Eins hat sich Landrat Alexander Tritthart (CSU) bei seinem Amtsantritt ganz fest vorgenommen: Den Sonntag will er sich für seine Familie freihalten. Ob das jetzt, fast ein Jahr nach seiner Wahl, auch immer noch klappt? "Nicht immer, aber einigermaßen schaffe ich das nach wie vor", sagt er.

Wie arbeiten unsere Politiker? Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag bei ihnen aus? Sitzen sie abends gemütlich auf der Couch oder gehen sie noch anderen Nebentätigkeiten oder Ehrenämtern nach - trotz der vielen Termine, die ihr Posten oft schon mit sich bringt.

Landrat Alexander Tritthart (CSU) zählt offen seine Nebentätigkeiten auf. Er ist Verwaltungsratsvorsitzender der Kreissparkasse Höchstadt, stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender der Stadt- und Kreissparkasse Erlangen, Vorsitzender des Kulturvereins Erlangen-Höchstadt, Vorsitzender des Naherholungsvereins Sebalder Reichswald und sitzt in zwei Ausschüssen des bayerischen Landkreistags. Bleibt da noch genug Zeit für das eigentliche Amt des Landrats? "Auf jeden Fall. Das hat immer Vorrang", betont Tritthart. Um 8 Uhr beginnt sein Tag im Büro. Der ist dann bestimmt von vielen verschiedenen Sitzungen, Besprechungen und Außenterminen. Zwischen 18 und 19 Uhr versucht er zwar immer zuhause zu sein, um zu essen, sich frisch zu machen und sich mit seiner Familie auszutauschen, macht sich dann aber gleich wieder auf den Weg zum nächsten Termin - und kommt in der Regel nicht vor 22 Uhr nach Hause. Eine Aufwandsentschädigung kriegt er für seine Nebentätigkeiten bei der Kreissparkasse Höchstadt und der Stadt- und Kreissparkasse Erlangen, alle anderen Nebentätigkeiten sind ehrenamtlich.


Im Ort verwurzelt

Diese macht er in seiner Funktion als Landrat. Tritthart hat aber auch Ehrenämter, die er unabhängig davon freiwillig übernommen hat. Er ist Stiftungsrat der Lebenshilfe Erlangen-Höchstadt, Vorsitzender der CSU Weisendorf und stellvertretender Kreisvorsitzender der CSU Erlangen-Höchstadt. Posten, die ihm immer wieder Anregungen für seine Arbeit als Landrat geben, wie er sagt. Vieles, was ansteht, übernehmen inzwischen aber auch andere Vorstandsmitglieder, gerade was Veranstaltungen oder gemeinsame Aktionen angeht. "Ganz einfach weil ich nicht die Zeit habe", bedauert Tritthart. Bei der CSU Weisendorf stehen jetzt im März Neuwahlen an. Trotz des vollen Terminkalenders möchte er sich aber erneut zur Wahl stellen lassen: "Das ist mir wichtig, dass man bei sich im Ort vertreten ist. Ohne die örtliche CSU wäre ich schließlich nicht dahin gekommen, wo ich jetzt bin."

Auch Gerald Brehm (JL) hat neben seiner Arbeit als Bürgermeister einige zusätzliche Aufgaben. Er ist Vorsitzender des Vereins Karpfenland Aischgrund, Kassier und Mitgründer des Vereins LAG Aischgrund, außerdem Aufsichtsrat bei der VR-Bank Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach, Vorsitzender des Vereins "Youth for balance" sowie Kreisrat und Fraktionssprecher der Freien Wähler. Zudem ist Brehm Mitglied in rund 100 Vereinen: "Das ist auch wichtig, denn so verliert man nicht die Bodenhaftung. Ein Netzwerk kann nur so funktionieren." Arbeit mit nach Hause zu nehmen, will er möglichst vermeiden. "Das Kerngeschäft bleibt im Büro", sagt Brehm.

Mitglied in 41 Vereinen

Adelsdorfs Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) nutzt die Ruhe zuhause vor allem, um sich auf Gemeinderatssitzungen vorzubereiten oder Reden zu schreiben. Die Gemeinde bestimmt seinen Alltag. Auch am Wochenende. Meistens ist er nur an zwei oder drei Abenden im Monat zuhause: "Private Termine müssen leider viel zu oft hinten angestellt werden - besonders zum Leidwesen meiner Frau und meiner drei Kinder. Aber das ist halt so - ich wusste worauf ich mich einlasse." Dazu kommt die Arbeit im Kreistag als stellvertretender Fraktionssprecher. Zeit für ein Ehrenamt, beispielsweise im Vorstand eines Vereins, bleibt da nicht. "Wenn man den Bürgermeisterjob anständig machen will, geht das einfach nicht", findet Fischkal. Mitglied ist er aber trotzdem aktuell in 41 Vereinen. Das gehört für ihn dazu. "Es ist mir wichtig, für die Sorgen und Nöte der Vereine immer ein offenes Ohr zu haben und zu helfen wo es geht."

Auch German Hacker (SPD) bleibt keine Zeit für ein Ehrenamt. Der Herzogenauracher Bürgermeister ist Mitglied in 15 Vereinen und Organisationen, schafft es ab und an bei Festen, kleine Hilfen geben zu können, "aber sicher nicht in dem Maß, dass man von größerer ehrenamtlicher Tätigkeit sprechen könnte. Leider, aber mehr geht einfach nicht."

Zu viele Ämter bringt der Posten als Bürgermeister schon mit sich. Er ist Aufsichtsvorsitzender bei Herzo Werke, Herzo Bäder und Verkehr, Herzo Media und den Stadtwerken. Außerdem Verwaltungsrat der Stadt- und Kreissparkasse Erlangen. Um nur einige zu nennen. "Ich schaffe es gerade ab und an, mich in das Schulleben als Vater von drei Kindern einzubringen", erzählt Hacker. Einmal im Jahr rupft er beispielsweise Unkraut am Gymnasium in Herzogenaurach. "Ich suche mir bewusst solche Lücken, das ist auch erfüllend."