Die langjährigen Bestrebungen, die Hebammenausbildung zu akademisieren, nehmen nun konkrete Formen an. So ist es an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg (FAU) ab dem kommenden Wintersemester 2021/22 möglich, „Hebammenwissenschaft“ zu studieren. Das dual primärqualifizierende Studium umfasst das gesamte Spektrum originärer Hebammentätigkeit. Die akademische Lehre an der FAU und die praktische Ausbildung an der Frauenklinik (Direktor: Prof. Dr. Matthias W. Beckmann) des Universitätsklinikums Erlangen als zentraler Praxiseinrichtung sind dabei detailliert aufeinander abgestimmt. Ab 19. April 2021 können sich Interessiere für den Studiengang bewerben.

Die meisten Geburten verlaufen ohne große Komplikationen. Deuten sich aber bereits während der Schwangerschaft oder unter der Geburt Schwierigkeiten an, ist die Behandlung in einer spezialisierten Geburtsklinik erforderlich. „Unsere Frauenklinik mit dem zertifizierten Universitäts-Perinatalzentrum Franken der höchsten Versorgungsstufe ist nicht nur eine Anlaufstelle für Frauen mit einem normalen Schwangerschaftsverlauf, sondern auch für Schwangere, bei denen eine Risikogeburt bevorsteht“, erklärt Prof. Beckmann, der den neu geschaffenen Studiengang aktuell leitet.

„Die Hebammen, die diese Frauen betreuen, brauchen daher ein umfassendes und breit aufgestelltes Wissen. Bei der Vielfältigkeit ist die Akademisierung des Hebammenberufs wichtig.“ Das bestätigt auch die leitende Hebamme des Perinatalzentrums Nicole Grafe und ergänzt: „Ein universitäres Niveau, was Hebammen zu wissenschafts- und evidenzbasierten Entscheidungen befähigt, sie aber auch für die Lehre und Forschung qualifiziert, ist sehr zu begrüßen. Aufgrund der sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich veränderten Anforderungen ist ein weitgefächertes Wissen für Hebammen in allen Bereichen – aber insbesondere im Kreißsaal – von enormer Bedeutung.“

In sieben Semestern zum Bachelor

Studieninteressierte mit allgemeiner Hochschulreife können sich ab dem 19. April 2021 am Universitätsklinikum für die Aufnahme in den Studiengang bewerben. Über weitere Zugangsmöglichkeiten zum Studium, z. B. für beruflich Qualifizierte, informiert die zentrale Studienberatung der FAU. Für das Wintersemester 2021/22 werden 30 Studienplätze vergeben.

Das anwendungsorientierte Studium beinhaltet einen 2.295 Stunden umfassenden Praxisteil, der in der Frauenklinik und an weiteren ausgewählten Praxisstellen absolviert wird. Dank einer engen Kooperation mit der Universitätsmedizin Tübingen auf dem Gebiet der Hebammenwissenschaft im Verbund mit zahlreichen renommierten Partnern eröffnen sich den Studierenden zudem weitreichende akademische Perspektiven. Weil das Studium dual ausgelegt ist, erhalten die Studierenden eine Vergütung. Am Ende der Regelstudienzeit von sieben Semestern verfassen die Studierenden eine Bachelorarbeit und legen ein Staatsexamen ab, wobei die „Examensgeburt“ künftig in einem sogenannten Skills Lab stattfindet.

Hier wird eine Geburt simuliert; alle Studierenden haben für ihre Prüfung also die gleichen Rahmenbedingungen. Mit dem erfolgreichen Studienabschluss erlangen die Studierenden zum einen den akademischen Grad Bachelor of Science und zum anderen die Berufszulassung für Hebammen durch die Regierung von Mittelfranken. Wer sich darüber hinaus qualifizieren möchte, kann ein Masterstudium anschließen. Auch eine wissenschaftliche Laufbahn mit Promotion und Habilitation ist möglich. „Es eröffnen sich neue Aspekte eines lang bekannten Berufs,“ sagt Prof. Beckmann.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Matthias W. Beckmann
Tel.: 09131 85-33451 fk-direktion@uk-erlangen.de