Noch ist Rock im Park etwa so groß wie eine Tischtennisplatte. Ein weißer Papierbogen, schwarze Linien, grüne Flächen. Das Festival als Planspiel. Der Plan hängt unter einer Tribüne des Nürnberger Stadions, trocken ist es hier und entspannt. Noch. Wolfgang Thiel und Rainer Sülzer stehen vor dem Plan. Thiel, der technische Leiter des Festivals. Sülzer, der Aufbauchef. Thiel in Turnschuhen - angeblich wasserdicht. Sülzer erst in kurzen Ärmeln, später in Trainingsjacke. Sülzer sagt: "Diese runde Scheibe ist da, jetzt kann nichts mehr schiefgehen."

Sülzer lacht. Scheibe, sagt er, meint die Sonne.

Wolfgang Thiel grinst. Sie können jetzt wieder lachen. Jetzt, nach Regenfronten und Unwettern, als Rings um Nürnberg die Welt fast unterging. Wolfgang Thiel sagt, sie hätten in diesem Jahr fünf Tage eher mit dem Aufbau angefangen. Puffertage. Für Regenpausen. "Wir sind jetzt weiter als sonst", sagt er. Außerdem ist das Gelände so etwas wie wasserdicht. Viele befestigte Flächen, dazu Sportrasen vor den Bühnen. Vor beiden Außenbühnen rollen Aufbauhelfer Plastikmatten aus. Knapp 2000 Mann bauen Rock im Park auf. Tätowierte Typen mit verspiegelten Sonnenbrillen und Vorschlaghammern.

Ein paar Pfützen gibt es noch und Reifenspuren im Matsch.



Aber das trocknet. Ein Woodstock-Schlamm-Fest scheint kaum möglich. Und außerdem: "Unser Sicherheitskonzept deckt Unwetter mit ab", sagt Sülzer. LED-Anzeigen, die die Besucherströme leiten. Videobotschaften im Unglücksfall. Geschulte Sprecher, die Maßnahmen durchsagen. Auf dem Plan schaut das alles bunt aus: grüne Pfeile, die aus dem ovalen Zeppelinfeld hinausführen. Duisburg murmelt eine Journalistin beim Rundgang über das Gelände.

Sülzer sagt. "Bei uns gibt es keine Nadelöhre, so etwas kann hier nicht passieren."

Dann übernimmt Thiel, spricht über die Neuerungen in diesem Jahr: ein grüner Fleck links oben im Plan. Green Camping, sagt Thiel. Ein Zeltplatz für 5000 Menschen, die Wert auf Nachtruhe legen, keinen Bock auf Dauerbeschallung haben. Ein Pilotprojekt, sagt Thiel. Und noch eines: ein Pfandrückgabesystem. Für alle Flaschen, wie ein Supermarkt. Rock im Park wird erwachsen. Dann sagt er noch, um acht Uhr am Donnerstag öffnen die Zeltplätze. "Frühanreiserkonzept", heißt das hier. Sehr früh, das Festivalgelände selbst öffnet erst am Freitag um elf.



Dann übernimmt wieder Sülzer, führt hinauf zum Ausguck. Adlerhorst, sagen sie zu dem Turm. Hier oben stehen beim Festival die Sicherheitsleute. Unten wird die Hauptbühne aufgebaut, Helfer vermessen die Boxentürme. Rainer Sülzer sagt: "Hier hängt später das beste, was es in Deutschland gibt." Insgesamt 150 Kilowatt Lautsprecherlesitung, auf den beiden anderen Bühnenn noch einmal 60 und 30 Kilowatt. Ein Soundkonzept soll dafür sorgen, dass sich Bühnen und Bands nicht in die Quere kommen.

Ein kleines bisschen stolz ist Rainer Sülzer schon auf das Festival.

Er hat Papiere mit den Zahlen verteilt. Imposant, was da steht: 25 Kilometer Bauzaun. 550 Chemietoiletten. 58 Tonnen Ton. Sülzer weiß, das Journalisten Zahlen gut finden. Er macht das seit Jahren. Er ist vorbereitet. Dann sagt er, ein Musiker habe einmal zu ihm gesagt: "Das Zeppelinfeld ist the Best Location in the world." Sülzer erzählt jetzt Geschichten: von ZZTop, den Stones, U2. Alle waren schon da, mit allen hat Rainer Sülzer gearbeitet. Rock im Park ist jetzt sein 16 Jahr. Rainer Sülzer sagt, die ersten Besucher hätten sich schon beschwert. "Rock im Park ohne Regen ist kein echtes Festival." Er lacht jetzt. Ein paar Menschen werden vielleicht doch enttäuscht sein. Die Wetterdienste melden, es soll trocken bleiben.