Nein, in Uehlfeld sei man von nordkoreanischen Zuständen weit entfernt, sagt Werner Stöcker lachend. Beim amtierenden Bürgermeister der VG Uehlfeld (CSU/FB) besteht nicht gerade die Gefahr, als kommunistischer Alleinherrscher zu gelten. Obwohl er durchaus Erfahrung damit hat, ohne Gremium zu regieren. Denn nach der Anfechtung der Gemeinderatswahl 2010 traf er bis zur gültigen Wahl einige Zeit alleine die Entscheidungen in der Verwaltungsgemeinschaft.

Am 18. September wird nun in Uehlfeld ein neuer Bürgermeister gewählt. Der Termin außerhalb des normalen Wahlturnus kam zu Stande, weil Stöckers Vorgänger Helmut Praus (FW) aus gesundheitlichen Gründen im Jahr 2010 früher aus dem Amt ausgeschieden war.

Was die Auswahl an demokratischen Mitbewerbern bei der Wahl im Herbst angeht, hapert es in der VG Uehlfeld.
Denn so wie es im Moment aussieht, kandidiert außer Stöcker nämlich genau: niemand.

Bis Juli müssen die Kandidaten nominiert sein. Doch hört man sich unter den Fraktionen im Gemeinderat um, wird schnell klar, dass sich wohl kein zweiter oder gar dritter Kandidat findet wird. "Wir haben erst noch ein Treffen, bei dem wir fragen, ob jemand Interesse zeigt", sagt Walter Prechtel vom Bürgerblock (BB). Bisher habe sich noch keiner "geoutet".

Bei den Grünen hört man Ähnliches. "Ich gehe davon aus, dass von uns keiner kandidiert", sagt Gerhard Winkler, Gemeinderat der Grünen. Er selbst ist in der Vergangenheit schon zwei Mal angetreten. Er kenne die Mühe, die ein Wahlkampf macht. Und auch beruflich müsse man sich schließlich gut überlegen, ob eine Kandidatur passt. Er stehe als Kandidat nicht zur Verfügung.

Dass es besser wäre, wenn sich weitere Kandidaten fänden, betont Irmi Reutter von der SPD Uehlfeld-Dachsbach-Gerhardshofen. Doch auch von Seiten der Sozialdemokraten: Fehlanzeige. "Wir sind personell sowieso nicht besonders gut bestückt. Von den verbleibenden Genossen wird sich keiner zur Verfügung stellen", sagt Reutter. Stöcker mache seinen Job ja auch ganz ordentlich. Vor allem, dass er mit Hilfe von Prechtel einen Arzt für die verwaiste Praxis an Land gezogen hat, müsse man erwähnen, so Reutter.


Einer ist noch am Überlegen

Einer, der nicht gleich abwiegelt, ist Norbert Stoll aus Uehlfeld. Er ist früher schon auf der Ratsliste der CSU sowie des BB angetreten. Auf Gerüchte um eine Kandidatur angesprochen, ist er überrascht. Denn er sei noch schwer am Überlegen. "Ich bin gefragt worden, ja", sagt Stoll. Aber die Chancen stünden ziemlich schlecht. Als Geschäftsführender Leiter der VG Höchstadt und studierter Verwaltungswirt würde er sich sicher gut eignen als Kandidat. Doch für ihn sei eine berufliche Veränderung momentan noch mehr als fraglich.

Was heißt das für die Zukunft in Uehlfeld, wenn keine Fraktion ein eigenes personelles Angebot macht? Ist Kritik am Bürgermeister künftig ausgeschlossen, nach dem Motto: "Von euch wollte ja keiner? "Nein, sicherlich nicht", sagt Reutter von der SPD. Sie könne ihren Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel ja auch kritisieren, obwohl sie selbst sein Amt nie wollen würde.


Zufrieden trotz Differenzen

"Im Großen und Ganzen zufrieden" ist der Grünen-Rat Winkler mit den letzten sechs Jahren, in denen Stöcker Bürgermeister war. Reiner Jakob von der Wählergemeinschaft Peppenhöchstädt-Gottesgab-Rohensaas (WG P-G-R) stößt ins gleiche Horn. Hier und da gebe es in der Sache sicherlich Meinungsverschiedenheiten. Aber alles in allem sei auch er zufrieden mit Uehlfelds Entwicklung unter Stöcker. Von der WG P-G-R sei jedenfalls auch kein Kandidat zu erwarten, so Jakob.

Und auch die Überparteiliche Wählergruppe Schornweisach (ÜWS) muss in Sachen Bürgermeisterkandidat passen. Gemeinderat Robert Beyer: "Von uns hat keiner Ambitionen." Für Stöcker ist die Lage komfortabel. Doch zurücklehnen wolle er sich nicht. "Ich will trotzdem um meine Positionen werben." Er wolle bis zur Wahl zeigen, was er in Uehlfeld bewegen konnte und was noch ansteht.


Vorhaben für die nächsten Jahre

Als Projekte für die Zukunft nennt er an erster Stelle die Ausweisung des Wasserschutzgebiets, das er in einer "bürgerverträglichen" Version wolle - also kleiner. Weitere Themen seien für ihn eine Umgehungsstraße, die Sanierung der Kläranlage, die Umwandlung des alten Metzgereigeländes in Wohnbebauung und die Ansiedlung einer Nahversorgung.

Dazu komme der Plan eines neuen Baugebiets am Ortsrand Richtung Vestenbergsgreuth. Und ebenso mit dem Um- beziehungsweise teilweisen Neubau des Rathauses werde er einiges zu tun bekommen. Aber auch nur wenn er gewählt wird, versteht sich.