Während andere Polizisten lieber in einer anderen Stadt arbeiten als sie wohnen, hat sich Gerhard Backert (60) ganz bewusst dafür entschieden, Polizist in der Heimat zu sein. Angst, aufgrund seines Berufs in einen Konflikt mit Menschen aus seinem Bekanntenkreis zu kommen, hatte der stellvertretende Polizeichef in Höchstadt nicht. Und das kam auch nie vor. Über 42 Jahre war der gebürtige Mühlhausener im Dienst, wenn er in wenigen Wochen in den Ruhestand verabschiedet wird. Ein gemeinsamer Rückblick mit dem FT.

Gab es Einsätze, bei denen Sie schießen mussten?
Gerhard Backert: Glücklicherweise in all den Jahren nicht. Aber zücken musste ich die Waffe schon öfter. Zum Beispiel, wenn wir einen Straftäter gestellt haben. Da ist man natürlich angespannt. Das muss man auch sein. Die Waffe gibt Sicherheit, sollte aber immer das letzte Mittel sein.


Was hat sich während Ihrer Dienstzeit verändert?
Es ist internationaler geworden. Früher sind wir mit Englisch als einzige Fremdsprache ausgekommen, heute sind viele andere Sprachen dazu gekommen. Bei Vernehmungen haben wir immer wieder Dolmetscher dabei. Die überwiegende Anzahl von Straftaten wird aber von Deutschen begangen. Mit Flüchtlingen haben wir übrigens kaum etwas zu tun.

Was war das Schlimmste, was Sie in Ihrer Dienstzeit erleben mussten?
Schwer zu sagen. Man hat viel gesehen. Mit Sicherheit nie vergessen werde ich aber, als im Jahr 2000 ein damals 13-Jähriger mit einer Axt erschlagen wurde. Ein 17-jähriger Bekannter fuhr auf dessen Fahrrad auf dem Gepäckträger mit und schlug von hinten auf seinen Kopf ein. Der Junge verstarb, konnte uns aber noch den Namen des Täters sagen. Wir haben ihn dann zuhause erwischt, wie er gerade seine Kleidung waschen wollte.

Schrecklich...
Wir haben viel mit dem Tod zu tun. Da muss man sich eine dicke Haut zulegen. In einem anderen Fall ertrank ein dreijähriges Kind in einem Bach. Wenn die eigenen Kinder dann auch in diesem Alter sind, ist das das Allerschlimmste.

Wie verarbeiten Sie persönlich solche Ereignisse?
Ich habe immer viel mit meiner Frau oder Kollegen darüber gesprochen. Man darf es auf keinen Fall in sich hineinfressen. Viele Angehörige kommen nach tödlichen Unfällen auch zu uns und haben das Bedürfnis, darüber zu reden. Auf sie einzugehen und sich dem nicht zu verschließen, gehört zu diesem Beruf dazu.

Wollten Sie schon immer Polizist werden?
Das war ein Zufallsprodukt. Mein Banknachbar in der Schule hatte sich bei der Polizei beworben. Da habe ich mir gedacht: Das könntest du doch auch machen. Eigentlich wollte ich Elektroingenieur werden. Ich habe deshalb erst einmal eine Lehre bei Schaeffler begonnen, sie aber nur nach ein paar Wochen und rechtzeitig zum Beginn der Ausbildung bei der Polizei wieder abgebrochen. Ich würde es jederzeit wieder so machen. Es hat mir immer Spaß gemacht und ich kann mir vorstellen, dass mir in meinem Ruhestand etwas fehlen wird. Auch mein Sohn ist inzwischen Polizist geworden.

Was wartet zuhause auf Sie, wenn Sie Ihre Uniform für immer in den Schrank hängen?
Meine Tochter hat letztes Jahr Zwillinge bekommen. Mit ihnen werde ich bestimmt viel Zeit verbringen. Außerdem unternehmen meine Frau und ich gerne Schiffsreisen oder auch Fahrradtouren.

Das Gespräch führte Sabine Memmel

Berufsweg 1974 begann Gerhard Backert seine Ausbildung in Nürnberg und Rothenburg. Danach war er beim ersten Einsatzzug in Erlangen sowie ab 1977 bei der Polizei Herzogenaurach. Nach acht Jahren entschied er sich für die Beamtenfachhochschule in Fürstenfeldbruck. 1987 kam er in die Dienststelle nach Höchstadt, wo er sich beworben hatte. Bis 2008 war er Dienstgruppenleiter, anschließend bis heute stellvertretender Polizeichef. Seinen Posten übernimmt Thomas Gamm, Dienststellenleiter in Herzogenaurach.