Gräfenberg
Tourismus

Wildpinkler, Pöbeleien, Gegröle: Ärger um beliebten 5-Seidla-Steig in Franken

Der beliebte 5-Seidla-Steig bei Forchheim sorgt aktuell für schlechte Stimmung bei den Anwohnern: Immer wieder fallen Wanderer negativ auf. Sie pöbeln, machen Dreck und sind rücksichtslose Wildpinkler. Jetzt soll gehandelt werden.
 
Bilder Malbrich
Diesen Anblick ernten Anwohner und Wanderer, wenn sie Betrunkene, die den Funkmasten hochkletten wollen, rügen. Fotos: privat
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Auch wenn die Jahreszeit zum Wandern bald vorbei ist, wird es um den 5-Seidla-Steig nicht ruhig. Oft schon angetrunken steigen einige Wanderer aus dem Zug und kippen die nächste Flasche ein, wenn sie über Weißenohe und Sollenberg nach Gräfenberg wandern. Manche sind durch den Alkohol bereits so enthemmt, dass sie versuchen, den Funkmasten hochzuklettern. Werden sie von Anwohnern oder anderen Wanderern gerügt, ist das nackte Hinterteil die Antwort.

Vor allem am Samstagnachmittag sind die Anwohner am Marktplatz dem ausartendem Verhalten einiger Betrunkener ausgesetzt. Ein Blick aus dem Fenster zeigt, wie eine Gruppe junger Männer in Reihe stehend den Ritter-Wirnt-Brunnen bepinkeln. Andere der Gruppe finden es lustig, mit einem Stock herumfuhrwerkend, den Urinierenden bei seinem Geschäft zu stören. Das unschöne Schauspiel wird durch lautes Gegröle befeuert. Nicht nur dort treiben wenige Wanderer ihre Bierlaune zur Schau.

5-Seidla-Steig, Wildpinkler und Pöbler sorgen für Ärger

Auch bei der Grotte, dem Gasthaus am oberen Ende der Bahnhofstraße, hallen gellende Laute durch die Altstadt. Zum Leidwesen der Anwohner, die wenig begeistert über den Bierwanderweg sind. Leere Flaschen, Müll und Wildpinkler sind auch Stadtrat Heiko Kracker (GBL) sehr vertraut. Er wohnt wie einige andere Stadträte direkt am Seidla-Steig und die Bürger erleben bereits am Samstagmorgen mit dem Aufziehen der Rollos Halligalli und Konfetti. Dass die Mehrzahl der Wanderer sehr vernünftig ist, ändert wenig an der Problematik, verursacht durch wenige schwarze Schafe. "Die wird es leider geben, solange diese Attraktion besteht. Leider scheint es durch die derzeitige Corona-Situation einen weiteren Boom auf dem 5-Seidla-Steig zu geben, und es sind deutlich mehr Wanderer unterwegs als die Gaststätten aufnehmen dürfen", sagt Kracker.

Nicht nur wegen Corona, die Brauereienihrerseits versuchen diese Auswüchse längst einzudämmen, indem sie bereits angetrunkene Wanderer wegschicken. "Die Brauereien sind ethisch sauber. Sie haben alles Mögliche gemacht, dass der Weg auch das Ambiente hat wie die Gaststätten. Alles ist gepflegt, was geboten ist", betont Regine Bleckmann, die Geschäftsführerin des Tourismusvereins Südliche Fränkische Schweiz.

Doch kaputt machen es die wenigen Leute, die bereits betrunken am Bahnhof ankommen oder nicht mehr mit Bier bedient werden und deshalb mit ihrem Bollerwagen an den Marktplatz, zum Denkmal oder auf die Felder ziehen. Vor allem sorgt sich Bleckmann um die Kinder und Jugendlichen, die an den Nachmittagen ebenfalls am Marktplatz sind und diese betrunkenen pöbelnden Wanderer sehen.

Dauerärger am 5-Seidla-Steig: Ist das die Lösung des Problems?

"Was ist das für ein Vorbild", fragt Bleckmann. Der SPD-Ortsverein hatte nach den jüngsten Auswüchsen den Seidla-Steig auf der Tagesordnung ihrer Mitgliederversammlung. Einzig eine Polizeipräsenz würde das Problem eindämmen. "Wir brauchen die Polizei nicht nur bei Demos in Berlin. Wer am Marktplatz betrunken pöbelt, gehört in die Ausnüchterungszelle. Hier hilft nur Polizeipräsenz", betont Bleckmann.

Diese Polizeipräsenz fange im Zug an und hier helfe nur Druck durch die Politik. Denn auch Heiko Kracker weiß, dass ein Verbot von "Bier to go" das Problem nicht wirklich lösen würde. "Das würde niemand daran hindern, wie bisher auch schon, mit vollem Rucksack anzureisen und die Sau rauszulassen", sagt Kracker. Die gute Bahnanbindung ist Fluch und Segen zugleich, findet Max, der am Bierwanderweg wohnt, und den 5-Seidla-Steig mit dem Bierwanderweg bei Aufseß vergleicht.

Dort ist er mit Freunden bereits gewandert und Auswüchse scheinen nicht bekannt zu sein. Der Grund: "Man muss mit dem Auto kommen und mit dem Auto wieder nach Hause fahren", sagt Max. Bereits vor zwei Wochen hat Bürgermeister Ralf Kunzmann auch mit den Brauereien gesprochen. Der Vorschlag war unter anderem, keinen Schnaps mehr auszugeben, der in Kombination mit Bier wenig empfehlenswert ist. "Auch ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen wie in Nürnberg wurde diskutiert. Wir haben das vor zwei Wochen zur rechtlichen Prüfung gegeben", informiert Kunzmann. Das Ergebnis dauere noch.

Sicherheitsdienst für den Wanderweg? Video zeigt: Auch einheimische machen Lärm

Auch ein Sicherheitsdienst mit hoheitlichen Aufgaben war im Gespräch und wird gerade geprüft. Wenn es rechtlich möglich wäre, müsste noch die Finanzierung geklärt werden. Doch beide Themen wären ohnehin zur Diskussion und Abstimmung im Stadtrat. Matthias Striebich, der ebenfalls entlang des Wanderwegs wohnt, schlug deshalb vor, Streetworker einzusetzen. Trotzdem: "Man weiß nicht, ob es Leute vom 5-Seidla-Steig sind", sagt Bürgermeister Kunzmann. Genau diese Beobachtung haben auch Lars Laufer (CSU) und Regine Bleckmann gemacht. "Als vor Corona das Stadtcafe am Wochenende bis fünf Uhr früh geöffnet hatte, war am Marktplatz auch Geschrei und Halli Galli", erinnert Laufer.

Regine Bleckmann kennt ein Video, auf denen einheimische Jugendliche nach dem Besuch einer Fußball Skybar ebenfalls lärmend nach Hause gelaufen. "Wir müssen wieder auf Werte achten und diese in der Erziehung vermitteln", sagt Bleckmann. Dem stimmt Lars Laufer, der auch entlang des Bierweges wohnt, zu. "Die Auswüchse nicht nur am 5-Seidla Steig sind ein gesellschaftliches Problem", sagen Bleckmann und Laufer. Ist der Bierwanderweg der Spiegel der Gesellschaft?