Johann Baptist Ritter von Spix wäre sicher hoch erfreut gewesen. Bei der Feier des Doppeljubiläums - 20 Jahre Spix-Verein und 10 Jahre Spix-Museum - fiel viel Glanz auf den großen Sohn der Stadt Höchstadt. Hatten sich doch im Fortuna-Kultursaal eine Vielzahl an Honoratioren versammelt, die dem Brasilien-Forscher ihre Reverenz erwiesen. Unter ihnen auch Gerhard Haszprunar, der als Direktor der Zoologischen Staatssammlung in München direkter Nachfolger des Ritter von Spix ist. Denn Spix war der erste Leiter der Zoologischen Staatssammlung München und das von seiner Forschungsreise mitgebrachte Material bildete den Grundstock der Sammlung.
Etwas "amused" wäre Ritter von Spix vielleicht über die Klänge der "Musiggfabrigg" gewesen, die eigens für diesen Abend ein Ensemble zusammengestellt hatte. Um das Südamerikanische in ihrer Musik zu erkennen, bedurfte es allerdings einiger Fantasie.
Die Stadt Höchstadt erwies ihrem bedeutenden Sohn alle Ehre. Als Hausherr begrüßte Bürgermeister Gerald Brehm die versammelten Spix-Freunde. Vor 33 Jahren habe man in Höchstadt erste Kontakte zur Zoologischen Staatssammlung geknüpft, erinnerte sich Brehm. Für den Bürgermeister ist das Institut deshalb beinahe schon ein Pate für Höchstadt und seine Spixverehrung. Immer wieder wurde auch die Sparkasse genannt, die sich in dieser Sache sehr verdient gemacht hat.
Natürlich gestaltete auch die Ritter-von-Spix-Mittelschule den Abend mit. "Spix hat ja unsere Vorgänger-Schule besucht", sagte Rektor Michael Ulbrich. Bis sich die Schule nach dem Forscher nennen konnte, habe es allerdings sechs Jahre gedauert. 2012 war es endlich soweit. Ein Grund für den Schulleiter, ein Musical über den Namensgeber zu komponieren. Die Texte stammen übrigens von Christian Ulbrich, dem Vater des Schulleiters. "Wir wollten das Leben des Ritter von Spix beleuchten", sagte der Schulleiter. Im Musical werde versucht, "das interessante Spannungsfeld zwischen Schöpfungsgeschichte und Evolutionstheorie" darzustellen. "Woher - wohin, was gibt dem Leben einen Sinn", sangen die Schüler mit viel Engagement. Der Song "Ach wär ich doch ein Mann wie er", soll nach Ulbrichs Worten "in die Jetzt-Zeit überleiten". In diese holte Karl Dieter Reinartz, Vorsitzender des Spix-Vereins seine Zuhörer mit einem Rückblick auf die Geschichte von Verein und Museum. In Bildern führte Reinartz durch die Geschichte des Hauses in der Badgasse, in dem Johann Baptist von Spix als Sohn des Höchstadter Baders geboren ist. Vom Abriss gerettet und unter Denkmalschutz gestellt war die Absicht, darin ein Museum einzurichten, noch lange nicht in trockenen Tüchern. Bis zum heutigen Museum galt es viele Hürden, vor allem finanzieller Art, zu überwinden. Dafür habe Höchstadt heute ein sehr schönes Museum mit einer Ausstellungsfläche von 100 Quadratmetern, stellte Reinartz fest.

"Figur ist voller Leben"

Auch wenn das Höchstadter Gymnasium sich nicht nach dem Sohn der Stadt benennen wollte - durch die Namensgebung der Spix-Mittelschule ist der Vereinsvorsitzende heute weitgehend "versöhnt". Natürlich auch durch das Spix-Denkmal vor der Sparkasse. Die Figur "steht nicht starr und steif da, sondern ist voller Leben", sagte er. Reinartz' Dank galt insbesondere dem ehemaligen Sparkassendirektor Herbert Fiederling, "der sich dabei sehr verdient gemacht hat" und dem damaligen Landrat Franz Krug (beide waren im Publikum), "der sich bemüht hat, die finanziellen Mittel locker zu machen, die wir dringend brauchten".
Haszprunar hatte inzwischen mit Rektor Michael Ulbrich für das kommende Frühjahr einen Vortrag vereinbart, eine "Spix lecture" sozusagen, als deren Veranstalter die Spix-Schule zeichnen wird. Das Thema "Die Biologie der Bibel" verspricht interessant zu werden.
Auf die Spuren von Spix und seines Forscherkollegen Carl Friedrich Philipp von Martius begab sich mit seinem Vortrag Rainer Radtke. Radtke, Zoologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Brasilien-Zentrums der Universität Tübingen besuchte 1985 erstmals Brasilien. Inzwischen war er mit seinen Studenten 19mal in dem Land mit den riesigen Ausmaßen und hatte daher viel zu berichten.
Was Spix und Martius in ihren Reiseberichten über die Indios Amazoniens schrieben, war Thema eines Vortrags von Winfried Kreutzer. Sie hätten in der damaligen Zeit die bedeutendsten Beiträge über Brasilien geliefert. Die Darstellung der sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Situation der Urbevölkerung lasse auch einen Schluss auf die beiden Wissenschaftler zu. Spix und Martius seien als sensible und gebildete Menschen gewohnt gewesen, differenziert zu denken, waren aber auf die Indios keineswegs vorbereitet. Und dann gab es noch etwas fürs Auge: Zwei brasilianische Tänzerinnen legten feurigen Samba auf die Bühne.