Das, was die Teilnehmer eines Streichquartett-Kurses im Weisendorfer Edith-Stein-Haus unter der Woche gelernt hatten, gaben sie am Sonntagabend bei einem Konzert zum Besten. Unter der Leitung von Walter Engelmann standen vor zahlreichen interessierten Zuhörern Werke von Georg Friedrich Händel und Peter Warlock auf dem Programm. Zur Unterstützung hatten sich die Kursteilnehmer die Sopranistin Maria del Roser Valdivieso aus Barcelona und Alexander Friedrich aus Fürth am Cembalo geholt.

Zur Begrüßung empfing die Zuhörer ein flottes, sportliches, Stück von Georg Friedrich Händel (1685-1759) aus dem Messias. Händel verbindet in seinem Schaffen die gediegene Satzkunst eines deutschen Organisten mit einem in Italien geschulten Empfinden für gefällige Melodik und durchsichtiger Klanglichkeit. Seine Opern und Oratorien knüpfen an italienische Vorbilder an. Seine Oratorien zeugen von starkem religiösen Gefühl, sind aber nicht für den kirchlichen Gebrauch bestimmt und als geistliche Opern anzusprechen. Gegenüber seinem Zeitgenossen Johann Sebastian Bach, der einer alten deutschen Kantorentradition und ihrer strengen Schule verhaftet blieb, ist Händel der gewandte, dem Neuen zugekehrte Weltmann.

1706/09 war er in Italien, wo er Bekanntschaft mit Arcangelo Corelli und den beiden Scarlatti machte. 1710 wurde er Hofkapellmeister in Hannover und lebte seit 1711 in London, wo sein Kurfürst als Georg I. den englischen Thron bestiegen hatte. Händel gründete eine Opernakademie, die Oper italienischen Geschmacks stand im Mittelpunkt seines Schaffens. Als tüchtiger Komponist wusste er, wo er brillieren konnte, nämlich mit den Opern, von denen er 42 schrieb. Dabei handelte er sich aber auch viel Ärger mit Sponsoren, Sängern und vor allem Sängerinnen ein.

Nach dem zweitem Bankrott und einem körperlichen Zusammenbruch wandte sich Händel verstärkt der Oratorienkomposition zu, von denen er 24 schuf. Mit seinem in 24 Tagen geschriebenen Messias, der 1742 in Dublin aufgeführt wurde, konnte Händel seinen Weltruhm endgültig begründen. Aus dem Messias stand die Sinfonia (Grave) am Beginn des Konzerts, die Engelmann als "griffiger und flächiger als die Musik von Johann Sebastian Bach" titulierte. Es folgten die zwei Arien für Sopran, "Wie lieblich ist der Boten Schritt" und "Ich weiß, dass mein Erlöser lebet", in englischer Sprache mit der Sopranistin Maria del Roser Valdivieso, begleitet von einem kleinen Klangkörper. Als Zugabe schloss sich gleich ein Stück aus seiner Oper Rinaldo an, "Lascia ch'io pianga mia cruda sorte".

Als Kontrastprogramm folgte von Peter Warlock (1894-1930) das Stück Capriol. "Nun kommt etwas ganz besonderes", kündigte Engelmann den Beitrag an. Der Name Peter Warlock war ein Pseudonym für Philip Arnold Heseltine, der von 1894 bis 1930 lebte. "Zu Anfang des 20. Jahrhunderts gab es einige wilde Sachen, zum Beispiel 'Le Sacre du Printemps' von Igor Strawinskij. Vieles war da im Umbruch, es gab Bartok und Schönberg, die sich in die Zwölf-Ton-Architektur verkünstelten", erläuterte Engelmann.

Dagegen nehme sich Warlock ziemlich bieder aus. Er bediente sich bei mittelalterlicher Musik und ließ sich auch von den Kelten anregen. Daraus resultieren Melodien, die nicht ganz unserer Dur oder Moll-Systematik entsprechen. Sein Werk "Capriol" trägt französische Satzbezeichungen.

Engelmann ließ es sich nicht nehmen, anhand dieser Sätze ihr eigenes Wesen herauszuarbeiten. So ist die Suite eine Folge von Tanzsätzen, auch wenn es getragen ist. Die Pavane ist geradtaktig, während der Hüpftanz Galliarde ungerade auf drei Takten fußt. Tordion hat einen Sechs-Viertel-Takt, Bransels ist ein Reigentanz mit geradem Takt, der sich im Tempo stiegert. Auf "Pieds-en-l'air", einen Neun-Achtel-Tanz, folgte zum Schluss Mattachins, ein Schwertertanz, der "zu Beginn ruhig ist, dann aber klirrend endet", wie es Engelmann formulierte.

Die Stücke wurden von den Zuhörern mit lang anhaltendem Applaus bedacht. Das nächste Konzert findet am Samstag, 1. Juni statt. Mit ihren freiwilligen Spenden nach dem Konzert unterstützten die Besucher ein Projekt des Instituts Notre Dame de Vie.