Dass sie das Bild der Landschaft verändern, bestreitet niemand. Ob sie auch eine Gefahr für Mensch, Tier und Natur bedeuten, darüber gehen die Meinungen auseinander. Windräder und vor allem ihre Planung sind derzeit mancherorts heftig umstritten.

Im vergangenen Jahr wurden auf dem Gebiet der Gemeinde Lonnerstadt fünf Windkraftanlagen installiert - praktisch ohne Gegenwind aus der Bevölkerung. Ganz anders ist die Situation in Wachenroth. Hier hat der Gemeinderat mit deutlicher Mehrheit den Weg für den Bau von zwei Windrädern auf Gemeindegrund geebnet und unter Teilen der Bevölkerung einen heftigen Proteststurm ausgelöst. Dass im Staatsforst in der Birkach auf gemeindefreiem Gebiet noch ein drittes dazukommen könnte, spielt da schon keine Rolle mehr.


10H-Regel ist kein Muss

Zwar gilt in Bayern seit November 2014 grundsätzlich die 10H-Regelung - das heißt, der Abstand vom Windrad zur nächsten Wohnbebauung muss mindestens das Zehnfache der Gesamthöhe des Windrads betragen -, diese kann jedoch umgangen werden, wenn Stadt- oder Gemeinderäte der betroffenen Kommunen das wünschen.
Im Juli vergangenen Jahres beschloss der Wachenrother Gemeinderat mit großer Mehrheit, nicht auf die 10H-Regelung zu bestehen und auch einen geringeren Abstand zuzulassen. Es wurde ein Bebauungsplanverfahren für das Sondergebiet Bürgerwindpark Wachenroth eingeleitet.

Damit war eine Reihe von Bürgern, vorwiegend aus dem Ortsteil Weingartsgreuth, nicht einverstanden. Die Gegner initiierten ein Bürgerbegehren, sammelten die nötigen Unterschriften und erzwangen so einen Bürgerentscheid. Der findet nun am 28. Februar statt. Die Bürger können dabei den Beschluss des Gemeinderates kippen. Die Räte sind dann ein Jahr an den Willen der Bürger gebunden.

Damit der Bürgerentscheid überhaupt gültig ist, müssen übrigens mindestens 20 Prozent der rund 1660 Wahlberechtigten mit Ja oder Nein stimmen.

Wie sich die Landschaft mit den drei zusätzlichen Windrädern verändern würde, kann man leicht nachvollziehen. Geplant sind alle drei Anlagen südlich der A3, unweit der schon stehenden Lonnerstadter Windräder.


Der Fränkische Tag lädt ein

Wann und wo Am Mittwoch, 17. Februar, werden sich die Gegner und Befürworter des geplanten Bürgerwindparks in Wachenroth bei der Podiumsdiskussion des Fränkischen Tags im Kronen-Saal in Weingartsgreuth einen Schlagabtausch liefern. Beginn ist um 19.30 Uhr.

Teilnehmer Argumente prallen aufeinander, wenn sich Projektor Erich Wust und Bürgermeister Friedrich Gleitsmann für die Windräder stark machen, während Erich Weichlein, Sprecher der Bürgerinitiative, und Gemeinderat Wolfgang Knorr als vehemente Gegner auftreten. Anschließend können Bürger direkt ihre Fragen an sie loswerden. Moderiert wird der Abend von Redaktionsleiter Michael Memmel und Redakteur Andreas Dorsch.

Musik und Essen Musikalisch aufgelockert wird die Veranstaltung von der Band "Köbi und Co." aus Höchstadt mit auf das Thema zugeschnittenen Songs. Es gibt Knacker und Brezen.


Pro von Dieter Emmerich: "Weiter so" geht nicht

Auf dem Klimagipfel in Paris haben 195 Staaten anerkannt, dass der Klimawandel maßgeblich durch CO2 -Emissionen angetrieben wird und viel Geld kostet. Deswegen müssen die fossile Energieerzeugung reduziert und die erneuerbaren Energien ausgebaut werden. Die Kosten dafür sind langfristig und volkswirtschaftlich geringer als die Reparatur der Schäden durch den Klimawandel. Sonne und Wind stellen keine Rechnung: die Antriebsenergie für die Windräder ist unschlagbar günstig und bei uns verfügbar, ohne Import von Kohle, Öl oder Gas.

Strom preiswert bei uns erzeugen, wo er gebraucht wird: ohne CO2 -Abgase, ohne Braunkohlegruben und Unendlichkeitskosten, ohne zehntausende Jahre strahlenden Atommüll, ohne erhebliche Folgekosten für uns Steuerzahler. Damit reduzieren wir auch den Bedarf an großen Nord-Süd-Stromtrassen.

Jedes neue fränkische Windrad erzeugt jährlich etwa 5.000.000 kWh Strom zu einem Preis von unter 9 neun Cent pro Kilowattstunde. Windstrom aus Nord- und Ostsee kostet etwa 18 Ct/kWh, dazu kommen noch die Transportkosten von Nord nach Süd. Die vielen bürgerlichen Erzeugungsanlagen haben dafür gesorgt, dass der Strompreis an der Börse stetig gesunken ist. Leider werden diese Preisvorteile nur an industrielle Großabnehmer weitergegeben. Insgesamt ist aber durch die erneuerbaren Energien der Haushaltsstrompreis weniger stark gestiegen als in der Vergangenheit.

