Die Volkshochschule ist eine Möglichkeit für Menschen, die bereits fest im Berufsleben stehen, sich stetig weiterzubilden. In Zeiten des Shutdowns, der Ausgangsbeschränkungen und der eingeschränkten persönlichen Kontakte stellt das aber gerade auf Präsenzunterricht ausgerichtete Kurse vor große Herausforderungen.

Doris Kratz, die Chefin der Volkshochschulen Adelsdorf, Röttenbach und Hemhofen erklärte beispielsweise, dass es vor der Coronavirus-Pandemie an den Volkshochschulen keine Online-Angebote gegeben habe. Dort fanden noch Anfang dieses Jahrs alle Kurse als Präsenzkurse statt. Entsprechend beschrieb sie die Umstellung auf Online-Angebote auch: "Es war sowohl für mich, als auch für die Dozenten und Teilnehmer eine große Herausforderung, Kurse als Onlinekurse anzubieten." Einen ersten Online-Test gab es im Juni mit dem ersten digitalen Angebot "Babymassage". Eigentlich waren die Teilnehmer für den Präsenzkurs angemeldet, haben laut Kratz aber auch alle am Onlinekurs teilgenommen. Trotzdem erklärt die Leiterin: "Gerade unsere älteren VHS-Teilnehmer bevorzugen Präsenzkurse." Für den Herbst 2020 hatte die Leitung wieder sämtliche Kurse als Präsenzkurse angeboten. "Selbstverständlich mit den vorgeschriebenen Hygieneregeln", ergänzte Kratz. Die wurden auch sehr gut gebucht.

Drei Dozentinnen für Onlinekurse

Allerdings warf die aktuelle Corona-Problematik die Planungen wieder durcheinander. Die VHS-Leiterin erklärt: "Nachdem festgestanden hatte, dass keine Präsenzkurse mehr gehalten werden dürfen, haben wir von drei Dozentinnen, die dazu bereit waren, deren Kurse als Onlinekurse angeboten." Bei den Kursen handelt es sich um Sprachkurse, Gymnastikkurse und einen Tanzkurs.

Besonders erfreulich für Doris Kratz: Mehr als die Hälfte der Teilnehmer des Gymnastikkurses für Senioren, die am Präsenzkurs eingeschrieben waren, nehmen am Onlinekurs teil, erklärt sie. "Die Gymnastikkurse und der Tanzkurs erfolgen über die VHS Cloud, die Sprachkurse über Skype, da die Teilnehmer das kennen und so weiterführen möchten." Mit Cloud ist eine bestimmte Internetseite gemeint, die die Teilnehmer aufrufen und von dort neue Inhalte ansteuern können.

Doch nicht alle Teilnehmer waren glücklich mit der neuen Darreichungsform. "Den Tanzkurs mussten wir wieder absagen, online gefiel es den Teilnehmern nicht", resümiert Kratz. Für die Zukunft hält die Leiterin fest, dass es durchaus Interesse an Onlinekursen gebe. Auch vonseiten der Dozenten. Allerdings müsse hier noch mehr geschult werden. "Die meisten Dozenten möchten jedoch weiterhin Präsenzkurse halten, sofern das möglich ist", hält sie fest.

Völlig verändert hat sich dagegen der Alltag an der Volkshochschule in Erlangen, wie der Direktor Markus Bassenhorst erzählt. Dadurch könne man die Zeiten vor und nach Corona gar nicht vergleichen. "Bis zum März war die VHS - ganz klassisch - im Wesentlichen eine Präsenzeinrichtung. Die Menschen mochten und mögen unvermindert die persönliche Begegnung und den Austausch mit Referenten und Gleichgesinnten", erklärt Bassenhorst. Räumt aber gleichzeitig ein, dass die VHS schon vorher ihre Fühler in Richtung "digital" ausgestreckt hatte. "Trotzdem beschränkte sich das Angebot bis zum Beginn der Pandemie praktisch ausschließlich auf Angebote im Bereich Beruf und Computer", sagte er. Das war auch der nicht vorhandenen Nachfrage nach Online-Angeboten in anderen Fachbereichen geschuldet.

Doch durch die Coronavirus-Pandemie und dem damit verschobenen Fokus auf Online-Angebote verändere sich diese Situation gerade. "Beispielsweise bieten wir online einen Dia-Vortrag eines Referenten aus Neu Delhi an. Oder aber eine Online-Podiumsdiskussion mit Bundestagsabgeordneten, wie zuletzt zum Thema Menschenrechte", erklärt der Direktor. Das goutieren auch die Teilnehmer der VHS-Kurse. Bassenhorst zeigt sich zufrieden mit der Resonanz. Sowohl im Hinblick auf die Zugriffszahlen, als auch auf persönlich geäußerte Zustimmung, wie er selbst sagt.

Projekt "Vhs. Digitalzeit"

Bereits zu Beginn der Pandemie hatte die VHS-Erlangen das Online-Projekt "Vhs.Digitalzeit" ins Leben gerufen. Dahinter verbergen sich rund 70 Online-Angebote aus den unterschiedlichsten Fachbereichen. Diese Aktion war so beliebt, dass er sich dazu entschied, dieses Konzept zum Beginn des neuen Semesters in das reguläre Programm aufzunehmen. "Vor allem die Bereiche Gesundheit und Kultur, aber auch die berufliche Bildung haben ihr Publikum", meint Bassenhorst.

Dadurch, dass der Online-Bereich immer attraktiver werde, auch bedingt durch die aktuellen Umstände, zeige sich auch eine Auswirkung auf die Dozenten. "Etwa ein Fünftel unserer Lehrkräfte und Gastdozenten ist inzwischen online aktiv - sei es mit einmaligen Vorträgen oder aber auch mit komplexen Sprachkursangeboten für Zugewanderte. Gerade Letzteres anzubieten bzw. vorher zu entwickeln ist ziemlich anspruchsvoll - technisch, konzeptionell und auch im Hinblick auf die Präsentation selbst. Das geht also weit über die Nutzung eines Konferenz-Tools hinaus."

Denn Markus Bassenhorst erklärt, dass man nicht einfach den Präsenzunterricht eins zu eins vor die Kamera bringen könne. "Das würde nicht funktionieren.