"Der Junge muss an die frische Luft" - als der Komiker Hape Kerkeling vor einigen Jahren seiner Autobiografie diesen Titel gab, wusste er nicht, wie wichtig diese Alltagsweisheit noch werden wird. Denn nach einem halben Jahr Pandemie weiß man, gegen eine Ansteckung mit dem Coronavirus hilft neben Abstand vor allem eines: Frischluft.

Am Dienstag beginnt das neue Schuljahr. Hunderte Schüler strömen dann in die Schulhäuser. Um maximalen Schutz zu garantieren, tüftelt jede Schule auf Basis der Anordnungen der Staatsregierung ein Hygienekonzept aus.

Allen gemeinsam: Händewaschen vor dem Unterricht, Maskenpflicht auf allen Gängen und in der Toilette, ab der fünften Klasse für die ersten zwei Wochen sogar während des Unterrichts.

"Das Lüften ist bei uns überhaupt kein Problem", sagt Roland Deinzer", Schulleiter des Gymnasiums Höchstadt. Alle 20 Minuten soll im Unterricht für fünf Minuten gelüftet werden, dazu zu Beginn und am Ende der Stunde. In den Klassenzimmern gibt es überall Flügelfenster, die sich noch per Hand öffnen lassen. Damit ist das Gymnasium mit seinen rund 1100 Schülern gut dran. Bei manchen Schulgebäuden mit Niedrigenergiestandards und kontrolliertem Lüftungssystem gibt es das oft nicht mehr.

Fenster und Türen auf

Doch auch im relativ neuen Bau der Realschule gebe es kein Problem mit der Frischluftzufuhr, sagt Schulleiter Markus Ott. Neben den Lamellenfenstern, die sich zu 60 bis 70 Grad ausklappen lassen, gebe es in jedem Klassenraum auch eine bodentiefe Tür nach draußen, die man öffnen kann. Für den nötigen Durchzug sollen auch die Türen zum Gang geöffnet bleiben. Und auch an der Anton-Wölker-Grundschule geht es fenstermäßig ganz klassisch zu, wie Schulleiterin Rosi Wagner sagt. Am Gymnasium hat man sich schon über Luftreinigungsgeräte für die Klassenzimmer informiert. Doch dies würde hohe Kosten mit sich bringen.

Ein anderer Knackpunkt sind die Pausen. Wagner ist froh, dass die Anton-Wölker-Schule für ihre 194 Schüler einen großen Pausenhof mit Sportplatz hat.

Pausenhof bekommt Zonen

Das Areal wird mit Pylonen und Kreidestrichen gedrittelt. Zweite, dritte und vierte Klasse bekommen je einen Bereich. Die Erstklässler sollen, weil sie am meisten Bewegungsdrang haben, eine separate Pause bekommen. Sollte das Konzept nicht funktionieren, könne man aber auch für alle gestaffelte Pausenzeiten einführen, so Wagner.

Ähnlich wird es wohl am Gymnasium gehandhabt. Hier stehen drei Pausenhöfe zur Verfügung. Eine gewisse Durchmischung der Schüler sei aber nicht zu vermeiden, so Deinzer. Denkbar wäre auch, dass manche Klassen in ihrem Klassenzimmer Pause machen, bei geöffneten Fenstern. "Aber für die Schüler ist es wichtig, dass sie Bewegung haben, vor allem in der Unter- und Mittelstufe." Deshalb werde man wohl erst einmal auf die Pausenhöfe gehen und die Lage beobachten.

An der Realschule mit ihren rund 850 Schülern werden die Pausen gestaffelt. Die Hälfte der Schüler bleibt im Klassenzimmer, die andere Hälfte geht nach draußen, wo Bereiche für jede Klasse markiert werden. In der zweiten Pause wird das dann gedreht. Auf den Gängen wird es feste Laufwege geben.

"Die Schüler, die gerade Pause im Freien haben, müssen trotzdem den Abstand von 1,5 Metern einhalten", sagt Ott. Er denke aber auch schon an den Dezember und den Januar, wenn es richtig kalt werden kann. Wie das Lüften im Klassenzimmer dann funktioniert, müsse man sehen.

Desinfektion nur unter Aufsicht

Und welche Rolle spielt Desinfektionsmittel? Am Gymnasium gibt es kontaktlose Spender, jedoch bewusst nur an wenigen Stellen. Vor dem Computerraum zum Beispiel. Vor dem Berühren der Tastaturen können die Schüler sich die Hände desinfizieren. Ein Spender am Schuleingang sei bisher nicht geplant, sagt Deinzer. Denn die Schule müsse die Aufsicht garantieren. "Rumpanschen" der Schüler mit Desinfektionsmittel, schließlich ein hautreizender, brennbarer Stoff, müsse verhindert werden.

So viel Normalität wie möglich

Das Wichtigste am Hygienekonzept sei, das man jederzeit nachbessert. "Es ist work in progress", sagt Deinzer. Soll heißen: In Stein gemeißelt ist nichts, was gut funktioniert werde gemacht. Wichtig sei, so der Chef des Gymnasiums, dass so viel Normalität und Spaß an der Schule wie möglich stattfindet - bei den nötigen Vorsichtsmaßnahmen natürlich.

Das sagen auch seine Kollegen Wagner und Ott. Es gehe nicht um Verschrecken oder Gängelung der Schüler, sondern um sinnvolle und zumutbare Lösungen für den Alltag.

Sollte ein Coronafall an der Schule auftreten, ist das Gesundheitsamt am Zug. An eine komplette Schulschließung glaubt keiner der Schulleiter. Dazu habe man mittlerweile zu viel Erfahrung.

Wer weiß, vielleicht reicht ja die alte Frischluft-Weisheit. Zu hoffen wäre es.