Wenn Tanja Bräun über vergangenen Winter spricht, in dem Corona ja noch eine harmlose, weit entfernte Grippe darstellte, dann erzählt sie vor allen Dingen von der Arbeit. Schließlich sind die Monate Dezember und Januar jedes Jahr Hauptbuchungszeit in ihrem Reisebüro, das sie in der Großen Bauerngasse in Höchstadt betreibt. Voriges Jahr also kamen die Menschen zu Bräun, um ihren Sommerurlaub zu planen, auf die Malediven, nach Ägypten und, ja, natürlich auch zum Ballermann. "Die Nachfrage war enorm", sagt Bräun.

In diesem Jahr aber ist davon wenig übrig geblieben. Denn aufgrund der Corona-Pandemie herrscht weiterhin große Unsicherheit in der Reisewelt. Zwar gebe es auch heuer Kunden, die sich nach Urlaub im Sommer erkundigen, sagt Bräun. Eine Reise fest buchen will derzeit jedoch kaum jemand. "Viele wollen die Entwicklungen abwarten, das verstehe ich." Die Skepsis überwiege bei den Touristen.

Nur 10 Prozent glauben an Urlaub

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov glaubt nur jeder Zehnte daran, im Sommer wieder überall Urlaub machen zu können. Die Bundesregierung hat derzeit 150 von rund 200 Ländern als Risikogebiet eingestuft, was zwar kein generelles Reiseverbot bedeutet, aber eine abschreckende Wirkung auf Touristen allemal hat. Und auch die teils scharfen Quarantäneregeln, die in manchen Ländern gelten, lassen die meisten Touristen zögern.

Trotzdem sei gerade jetzt eine gute Zeit, um einen Urlaub zu buchen, sagt Bräun. Zum einen, weil die Reisegesellschaften in diesem Jahr enorme Rabatte für Frühbucher bereithielten, zum anderen, weil manche Anbieter eine kostenlose Stornierung bis 30 Tage vor Abflug gewähren. Wenn die Reisebeschränkungen fallen, werden die Preise schnell wieder steigen, fürchtet Bräun. Mit den Schnäppchen ist es dann vermutlich erstmal vorbei.

Diese Sorge teilt Beate Wagner nicht. Für die Reiserechtsreferentin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sind die vermeintlichen Sonderangebote mit Vorsicht weiterzuempfehlen. Denn nicht immer seien die Stornierungen am Ende tatsächliche kostenlos. Vieles befinde sich aufgrund der Pandemie in rechtlichen Grauzonen. Manche Urlauber aus dem Sommer würden noch immer auf die Rückerstattung der Reisekosten warten und blieben womöglich sogar auf diesen sitzen. Klar ist aber: "Wenn ich eine Reise buche, bin ich vertraglich gebunden. Wie leicht man einen solchen Vertrag lösen kann, unterscheide sich je nach Gesellschaft", sagt Wagner.

Die Rechtsreferentin empfiehlt daher, sich Stornierungsbedingungen möglichst gründlich durchzulesen, ehe man eine Reise bucht, und im Zweifel bei der Reisegesellschaft nachzufragen. Um vom Urlaub nicht enttäuscht zu sein, sollte man zudem die Bedingungen am Ort recherchieren. So könne es beispielsweise sein, dass die Poolanlage oder das hoteleigene Fitnessstudio coronabedingt geschlossen sind. Auch das Infektionsgeschehen am Ort müsse man im Blick behalten, sagt Wagner.

Das alles könne sich schnell ändern und sei für Reisende schwer zu durchblicken.

Schwer zu sagen ist auch, ob das Urlaubsangebot im Sommer ausreichen wird. Viele haben den Urlaub aus dem vergangenen Sommer in diesen verschoben. Hinzukommt, dass in manchen Hotelanlagen nur die halbe Bettenanzahl zur Verfügung steht. Auch der Flugverkehr ist stark eingeschränkt: Am Flughafen Nürnberg, wo Touristen normalerweise dreimal am Tag in die Türkei fliegen, herrscht derzeit kaum Betrieb. "Vieles hängt davon ab, wie schnell man den Flugverkehr wieder hochfahren kann", sagt Bräun.

Viele Unsicherheiten

Wie gewöhnlich der Sommerurlaub in diesem Jahr ablaufen wird, kann Bräun deshalb nicht vorhersagen. Auch, wann sie wieder im Büro sitzen wird, um die Kunden persönlich beraten zu können, wisse sie derzeit nicht, sie hoffe allenfalls sobald wie möglich. "Es ist gerade alles ein wenig wie der Blick in eine Glaskugel", sagt sie. Und diese Unsicherheit sei in der gesamten Branche deutlich zu spüren

Dennoch sieht Bräun vieles positiv. Sie ist dankbar für die Überbrückungshilfen, die sie vom Staat bekommen hat und ohne die sie ihr Büro im Herbst vermutlich hätte zusperren müssen. Arbeit gebe es trotz des Lockdowns genug. Zum Beispiel berät sie gerade ihre Kunden in Zoomkonferenzen. "Die Leute sind hungrig nach Urlaub", sagt sie. Tanja Bräun hofft, dass sich das bald auch in den Buchungen zeigen werde.