Die Bürgerenergiegenossenschaft EWERG eG hat sich seit ihrer Gründung 2012 mit ihren 210 Mitgliedern an vier Bürgerwindparks (u.a. Mühlhausen und Langenzenn) beteiligt. Trotz der schlechten Windjahre 2013 und 2014 und des durchschnittlichen Windjahrs 2015 haben alle Gesellschaften ausreichend Rücklagen und Liquidität, um alle geplanten Ausschüttungen bedienen zu können. Die Bürger können sich schon ab 500 Euro am Genossenschaftserfolg beteiligen und die Erlöse bleiben bei den Bürgern in der Region.

Der Verbund von Windrädern, Photovoltaik- und Biogasanlagen glättet im regionalen Verteilnetz die Stromerzeugung. Jetzt schon verfügbare Speichersysteme überbrücken kurze Zeiten ohne Wind- und Sonnenstrom. Mittelfristig sind Langzeitspeicher auf regionaler und überregionaler Ebene in verschiedenen Größenordnungen erforderlich. Daran arbeiten gerade in unserer Region viele Menschen in Forschung, Mittelstand und Industrie, um den rasant wachsenden globalen Markt der Energieeffizienz und der erneuerbaren Energie bedienen zu können.

Die Aufgaben unserer Zukunft lösen wir nicht mit einem "weiter so". Jede Veränderung muss breit diskutiert und abgewogen werden, denn sie ist meist nicht kostenlos zu bekommen. In der Summe bringt die dezentrale Stromerzeugung, auch mit den Wachenrother Windrädern, unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger viele Vorteile für unsere nachfolgenden Generationen. Hier sollten wir unsere Verantwortung für unsere Kinder und Enkel sehen und jetzt handeln.


Contra von Erich Weichlein: Abstand einhalten

Wir Bürger wollen nur das Recht, dass uns laut Gesetz zusteht: Mit der Ende 2014 in Kraft getretenen bayerischen 10H-Regelung soll entsprechend der Gesetzesbegründung ein angemessener Interessenausgleich zwischen den Anforderungen der sogenannten Energiewende und den zu berücksichtigenden Interessen der örtlichen Wohnbevölkerung geschaffen werden.

Zu diesen Interessen gehört u.a. die Einhaltung eines gewissen Abstandes, um die Bevölkerung vor den Auswirkungen der Windräder (Schall, Infraschall, Schattenwurf, bedrückende Wirkung, etc.) zu schützen. Aus diesem Grund ist die Einhaltung eines Mindestabstandes von der 10-fachen Höhe eines Windrades unbedingt erforderlich. Wir fürchten erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Infraschall. Diese Bedenken teilen mittlerweile auch verschiedene Ärzte-Organisationen. Unser Nachbarland Dänemark, das in Sachen Windenergie als führende Nation Europas gilt, hat den Windrad-Ausbau an Land bis zum Ergebnis einer groß angelegten Gesundheits-Studie quasi auf Eis gelegt. In anderen Staaten (Großbritannien, USA, Australien etc.) gelten bereits verpflichtende Mindestabstände von mehreren Kilometern.

Wachenroth mit seinen Ortsteilen ist schon massiv durch die Windparks Mühlhausen und Lonnerstadt, eine realisierte und zwei geplante Freiflächen-Photovoltaikanlagen, zwei Biogasanlagen, der BAB A3 und der großflächigen Erweiterung der Rastanlage Steigerwald, sowie einer 380 kV-Hochspannungsleitung belastet. Eine weitere Beeinträchtigung durch den geplanten Windpark Wachenroth ist der Bevölkerung nicht zuzumuten. Die über 200 Meter hohen Windräder zerstören auch den Blick auf unsere in Jahrhunderten gewachsene Kulturlandschaft sowie auf unsere Kulturdenkmäler. Die historische Ortsansicht Weingartsgreuths mit Schloss und Denkmalensemble wird massiv beeinträchtigt.

Der Bau der beiden Windräder 1 und 2 bei Weingartsgreuth ist in unmittelbarem Zusammenhang mit der Errichtung eines 3. Windrades im Staatsforst Birkach zu sehen. Der Bauantrag für das 3. Windrad liegt dem Landratsamt vor. Für zwei dieser Windräder muss Wald der Größenordnung von mehr als zwei Fußballplätzen gerodet werden. Wir sind gegen die Zerstörung von fast zwei Hektar Wald und der einhergehenden Bodenverdichtung. Sollte unser Bürgerbegehren "Sag ja zu 10H!" scheitern, werden im Naherholungsgebiet Birkach weitere Windräder genehmigt. Noch mehr Wald und Grünflächen würden dann der Spitzhacke zum Opfer fallen. Das gleiche befürchten wir für den gesamten Ebrachgrund. Fällt die 10H-Regelung in Wachenroth, wird die Windlobby unersättlich und unerbittlich weitere Industriemaschinen aufstellen.

Anstelle von teuren Subventionen für Windkraft sollte lieber mehr Geld in die Forschung gesteckt werden, um so irgendwann einmal eine Technologie zu entwickeln, mit der man wirtschaftlich, grundlastfähig und wirklich ökologisch Strom erzeugen kann.