkeit, dass sich ein Teil davon in Privatbesitz befand.
Die Historie am Leben erhalten, das war der Wunsch vieler Gräfenberger Bürger. Doch die Umsetzung scheiterte wie so oft am Geld. Warum sollte es nicht eine andere Lösung geben? Warum sollte in Gräfenberg nicht machbar sein, was in der großen Stadt Nürnberg, zu der Gräfenberg vor vielen Jahren gehörte, längst umgesetzt wurde?
Mit dem Verein "Altstadtfreunde" sollte das Problem gelöst werden. Der damalige Stadtrat Georg Rammensee, der auch das Turmuhrenmuseum gegründet hat, und der damalige Bürgermeister Werner Wolf luden zur Gründungsversammlung ein. "Erich Mulzer, der Vorsitzende des Nürnberger Vereins, brachte viele aufmunternde Worte mit, als sich 44 interessierte Bürger zur Vereinsgründung trafen", erinnert sich Otto Müller, Vorsitzender der Altstadtfreunde und Stadtrat zur Zeit der Vereinsgründung.

Zweifel gab es schon. Nicht nur bei den Interessierten. Dennoch wagte man das Vorhaben, gründete einen Verein, dessen Vorsitzender Georg Rammensee wurde. Wie schnell die leisen Verunsicherungen beiseitegewischt werden konnten, zeigte sich bereits bei den ersten Projekten, die von den Mitgliedern in Angriff genommen wurden.


Aktuell 170 Mitglieder

Als Kultur- und Festscheune ist die Manfred Meier Scheune bekannt und nicht mehr wegzudenken. Vor zwei Jahren war die Scheune eins der Projekte für den Tag des offenen Denkmals. Der Künstler Wolfgang Mages stellte seine Kunstwerke aus, was großen Anklang fand.

Mit einem Weinfest und einer Fotoausstellung soll das Vereinsjubiläum gefeiert werden. Zugleich ist die Scheune ein Andenken an den früheren Vorsitzenden Manfred Meier, der Rammensee ablöste. "Die Scheune selbst ist ein typischer Stadel in der Vorstadt, erbaut wohl im 18. Jahrhundert. Er wurde denkmalgerecht saniert und dient als Material- und Werkzeuglager, von Zeit zu Zeit auch als Kultur- und Festscheune", so die Altstadtfreunde.


Tausende ehrenamtliche Stunden

Eine Herausforderung war die Sanierung des Gesteigertors, danach auch die des Hiltpoltsteiner Tores mit der Schaffung eines Fußgängerdurchgangs im benachbarten ehemaligen Mesnerhaus. Trotz erheblicher staatlicher Fördermittel und großzügiger örtlicher Sponsoren war bei diesen Großprojekten die vereinseigene Baugruppe mit Tausenden ehrenamtlichen Arbeitsstunden gefragt. Längst macht der Verein, der inzwischen 170 Mitglieder zählt, auch mit seinen Untergruppen von sich reden. Die Bierbraugruppe, die Gewandschneiderei oder die Stadtführungen sind über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

All das wurde durch Fotos dokumentiert und wird bei der Jubiläumsfeier ausgestellt. "Natürlich soll das Fest auch mit guten Speisen und Getränken gewürzt werden. Eine Gruppe junger Gräfenberger Musiker spielt dazu auf, ohne elektronische Verstärker, so dass nichts einer guten Unterhaltung und dem Austausch von Erinnerungen und Neuigkeiten im Weg steht", versprechen die Verantwortlichen.