Verabredung zum Mord und versuchte Anstiftung zum Mord lautet der Vorwurf der Anklageschrift. Das sind Verbrechen, die mit einem Strafmaß von drei bis 15 Jahren belegt sind. Der Großenseebacher wollte über einen Autohändler einen Auftragskiller gewinnen, der seine Noch-Ehefrau durch einen "Unfall" beseitigen sollte. Der Kaufmann schaltete aber die Polizei ein und erschien mit einem Kripo-Beamten als vermeintlichem Killer beim vereinbarten Treffen.

Warum sich der Angeklagte dazu hinreißen ließ, erhellten nun am zweiten Verhandlungstag die Zeugenaussagen - insbesondere die seiner Ex-Frau. Dem Gericht gegenüber berichtete sie flüssig. Die Architektin hat zwei fast erwachsene Kinder mit in die Ehe gebracht und hat mit dem Angeklagten zwei weitere, die in den Kindergarten gehen. Die Eheleute haben gemeinsam ein Haus gebaut. Zudem besaß jeder von ihnen noch ein eigenes.


Der Frau nachspioniert

Das sind bürgerliche Verhältnisse. Nur nach außen? Die Ehefrau hat im Vorfeld des angeklagten Sachverhalts ihren Mann mehrfach wegen sexueller Übergriffe in der Ehe angezeigt. Die Verfahren wurden aber eingestellt. Anscheinend versuchte der Mann seine Frau auch bei der Arbeit per Telefon zu überwachen, indem er häufig anrief, um herauszufinden, wo sie sich aufhält. Das Ehepaar ging zu einer Eheberatung. Man kam überein, dass der Mann die Wohnung der Frau nicht mehr betreten dürfe.

Im Juni vergangenen Jahres verließ die Frau dann überstürzt ihr eigenes Haus, in dem die Familie zu dieser Zeit wohnte und er sein Büro samt Garage hatte. Denn der Mann hielt das ausgesprochene Betretungsverbot nicht ein. Die Kinder mussten vorübergehend bei einer Pflegefamilie untergebracht werden. Bis geregelt war, wie mit dem Geschäft des Angeklagten in diesem Haus verfahren werden soll, wohnte die Frau auswärts. Wegen der zwei gemeinsamen Kinder entbrannte heftiger Streit um das Sorgerecht. Zwei Gerichtsinstanzen mussten sich damit befassen. Schon damals holte man ein psychiatrisches Gutachten ein. Letztlich wurde der Frau das Sorgerecht zugesprochen und eine Umgangsregelung getroffen. Die Frau kehrte in ihr Haus zurück; der Mann wohnte nicht weit weg bei seinen Eltern.

Selbstmordabsichten?

Bei einer gemeinsamen Autofahrt mit den Kindern soll der Mann einmal davon gesprochen haben, sein Auto an den nächsten Brückenpfeiler zu fahren. Ihr hat er jedoch nie mit dem Tod gedroht. Immer wieder - das bestätigten auch Nachbarn - fuhr der Mann mit hoher Geschwindigkeit durch die Anliegerstraße, offenbar um die Frau durch gewagte Bremsmanöver zu erschrecken. Die letzte dieser bedrohlichen Situationen ereignete sich am Tag des Treffens mit dem "Killer". Am selben Abend wurde sie dann mit der Verhaftung ihres Noch-Gatten wegen Anstiftung zum Mord konfrontiert. "Das war für mich eine Schocksituation", sagte sie dem Gericht mit ruhiger Stimme.

"Ich muss meine Ängste in den Griff bekommen", hob die Frau mehrmals bei Gericht hervor. Längst hat sie deshalb Großenseebach verlassen und ihren Besitz dort verkauft.

Nur anfangs verfolgte der Angeklagte die Aussage seiner früheren Lebensgefährtin ruhig. Später war ihm deutlich anzumerken, dass er mit sich kämpfte, etwas sagen wollte.

Nur Einschüchterung?

Ganz anders stellte die mitangeklagte Schwester bei ihrer polizeilichen Vernehmung die Hintergründe dar. Sie sei zu dem Treffen mit dem "Auftragskiller" mitgefahren, obwohl sie nicht wusste, um was es dort gehen sollte. Ihrer Meinung nach sollte die Ehefrau nur eingeschüchtert werden, weil durch die Trennung das Haus zur Zwangsversteigerung anstand.

Wegen der Sorge um sein Vermögen fragte der Angeklagte auch eine Bankkauffrau um Rat. Ihrer Aussage nach hatte das Ehepaar Schulden in dem Rahmen, den man kurz nach einem Hausbau erwartet. Der Mann hatte zudem einen Kredit auf sein Elternhaus aufgenommen, um an das Wohnhaus, das seiner Frau gehörte, anzubauen.Das klingt nach einer zwar nicht einfachen, aber lösbaren finanziellen Trennungssituation.

Michael Wörthmüller, der Leiter der forensischen Abteilung am Klinikum am Europakanal, wurde vom Gericht als Gutachter bestellt. Der Psychiater bescheinigte dem gelernten Radio- und Fernsehtechniker volle strafrechtliches Verantwortlichkeit. Demnach liegt beim Angeklagten kein psychiatrischer Befund vor, der seine Schuldfähigkeit einschränkt.

Der Gutachter diagnostizierte aber eine mögliche Anpassungsstörung während der Trennungszeit. In der "ingesamt unauffälligen Lebensentwicklung" fand der Gutachter keine Hinweise auf ungewöhnliche Trennungsmuster, obwohl der Angeklagte mehrere langfristige Beziehungen vor seiner Ehe eingegangen war. Bemerkenswert schien ihm aber die Tendenz des Mannes, Probleme nicht wahrhaben zu wollen.

Der Prozess wird am Dienstag mit den Plädoyers der beiden Verteidiger und der Urteilsverkündung fortgesetzt.