Das Gästehaus Lorz ist bei vielen Touristen sehr beliebt. Schließlich besitzt die familiengeführte Pension in Nackendorf, die es seit über 30 Jahren gibt und die nun in zweiter Generation von Martin Lorz betrieben wird, eine hervorragende Lage. Urlauber , die aus dem Norden zum Skifahren oder in den Sommerurlaub nach Italien wollen, haben bei Lorz aufgrund der guten Anbindung zur A3 gerne einen Zwischenstopp eingelegt. Auch bei Handwerkern ist die Pension sehr gefragt. Doch könnte damit schon bald Schluss sein.

Denn wegen der Corona-Pandemie verzeichnet die Pension Lorz seit Monaten keine Touristen mehr. Zwar kommen weiterhin Monteure bei ihm unter, erzählt Lorz - derzeit hat er fünf seiner 15 Zimmer an Handwerker vermietet. Das jedoch reiche bei weitem nicht aus, um die Kosten zu decken, die in seinem Betrieb anfallen. Neben den Fixkosten nennt Lorz eine Teilzeitkraft, die er bislang aus Rücklagen beschäftigen konnte. Bald aber seien auch diese aufgebraucht und dann, so befürchtet der gelernte Koch, müsse er seine Pension zusperren. "Wenn es so weitergeht, ist in drei Monaten dicht."

Mit seinen Befürchtungen ist Lorz nicht alleine. Laut einer Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) fürchten drei Viertel aller Hoteliers in Bayern um ihre Existenz. Bis heute stocke es bei den zugesagten Staatshilfen , erklärt der Geschäftsführer von Dehoga Bayern, Thomas Geppert. Auch die sogenannten Novemberhilfen, die der Staat bereits vergangenen Herbst beschlossen hat, stünden mancherorts aus. Dass bislang eine große Pleitewelle ausgeblieben ist, sei daher weniger den staatlichen Hilfsgeldern zu verdanken, als vielmehr den Hoteliers selbst, die von ihren Rücklagen leben konnten.

Geppert kritisiert die staatliche Handhabe von Hotels und Gaststätten in der Corona-Pandemie. Zum einen, weil die Gelder eben viel zu spät bei den Unternehmern ankommen, zum anderen, weil es bis heute noch keinen richtigen Plan gebe, wie man mit Hotelbetrieben und Gaststätten in den kommenden Monaten umgehen will. "Wir brauchen endlich eine Öffnungsstrategie", sagt er. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass Hygienekonzepte funktionieren, daher sei es an der Zeit, darüber zu diskutieren, wie es in den kommenden Monaten weitergeht, sagt Geppert.

Auch Martin Lorz sieht den staatlichen Umgang mit den Hotelbetrieben kritisch. Seiner Ansicht nach kommen Hilfsgelder ganz oft bei jenen an, die nicht darauf angewiesen sind. "Einfach Geld in den Raum zu schmeißen, ist sinnlos", sagt er, ja, vielleicht sogar gefährlich. Schließlich führe das fehlgeleitete Geld zu viel Unmut und einer sehr angespannten Stimmung zwischen Unternehmern. Lorz plädiert dafür, jeden Betrieb individuell und nach jeweiliger Notlage zu unterstützen. "Ich gebe zu, dass das aufwendig ist, aber jetzt sind die Gelder ungerecht verteilt. Das ist ja auch keine Lösung oder?"

Für seinen Betrieb hat Lorz keine Staatshilfen beantragt, sein Steuerberater hat ihm abgeraten. Weil Lorz im April einige Zimmer zu einer Wohnung umbauen ließ, die er nun vermietet, komme er zusammen mit den Monteuren immerhin auf einen Umsatz von 42 Prozent, verglichen mit normalen Jahren. "Damit konnte ich viel überbrücken," sagt er. Er lebe getrennt, die Kinder seien aus dem Haus, er müsse lediglich für sich sorgen. Geöffnet hat er eigentlich nur deshalb, weil er sich seiner Mitarbeiterin und den Gästen gegenüber verpflichtet fühlt.

Langsam aber werde es eng. Was auch daran liegt, dass, anders als bei ersten Lockdown nun die Aussichten viel düsterer seien. Man stecke im Winter , viele Baustellen seien zu, weshalb auch wenige Monteure kommen. Lorz weiß, dass andere noch schlimmer betroffen sind, Familienväter, die ihren Job verlieren, führt er an. Auch zu den Corona-Leugnern zählt sich der Unternehmer nicht: "Ich zweifle auf keinen Fall daran, dass das Virus für viele sehr gefährlich sein kann. Aber ob die Maßnahmen alle richtig sind, da habe ich durchaus meine Bedenken."

"Womöglich wäre ich besser gefahren, wenn ich zugesperrt und Staatshilfe beantragt hätte", sagt der 52-Jährige. Ein Hotelier aus Leidenschaft sei er ohnehin nie gewesen. Auch seine Kinder haben keine Lust, die Pension später einmal zu übernehmen, sagt er. Zudem habe ihm der Beruf des LKW-Fahrers, den er zwölf Jahre lang ausgeübt hat, gut gefallen. Den entsprechenden Führerschein trägt er noch in seinem Portemonnaie. "Ich könnte morgen wieder als Lastwagenfahrer arbeiten, kein Problem."

Noch aber denkt er an seine Mitarbeiterin und an die Gäste, die Wochenendausflügler, die im Sommer vielleicht wieder vorbeikommen und die sich in der Pension Lorz einquartieren, wo sie sich doch immer wohlgefühlt haben.