Bald wird es das letzte Mal sein, dass Patrick aus dem weißen Dienstauto steigt. Hol- und Bringdienst der Patienten zwischen den Stationen, Transportfahrten, Botengänge. Der 19-Jährige leistet seinen Bundesfreiwilligendienst im Kreiskrankenhaus St. Anna in Höchstadt. Noch bis Ende Juli ist Patrick da. Danach wird er ein Maschinenbaustudium beginnen. Und so wie es aussieht, wird es wohl am Krankenhaus erstmal keinen mehr geben von den "Bufdis", wie die Bundesfreiwilligen abgekürzt heißen.

"Wir haben zwar momentan drei Stellen ausgeschrieben, aber es wird uns vom Amt kein Bufdi mehr bewilligt. Das Kontingent ist voll", sagt Patricks BetreuerHerbert Hirschmann am Krankenhaus St. Anna. Erst vor kurzem sei er benachrichtigt worden, dass es in diesem Jahr voraussichtlich keine neuen Bufdis mehr geben könne, weil bundesweit nur eine bestimmte Anzahl von Stellen finanziert werden kann.

In dieser Woche jährt sich die Einführung des Bundesfreiwilligendienstes, der nach der Aussetzung der Wehrpflicht 2011 eingeführt wurde. Kein Ersatz zum früheren Zivildienst, sondern eine Ergänzung zum Freiwilligen Sozialen Jahr und zum Ehrenamt sollte der Bufdi werden.

Fünf Bufdis im Landkreis


Hört man sich in den sozialen Einrichtungen in der Region um, wie etwa im Höchstadter Krankenhaus, den Altenheimen, bei den Barmherzigen Brüdern oder bei den Rettungsfahrern, so fällt die Bilanz nach einem Jahr nüchtern aus: Entweder gibt es zu wenige Bewerber oder es sind alle zugelassenen Stellen belegt. Im Moment gibt es im Landkreis Erlangen-Höchstadt fünf Bufdis, wie das zuständige Amt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben mitteilt. Zum Vergleich: Im Herbst 2010 gab es noch 40 Zivildienstleistende in der Gegend.
Der Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes etwa musste seit Jahresbeginn 20 Interessenten für den Bufdi absagen, da es auch hier schlicht nicht genug bewilligte Stellen für den Dienst gab. Mit bundesweit 32.000 Bufdis scheint das Kontingent ausgereizt zu sein.

Solche Sorgen kennt Johanna Auerbeck vom Seniorenzentrum St. Anna in Höchstadt nicht: "Wir haben quasi seit es den Bufdi gibt drei Stellen ausgeschrieben. Bedarf wäre bei uns genug. Aber das Telefon hat nie geklingelt", sagt sie. Es gebe schlicht keine Bewerber. Und dies, obwohl der Bundesfreiwilligendienst nicht auf eine Altersgruppe beschränkt ist. Jeder kann sich dazu melden.

Zivi-Arbeit wurde kompensiert


Auch Nicole Stegmeyer vom BRK-Altenheim in Etzelskirchen sieht bei den Bufdis einen gewissen Engpass: "Bisher hatten wir erst einen, der den Bufdi bei uns gemacht hat. Momentan haben wir eine Stelle ausgeschrieben, aber es gibt zu wenige Bewerber hier in der Region."

Noch vor wenigen Jahren gab es in Etzelskirchen vier bis fünf Zivildienstleistende. Der Wegfall konnte kompensiert werden, so etwa durch Langzeit-Praktikanten, unter anderem auch in Kooperation mit der Behinderteneinrichtung der Barmherzigen Brüder. Auch Asylbewerber haben die Möglichkeit, in den früheren Zivi-Jobs beim Hausmeister oder in der Hauswirtschaft mitzuhelfen, um sich so ein Zubrot zu verdienen.

Nur wenige Anfragen


Bei den Barmherzigen Brüdern gab es auch nur einige wenige Bufdi-Anfragen. "Von einem großen Erfolg haben wir hier nichts gesehen. Ein paar wenige Bewerber für den Bufdi gibt es. Aber wir können das gelassen sehen, da wir mit den Praktikanten der Fachschule die fehlenden Zivis sehr gut ersetzen können", sagt Matthias Krug von den Barmherzigen Brüdern.

Patrick Kaul, der vorerst letzte Bufdi am Höchstadter Krankenhaus, hatte eine schöne Zeit als Freiwilliger. "Ich bin wirklich froh, dass ich die sieben Monate vor meinem Studium gemacht habe." Sein Betreuer Hirschmann zieht ebenfalls eine positive Bilanz: "Mit Patrick hatten wir einen Pfundskerl und eine wichtige helfende Hand. Und der Bufdi ist ein Erfolgsmodell, kein Rohrkrepierer, aber damit es so bleibt, muss mehr Geld ausgegeben werden." Solange Bedarf bestehe, müsse von Seiten der Politik der Etat für die Freiwilligen aufgestockt werden. Hirschmann hätte einen Bewerber für die Zeit nach Patrick. "Eine Anfrage gab es schon. Ein Abiturient interessiert sich für den Dienst bei uns. Ich musste ihm leider absagen."