Benno Wirth kann sich das nicht erklären. Seit Monaten kämpft sich der Juniorchef des Neuhauser Brauereigasthofs Löwenbräu durch ein Dickicht an Infektionsschutzregelungen, das Hin und Her behördlicher Vorgaben und er ringt um die finanzielle Statik seines Unternehmens. Denn für die Brauereigaststätte von Wirth soll es in der Zeit des Lockdowns, so hat das der Bund nun beschlossen, keine Entschädigung geben. Der Gastronom zeigt sich empört: "Es ist eine absolute Frechheit".

Seinen Betrieb, den es inzwischen seit 270 Jahren gibt, hat Wirth in Hotel, Gastronomie und Brauerei unterteilt, womit der Unternehmer bislang sehr erfolgreich war. Nun jedoch könnte die unternehmerische Vielfalt zum Problem werden. Denn mit seinen drei Sparten zählt Wirths Gasthof zu den sogenannten Mischbetrieben und die will der Bund nur dann finanziell unterstützen, wenn sie weniger als 20 Prozent des Umsatzes mit Außerhausverkäufen einnehmen. Da Wirths Bierverkauf 24 Prozent vom Umsatz erbringt, geht er folglich leer aus.

Damit steht der Gastronom jedoch nicht alleine da. Der Verein Private Brauereien Bayern warnte kürzlich in einer Pressemitteilung vor einer "Existenznot", der sich zahlreiche Brauereigasthöfe im Freistaat gegenübersähen, wenn der Bund die staatlichen Hilfen verweigere. Vorgesehen war ursprünglich, die Betriebe ähnlich wie Cafés oder Bäckereien zu behandeln. Dort erhalten Betreiber 75 Prozent des Umsatzes aus dem Vorjahresmonat, die sogenannte Novemberhilfe. Das Versprechen, das auch Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) so formuliert hatte, hat der Bund nun aber gekippt.

Aiwanger kritisiert die Entscheidung des Bundes. Zwar wolle er sich weiterhin für die Brauereigasthöfe einsetzen, heißt es auf Anfrage im Ministerium, die Aussicht auf staatliche Hilfsgelder ist damit allerdings vorerst gering. Die Verluste, die den Unternehmern durch den staatlich verordneten Lockdown entstehen, könne der Verkauf von Flaschenbier bei weitem nicht auffangen, sagt der Hauptgeschäftsführer von Private Brauereien Bayern Stefan Stang. Mit dem Beschluss lasse der Bund vor allem kleine Gasthöfe im Stich. Das treibe viele in den wirtschaftlichen Ruin, so Stang.

Fixkosten sind problematisch

Existenzbedrohend ist die Lage bei Benno Wirth unterdessen nicht. "Wir haben ein gutes Polster", sagt der Gastronom. Eine Insolvenz sei nicht in Sicht. "Da muss schon mehr passieren." Auch für die Mitarbeiter, die sich weiterhin in Kurzarbeit befinden, bestehe kein Grund zur Besorgnis, sagt Wirth. Problematisch seien für den Unternehmer dagegen die Fixkosten. Schließlich laufen Heizkosten, Versicherungen und Wartungskosten auch während des Lockdowns einfach weiter. "Das ist eine enorme Belastung für uns."

Ruf nach staatlicher Hilfe

Genau wie der Verein Private Brauereien Bayern fordert Wirth deshalb staatlichen Hilfsgelder für die Brauereigasthöfe ein. "Es geht für uns nicht darum, einen großen Reibach zu machen", sagt er. "Wir wollen nur unsere Fixkosten decken." Schließlich gehörten die Gasthöfe in Bayern zum Kulturgut. "Wir wollen genau wie alle Gastronomen behandelt werden", sagt Wirth.

Um seine Kunden in der Vorweihnachtszeit zu erheitern, hat Wirth eine Bierkasten mit 120 Flaschen entwickelt. 400 Euro kostet das Stück, Dreiviertel davon muss er allein für die Herstellung des hölzernen Kastens aufbringen. "Verdienen tue ich damit kaum was." Benno Wirth hofft damit dennoch, dass ihm die Kunden treu bleiben.