Dieser Ausflug hat sich gelohnt; Martin Grau war bei der Jubiläumsauflage des Neuhauser Straßenlaufs nicht zu stoppen, verbesserte seine persönliche Bestzeit über zehn Kilometer um zwölf Sekunden und stellte mit seinen 30:55 Minuten einen neuen Streckenrekord auf, der ihm den bayerischen Meistertitel einbrachte. Es war ein hartes Rennen für den etatmäßigen Hindernisläufer des LSC Höchstadt, der als Kind beim TSV Neuhaus mit dem Laufen begann.

"Es ist so gelaufen, wie ich es mir erhofft habe, obwohl ich erwartet hatte, dass ein paar Teilnehmer mehr vorne mitlaufen", erzählt der 25-Jährige. So jedoch setzte er sich zusammen mit dem Coburger Addisu Tulu Wodajo und Andreas Straßner (ART Düsseldorf) schnell ab. "Die ersten sieben Kilometer waren flüssig, dann wurde es zäh, obwohl wir uns beim Tempomachen abwechselten", berichtet Grau. Straßner, der Neuhaus als Testlauf für die deutsche Halbmarathon-Meisterschaft betrachtete, ließ bei Kilometer 9 abreißen, während sich die anderen beiden nun attackierten.

Erst versuchte Grau sich abzusetzen, wurde aber eingefangen und musste nun seinerseits schauen, an Tulu Wodajo dranzubleiben. "Das ist mit gelungen. Und obwohl ich mit den Temperaturen besser zurecht gekommen bin als andere, tat der Schlussanstieg richtig weh. Aber da hab ich meinen Kontrahenten geknackt. Auf den letzten 300 Metern über den Rasen des Sportplatzes haben mich die Zuschauer dann so angefeuert, dass ich noch einmal alles aus mir rausgeholt habe", sagt Grau, der erst später mitbekam, dass er einen neuen Streckenrekord aufgestellt hatte.

Angesichts des Erfolgs auf Straßenlauf umzuschulen, kommt für Grau indes nicht in Frage. "Das war ein toller Lauf und ein guter Gradmesser für meinen Leistungsstand, obwohl die Strecke anspruchsvoller war, als vermutet. So einen Lauf vor der eigenen Haustür zu gewinnen, ist etwas Besonderes, aber Straßenläufe werde ich auch künftig nur ab und zu einstreuen", sagt der Sportsoldat, der kommende Woche mit dem LSC Höchstadt ins Trainingslager nach Kroatien fährt.


Ungewohnte Temperaturen

Neben Martin Grau konnten auch andere Läufer aus der Region mit ihren Leistungen bei der bayerischen Meisterschaft absolut zufrieden sein. So stellte der TSV Burghaslach mit Kerstin Lutz (2. W40) und Thomas Zeh (3. M50) zwei Medaillengewinner, wobei Letzterer zusammen mit Günter Wittmann und Reinhard Dölfel in der offenen Teamwertung (M50/55) Silber holte. Brigitte Bärnreuther vom FSV Großenseebach wurde Dritte in der Altersklasse W60.

Auch der gastgebende TSV hatte mit Brigitte Knapp (4. W40), Simone Scherbel (7. W40), Astrid Glas (5. W45), Ingrid Bachmeier (5. W60) oder Bernd Hagen (4. M40) einige Läufer weit vorn im Klassement. Schnellste Frau war Domenika Mayer (35:32) vom LAC Quelle Fürth, das auch wieder eine ganze Reihe starker Teilnehmer entsandt hatte.

Rundum zufrieden mit den Leistungen der Teilnehmer zeigte sich Chef-Organisator Willi Wahl, der angab, dass bei den sieben einzelnen Wettkämpfen 601 Teilnehmer das Ziel erreichten, 286 davon bei den bayerischen Meisterschaften. "Für diese Jahreszeit war es schon sehr warm. Damit sind nicht alle Läufer zurechtgekommen. Wir haben gut dran getan, auf dem 4,6 Kilometer langen Kurs zwei Versorgungsstationen einzubauen. Trotzdem mussten einige aufgeben", sagt Wahl.


Noch 1000 Becher besorgt

2500 Wasserbecher hatten die 73 Helfer aus Reihen des TSV bereitgestellt. Aber die reichten bei weitem nicht aus. "So etwas hab ich auch noch nicht gesehen. Ein paar hundert Becher gingen bein den vorangegangenen Läufen weg, aber während des Hauptrennens musste einer meiner Helfer ins Auto springen und noch 1000 Becher besorgen", berichtet Wahl, der trotz des Mehraufwandes für die "Bayerische" mit deutlich erhöhter Teilnehmerzahl glücklich über den Verlauf der Jubiläumsveranstaltung war. "Es war eine Herausforderung, die wir ganz gut gemeistert haben. Außer, dass uns wegen einer überhitzten Kabeltrommel im Zielbereich kurzzeitig der Strom ausfiel, gab es nicht zu bemängeln. Gut, es hätten ein paar mehr Zuschauer kommen können, doch dafür war das Wetter vielleicht zu schön", resümierte der Chef-Organisator.

Neben all den guten Nachrichten ging fast unter, dass die Grund- und Mittelschule Adelsdorf ihre Wette mit Bürgermeister Karsten Fischkal gewann, indem sie beim Schülerlauf mehr als 60 Finisher aufbot, die sich alle ein Gratis-Eis abholen durften.