An der Uniklinik Erlangen gibt es aktuell 22 Covid-Patienten, davon 13 auf Intensivstationen, auch Kranke aus Italien wurden aufgenommen. Erste Erfolge machen Erlanger Mediziner bei der Therapie mit Blutplasma von Geheilten, wofür die Klinik bundesweit Aufmerksamkeit bekam.

Doch auch in Erlangen ist man von der Debatte um die Mangelware Masken nicht verschont. Neuerdings gilt im Haus eine generelle Maskenpflicht für alle Mitarbeiter. Nicht nur medizinisches Personal, auch Angestellte der Versorgungsbereiche, sind verpflichtet, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Das hat vor einer Woche der Krisenstab der Klinik beschlossen.

Uniklinik Erlangen: Zwei Masken für jeden Mitarbeiter

Wie Kliniksprecher Johannes Eissing auf Anfrage des Fränkischen Tags mitteilt, wurden am Dienstag an alle rund 7500 Mitarbeiter jeweils zwei Atemwegsmasken ausgegeben. Seit Wochen gilt ein weitgehender Stopp für Besuche in der Uniklinik. Mit der Maskenpflicht wolle man nun zusätzlich eine mögliche Ausbreitung des Coronavirus verhindern.

Waschbares dreilagiges Vlies

Die rund 15.000 ausgegebenen Masken sind keine der üblichen Einmal-Artikel, sondern solche, die mehrmals getragen werden können - und sollen. Sie bestehen aus einem dreilagigen Vlies, das waschbar ist.

Fragen besorgter Mitarbeiter

Dies löste bei einigen Mitarbeitern offenbar Unsicherheit aus, wie man aus dem Klinikumfeld hört. Es habe zahlreiche Nachfragen auch von Seiten des Pflegepersonals gegeben. Darunter mancher, der Bedenken hatte, die Masken könnten von minderer Qualität sein. Dies rief bei einzelnen Angestellten die Sorge hervor, sich möglicherweise mit dem Coronavirus infizieren zu können. Manche befürchten, die eigene Familie könnte sich anstecken. Die Mitarbeiter sind angehalten, ihre Masken zu Hause zu waschen.

Kliniksprecher Eissing stellt gegenüber dem Fränkischen Tag klar: "Die Einführung dieser Masken wurde von unserer Krankenhaushygiene geprüft und befürwortet." Die Qualität sei sogar deutlich höher, als bei einem gewöhnlichen chirurgischen Produkt. Zudem würden "selbstverständlich weiterhin wie üblich" Mund-Nasen-Schutze und FFP-Masken bei der Arbeit mit Patienten verwendet, auch wenn man aufgrund begrenzter Bestände damit haushalten müsse.

Produzent aus der Region

Was medial mittlerweile zu Genüge bekannt gemacht wurde, gilt auch für Erlangen: Auf dem Weltmarkt sind klinische Schutzartikel ein rares Gut. Auch für die Uniklinik sei es nicht einfach, in kurzer Zeit große Stückzahlen zu erhalten, vor allem nicht für eine umfangreiche Maßnahme wie eine generelle Maskenpflicht.

Fündig wurde man im Landkreis Hof. Die Firma Take Cair produziert seit kurzem größere Stückzahlen. Vor rund drei Wochen hat die Uniklinik die nun gelieferten Mehrweg-Masken dort bestellt. Nach Herstellerangaben können sie etwa einen Monat bei täglichem Waschen verwendet werden, so Eissing. Schon etwa 15-minütiges Einlegen in Seifenlauge töte mögliche Viren zuverlässig ab. "Alle Mitarbeiter haben von unserer Krankenhaushygiene eine Waschanleitung erhalten. Rückfragen im Mitarbeiterportal wurden beantwortet."

Dass die Masken einen hohen Schutz gewähren, bestätigt Christian Bogdan, Leiter des Mikrobiologischen Instituts und Hygieniker der Klinik: "Die Filterqualität des Stoffes entspricht mindestens der einer FFP2-Maske. Von der Funktionalität her ist die Maske deutlich höherwertig als ein chirurgischer Mund-Nasen-Schutz." Die Ware sei von einer Fachfirma getestet worden. Zur Reinigung reiche normales Flüssigwaschmittel oder Flüssigseife.

Drastische Videobotschaft der Klinikleitung

Trotzdem sah sich am Donnerstag Heinrich Iro, Ärztlicher Direktor des Klinikums, gezwungen, in einer Videobotschaft an alle Mitarbeiter auf vereinzelten Unmut zu reagieren. Und dies tat er deutlich: "Auch wenn ich manche kritische Äußerung zum Tragekomfort durchaus nachvollziehen kann, haben mich einige Kommentare doch wirklich überrascht." Er betonte gegenüber den Mitarbeitern: "Wir haben eine absolute Krisensituation in unserem Land. Das ist offensichtlich nicht allen so richtig bewusst - weil der Lohn pünktlich weitergezahlt wird."

Iro bezog sich auch auf die gesellschaftliche Lage: "Derzeit kann niemand sicher sagen, was tatsächlich auf uns zukommt. Eines ist aber in jedem Fall sicher: Ihr Arbeitsplatz. Wir haben keine Kurzarbeit. Wir haben ausreichend Schutzmaterial für viele Corona-Patienten und wir erwarten nach Ostern umfangreiche Materiallieferungen."

Warten auf 10 Millionen Masken

Der Klinikchef machte aber keinen Hehl aus der schwierigen Beschaffung. Man habe abwägen müssen: Bestellt man Mehrwegmasken, oder wartet man womöglich Wochen auf den "normalen Nachschub". "Der Materialmarkt war und ist leer gefegt. Bis heute funktionieren die altbewährten Lieferketten noch nicht zuverlässig. Unsere Materialwirtschaft hat derzeit Bestellungen über zehn Millionen Masken verschiedenster Art offen" , so Iro.

Er sei "froh, dass wir jetzt diesen waschbaren Mund-Nasen-Schutz an alle ausgeben konnten." Iro appellierte an die Belegschaft: "Bitte arrangieren Sie sich damit."

Personalrat befürwortet die neuen Masken

Dass es Unsicherheiten zu den neu eingeführten Masken gab, bestätigt Thomas Frauenhofer, Vorsitzender des Personalrats und Gruppensprecher der Arbeitnehmer. Bei einer Maskenpflicht für tausende Mitarbeiter sei dies aber zu erwarten gewesen, denn darunter seien auch viele, die das Tragen einer Maske noch nicht gewohnt seien. Doch die Sicherheitsbedenken mancher Kollegen könne er nicht ganz verstehen: "Die Qualität der jetzt vorhandenen Masken ist absolut ausreichend. Das Material hat quasi FFP2-Niveau." Er vertraue auf die Fachleute, die den Schutz als sehr gut beschrieben hätten.

Es stimme, dass die Masken unverpackt, also nicht steril, auf die Hand ausgegeben worden sind. Die Sterilität sei jedoch für viele Arbeitsbereiche nicht relevant. Dort, wo höhere Schutzstufen erforderlich sind, sei dies auch gegeben. Frauenhofer baut darauf, dass alle Kollegen einsehen, dass es sich um eine Ausnahmesituation handelt. Aus seiner Zeit als Pfleger in der Notfallaufnahme der Chirurgie wisse er, "was Maskenpflicht bedeutet". Angenehm sei etwas anderes. Aber eben nötig.