Mit bis zu 50 Prozent Einbußen müssen die Landwirte in der Region bei der Getreideernte rechnen. Nur wenn es einige Tage lang ergiebig regnen würde, könnte noch etwas ausgebügelt werden. Bei der Gerste geht gar nichts mehr. Die Notreife hat schon eingesetzt.


Die bayerische Sahara


Die Höchstadter Ecke wird nicht umsonst als "bayeri sche Sahara" bezeichnet, weiß Rudolf Groß, Landwirt aus Kairlindach. Sandige Böden, mal kühle, mal warme Nächte, aber anhaltende Trockenheit. Das Wasser geht aus. Die Sonderkultur Spargel bereitet große Sorgen. Sie hätte Feuchtigkeit gebraucht und die Nachtwärme in den ersten Wochen.

Kann der Landwirt in guten Jahren rund 50 Doppelzentner Getreide pro Hektar ernten, kommt er heuer nicht über 20 Doppelzentner. "Drei Liter pro Quadratmeter hat es heute Nacht geregnet.
Wir bräuchten zweimal 50 Liter, auf vier Tage verteilt", sagt Groß. Dann könnte zumindest der Weizen noch werden.


Nur ein kleines Korn ausgebildet


"Bei der Gerste geht nichts mehr", fügt der Landwirt an, der den Verlust mit fast 50 Prozent beziffert. "Die Gerste ist notreif. Wir können langsam die Mähdrescher auspacken", erklärt Groß. Damit meint er, dass die Gerste gelb wird, nur ein kleines Korn ausgebildet hat. Am meisten gezeichnet ist die Wintergerste. Sie wird sehr gelb. Ausreichend Wasser nun im Nachhinein würde auch nichts ändern. Es wird geerntet.

"Der Weizen kümmert. Er fängt an abzuschließen. Das gibt ein Schmachtkorn", meint Groß. Aber in der Gegend sind auch nicht die besten Weizenböden, weil doch öfter sandige oder steinige Stellen vorhanden sind. Die Ähre beim Weizen ist noch nicht ganz draußen. Auch beim Weizen beginnt die Notreife. Ein flaches Korn ist das Ergebnis. Die nur halb ausgereiften Körner taugen als "Taubenwaz", so der fränkische Begriff für den Weizen, der an Tauben und Hühner verfüttert wird.


Landwirt mit Herzblut


Landwirt Groß sagt sich, dass Petrus einfach älter wird und es deshalb manchmal zu Wetterkapriolen kommt. Es habe auch schon Jahre gegeben, wo die Landwirte bei strömenden Regen zusehen mussten, wie ihre Ernte absoff.

Rudolf Groß ist ein Landwirt mit Herzblut. Das Produkt kennt und begleitet er vom Samen bis zur Ernte. Manchmal könne man schon die Lust an der Landwirtschaft verlieren. "Das Wetter stecke ich leichter weg als die Gängelungen durch die Behörden und die Horrormeldungen", sagt Groß.

Auch wenn das Wetter ihm immer wieder einen Strich durch die Rechnung macht: "Wir haben den Hof da und können ihn nicht auf einer Palette verladen. Aber als Franke ist man der Scholle treu." Er versuche, durch andere Bodenbebauung gegenzusteuern. "Das kann man schon, doch muss man auch die verschiedene Fruchtfolge beachten", sagt dazu Robert Ort, der BBV-Kreisobmann. "Die Zucht bleibt auch nicht stehen", meint Ort. Inzwischen gebe es beispielsweise den begrannten Weizen, der trockenresistenter ist und von den Wildschweinen nicht gefressen wird. Oder Roggen, der ohnehin ein Trockengewächs ist. "Der ist noch schön", sagt Groß. Auch der Dinkel sei noch tauglich.

Genügend Regen in der nächsten Zeit könne schon noch etwas ausbügeln, meint der Kreisobmann. Eine Ernteausfallversicherung haben die wenigsten Landwirte. Verluste versucht man anders auszugleichen, über andere Sorten und Früchte.


Kleber oder Fischfutter

Raps, der zur Blüte ungefähr 30 Liter Regen braucht und deshalb oft nur spärlich blühte, baut Groß nicht mehr an. Er hat ihn durch Mais ersetzt. Das ist eine wärmeliebende Pflanze. Oder er baut mehr Roggen an, der die Trockenheit besser übersteht. Nur ist für dieses Getreide der Markt begrenzt, findet Rudolf Groß und nennt ein Paradebeispiel. "Nur die Deutschen und Dänen essen Schwarzbrot."

Ansonsten wird Naturkleber aus Roggen hergestellt oder als Fischfutter genutzt. Eingefleischte Teichwirte würden gerne Roggen füttern, das gebe ein kerniges Fleisch.

Trotzdem kann Robert Ort keine Verschlimmerung bei der Trockenheit erkennen. Extrem ist es auch, weil auch der Winter sehr trocken war. Aber "man merkt schon, dass die Temperaturen im Mai höher sind". Dass durch die Verlustrate mehr Geld für Weizen hingeblättert wird, ist weniger zu erwarten. Der Weizenpreis sei nun etwas gefallen, weil Russland günstiger verkauft habe. An Ägypten, den weltweit größten Abnehmer und Importeur von Weizen, wie Ort erzählt. "Die Preise werden weltweit gemacht. Da interessiert es nicht, was in Franken passiert."