Die ideale Abiturfeier zeichnet sich aus durch eine perfekte Mischung aus "Flexibilität und Planung", sagt Karlheinz Schoofs, Schulleiter des Ehrenbürg-Gymnasiums in Forchheim (EGF). An beidem war seit März diesen Jahres kaum mehr festzuhalten. Die Schüler hätten sich in dieser besonderen Situation vor allem durch ihr Durchhaltevermögen, Disziplin und Geduld ausgezeichnet, sagt der Direktor.

Als im März diesen Jahres die Corona-Pandemie weite Teile der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens lahm legte, war praktisch alles denkbar, bis hin zu dem Punkt, dass es in diesem Jahr gar kein Abitur geben würde. Umso stolzer ist Schoofs auf seine Abiturienten und freut sich: "Wir sind glücklich, dass wir noch einen schönen Abschied für unsere Abiturienten gestalten konnten". Das bestätigt auch sein Stellvertreter Willi Klement. Die größte Hürde für das diesjährige Abitur hätte darin bestanden, dass beinahe im Tagestakt Änderungen durch das Kultusministerium beschlossen wurden, die die Planung erschwerten - die letzte eine Woche vor der Zeugnisvergabe.

Dabei wäre die Organisation des Abiturs selbst nicht sehr stark von den Verordnungen betroffen gewesen. "Große Räume und ein ausreichender Abstand sind auch ohne Corona die Norm", erklärt Klement. Das größte Problem war die Ungewissheit, wie es weitergehen würde. Erst ab dem 27. April durften die Abiturienten den Unterricht unter Einhaltung strenger Hygienemaßnahmen besuchen. Am 20. Mai begann das schriftliche Abitur. Nachdem die Prüfungen vorbei waren, wurden diverse Überlegungen zur Gestaltung einer Entlassungsfeier durch ständig eintrudelnde Verordnungen aus dem Ministerium immer wieder umgeworfen. Das Konzept einer Verteilung der Schüler mit ihren Eltern auf Klassenzimmer und der Videoübertragung der feierlichen Zeugnisvergabe aus der Aula in die verschiedenen Räume, wurde aufgrund der Aufenthaltsbeschränkung von maximal 100 Personen in einem geschlossenen Gebäude unmöglich gemacht.

Große Kreativität gefragt

Freilich war in diesem Zusammenhang die geballte Kreativität des Direktorats und der Oberstufenkoordination unter der Leitung von Annemarie Lucksch gefragt, doch das Ergebnis konnte sich sehen lassen. "Die jetzige Lösung ist sehr schön geworden", freut sich Willi Klement.

Die Zeugnisvergabe des Ehrenbürg-Gymnasiums fand im Freien statt und wurde in zwei Schichten abgehalten. Die erste Gruppe von 9 Uhr bis 11 Uhr und die zweite von 12 Uhr bis 14 Uhr. Früh am Morgen wurden die besten Abiturienten mit einem Abiturschnitt von 1,3 und besser geehrt. Besondere Gäste an diesem Tag waren der Forchheimer Landtagsabgeordnete Michael Hofmann und die Stellvertretende Landrätin Rosi Kraus (beide CSU), die die Leistung der Abiturienten während des Corona-Abiturs würdigten und ihnen viel Mut und Erfolg für die Zukunft wünschten.

Abgerundet wurden die Feierlichkeiten durch eine musikalische Darbietung der Pianistin Julia Schwab mit ihrer Interpretation des "Liebestraum" von Franz Liszt und der Schülerrede von Katharina Büttner und Marvin Ogolla.

