In diesem Mai ist es 70 Jahre her, dass die bedingungslose Kapitulation der Deutschen Wehrmacht unterzeichnet wurde und damit der Zweite Weltkrieg beendet war. Bis zuletzt wurde gekämpft.Was blieb, war ein Meer aus Blut und Tränen.

Die Zeitzeugen, die davon berichten können, werden von Jahr zu Jahr weniger. Einer, der das noch kann, ist Georg Dötzer aus Weilersbach. Viele kennen ihn auch als "August-Schorsch". Mit 19 Jahren wurde er 1940 zum Wehrdienst eingezogen. Der 94-Jährige kann darüber noch erzählen, wie er das Kriegsende und die Zeit bis zu seiner Heimkehr erlebte.

Besorgte Soldaten

Dabei trifft man auf einen liebenswürdigen Senior, der in einem Album mit Erinnerungsfotos und einem kleinen Kalender-Tagebuch aus seiner Wehrmachtszeit blättert. Aus seinen wachen Augen blitzt ein freundliches Lächeln.

"Ein unvergesslicher Teil meines Lebens", sagte er über den Tag, an dem der Krieg für ihn zu Ende ging. "Es war in Ratkersburg in der Steiermark, an der slowenischen Grenze. In dieser Gegend war für mich der Krieg aus. Ich war damals Unteroffizier und Zugführer."

Es sein "ein Schock" gewesen, als der Kompaniechef die Soldaten in der Nacht auf den 9. Mai 1945 über die bedingungslose Kapitulation Deutschlands informiert hat.

Dötzer kommt ins Erzählen: "Die Sorge von uns Soldaten kam nicht von ungefähr, denn jeder konnte jetzt machen, was er wollte, und jeder musste für sich selbst schauen, wie er weiterkam. Der Führereid galt ja nicht mehr. Es gab nun keine Gesetze und Rechte mehr. Die Angst in russische Kriegsgefangenschaft zu kommen, war unter uns groß. Wir machten dann eigentlich das Richtige; wir berieten uns, blieben als Truppe beieinander und halfen zusammen. Jeder mit dem Gedanken, bald wieder in seiner Heimat zu sein. Zuallererst sprengten wir bis auf eines alle Geschütze und Kettenfahrzeuge. Doch vorher waren wir am 9. Mai noch einer Falschmeldung eines Propagandasenders auf den Leim gegangen. Es ging das Gerücht, in Klagenfurt seien die Engländer.

Schießende Partisanen

Dötzer berichtet weiter: "In Bleiburg an der slowenischen Grenze schossen dann noch einmal die Partisanen auf uns. Aber wir hatten Glück und erreichten Judenburg in den Hohen Tauern, wo wir unser letztes Geschütz sprengten.

Die Panzerfäuste haben wir an die Felsen geschossen. Jetzt hatten wir nur noch das letzte Kettenfahrzeug. Mit dem fuhren wir Richtung Liezen an der Enns, wo uns allerdings die Amerikaner nicht über die Flussbrücke ließen. Unter uns ging die Furcht um, wenn wir es nicht schaffen, fallen wir den Russen in die Hände. Ein Stück flussaufwärts konnten wir endlich die Enns überqueren. Auf der Straße wimmelte es vor Landsern, die alle heimwärts drängten. Wir wollten nach Salzburg. Wieder ließen die Amis unser Fahrzeug nicht passieren, nur Pferdegespanne. Da haben wir unser letztes Benzin den dortigen Bauern geschenkt. Als es plötzlich "Weiterfahren" hieß, hatten wir natürlich kein Benzin mehr."

Fünf Tage Fußmarsch

Dann habe sich die Gruppe aufgelöst: "Ich blieb mit meinen Kameraden Josef Gildner und Heinz Scholz-Starke beisammen. Auf einem kleinen Lastwägelchen durfte unsere kleine Gruppe bis nach Braunau am Inn mitfahren.

Am 13. Mai kamen wir ins amerikanische Lager in Mauerkirchen. Als wir drei schon einige Tage später, am 20. Mai 1945, entlassen wurden, war dies für uns wie ein Geschenk des Himmels. Nach einem fünftägigen Fußmarsch über Altötting und Neustadt/Donau betraten wir nach allen Kriegswirren völlig erschöpft den heimatlichen Boden in Weilersbach um fünf Uhr früh.Das war an meinem 24. Geburtstag."
Aber die Freude darüber währte nur kurz. "An der Tannesbrücke am Annaberg verhafteten uns sofort die Amerikaner, weil wir während der verhängten Ausgangssperre, die bis um sechs Uhr früh dauerte, auf der Straße liefen. Dass wir wieder freigelassen wurden, war der Fürsprache von Margarete Amon zu verdanken." "Ja", blickt Dötzer, zurück "ich hatte Glück gehabt, mit heilen Knochen nach Hause zu kommen." Doch aus seiner Kriegsdienstzeit blieb auch Schönes: "Eine Freundschaft fürs Leben war die mit Josef Gildner aus Breslau, die in Stalingrad geschlossen wurde."

Wegen Dötzer machte Gildner Weilersbach zu seiner zweiten Heimat. Nach dem Ende des großen Tötens und Sterbens begann für Dötzer ein neues Leben. Zuallererst half er seinen beiden Schwestern, den elterlichen Bauernhof wieder aufzubauen. Nach der Heimkehr seines Bruders arbeitete er beim Wasserwirtschaftsamt.