Das sagen die Besten und so geht's bei ihnen weiter

Thomas Kornalik: Durchstart mit Physik (Abinote: 0,79)

0,79 - diesen fantastischen Abiturschnitt erzielte Thomas Kornalik, der am EGF schon längst als Mathe und Physik-Crack bekannt ist. Das bedeutet aber nicht, dass er nur am Schreibtisch sitzt und paukt. "Ausgleich ist wichtig", betont er und nahm sich Zeit für seine Gitarre. Als Erfolgsrezept nennt er "Routine und Übung", und erklärt:"Gerade in Mathe ist es wichtig, viel zu üben - beispielsweise an alten Abituren." Ein Gap-Year will Thomas nicht einlegen. Für ihn geht es im November mit einem Bachelorstudium in Physik weiter. "Sonst falle ich noch in ein Motivationsloch." Damit ihm dazwischen nicht langweilig wird, möchte er das Programmieren üben und einen Englisch-Test ablegen.

Laura Heidner: Leidenschaft Biologie (Abinote: 1,0)

"Ich habe einen guten Schnitt angestrebt, um mir Möglichkeiten offenzuhalten", erzählt Laura Heidner, die nun mit einer 1,0 glänzen darf. In der Schule fand sie viele Fächer interessant, besonders aber die Humanbiologie. Daraus entwickelte sich ihr Berufswunsch, in die Forschung zu gehen. Deswegen hat sie sich auf den Studiengang Pharmazie beworben. Einen Lernplan hat sie sich aber nicht gemacht: "Das hätte mich bloß mehr gestresst", verrät sie. Zwischendurch wäre sie gerne Klettern oder Schwimmen gegangen, was aber wegen Corona leider nicht möglich war. Stattdessen verbrachte sie viel Zeit beim Kochen, beispielsweise buk sie einen Blumenstrauß aus Cupcakes zum Muttertag.

Maximilian Bechtel: Übung macht den Meister (Abibote: 1,0)

Auch für Maximilian Bechtel war der glatte 1,0 Schnitt eine freudige Überraschung - und eine verdiente Belohnung. Gewissenhaft hat sich Maxi regelmäßig einen Lernplan erstellt, denn Übung macht den Meister - auch im Abitur. Trotzdem fand er noch genug Zeit um Gitarre zu spielen oder ein Buch zu lesen. Die Corona-Karenzzeit empfand er dabei nicht als Nachteil: "Man hatte dadurch mehr Zeit daheim und Ruhe zum Lernen". Als Tipp gibt er auf den Weg, kontinuierlich mitzuarbeiten: "Kurz vor dem Abi zu versuchen, den Stoff nachzuarbeiten, funktioniert nicht", bestätigt er. Für ihn geht es erst einmal im November mit einem Informatikstudium in Erlangen weiter.

Andreas Saffer: Vom Schüler zum Lehrer (Abinote: 1,0)

Für Andreas Saffer war sein Abitur eine richtige Überraschungsbox. Dass sein Abiturschnitt eine glatte 1,0 ergeben würde, hatte er so nicht erwartet. "Ich wollte einfach ein möglichst gutes Ergebnis erzielen", erzählt er. Natürlich steckt hinter so einem Schnitt auch viel Arbeit. Andreas hat sich aber die Zeit gut eingeteilt und sich Ausgleiche geschaffen, beispielsweise lesen. Nach dem Abitur geht es für Andreas langfristig als Lehrer wieder an die Schule. Für die Fächer Latein, weil es sein Lieblingsfach ist und Religion, weil ihm die Oberstufe viel Spaß gemacht hat, sodass er sogar seine mündliche Abiturprüfung mit dem Schwerpunkt "Religionskritik" in diesem Fach abgelegte.

Zahlen und Fakten zum EGF

Zahlen zum 2020-Abitur

Anzahl Abiturienten: 122

Abiturienten mit 1,5 und besser: 18

Abiturienten mit "1" vor dem Komma: 41

Abiturdurchschnitt insgesamt: 2,18

Dauer der Karenz-Zeit: 16. März bis 27. April

Start des Abiturs: 20. Mai

Das Ehrenbürg-Gymnasium Forchheim

wurde im Jahr 1982 gegründet und nach der östlich liegenden Erhebung der Ehrenbürg benannt, einem schon im Altertum bewohnten Kalksteinplateau. Es ist ein naturwissenschaftlich-technologisches Gymnasium mit etwa 900 Schülern und 90 Lehrern.