Immer schön lächeln, auch wenn es weh tut. Während Fußballer sich nach einem Tritt schon mal mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden wälzen, gilt für Tänzer: Die Show muss weitergehen. "Selbst wenn mir der Schuh oder das Kleid wegfliegt oder ich mir den Zeh an meinem eigenen Absatz blutig schlage, ziehe ich's durch. Wenn ich stürze, muss mein Partner allein weiter tanzen, damit keine Lücke im Bild entsteht", erzählt Caroline Dirian, die für den TV Coburg-Ketschendorf in der Regionalliga in der Formation Latein startet.

Rumba, Cha-Cha, Jive oder Pasodoble sind dabei für die 18-jährige Herzogenauracherin an der Tagesordnung und für sie interessanter als Standard-Tänze. "Da sind mehr Hüfteinsatz und mehr Beweglichkeit gefragt und die Highlights - also Drehungen und Pirouetten - sind etwas spektakulärer." Und das ist aus Sicht eines Formationstänzers ein wichtiger Aspekt.
Denn es geht nicht nur darum, die Schritte zu beherrschen, sondern auf Synchronität und Symmetrie zu achten und ein überzeugendes Gesamtbild abzugeben. "Das ist ein Mannschaftssport, denn wir sind acht Paare, die gleichzeitig auf dem Parkett stehen", erklärt die Schülerin, die nach ihrem Abitur im Mai gern Jura studieren möchte.

Der Tanzboden ist wie ein Koordinatensystem aufgeteilt, jedes Paar muss genau wissen, wann es wo zu sein hat in der sechsminütigen Choreografie, die im Laufe einer Saison immer wieder gezeigt und ständig optimiert wird. Das ist wichtig, damit das Gesamtbild stimmt. Die Tänzer müssen als Formation Figuren wie Diagonalen, Rauten oder Pfeile zeigen, die die weit über dem Parkett sitzenden Kampfrichter bewerten. Je akkurater die Ausführung, desto besser die Wertung. Und Uniformität hilft ebenfalls für ein stimmiges Erscheinungsbild. Es geht darum, zu glänzen - nicht nur mit einem Lächeln.

Erst die Arbeit, dann der Glanz

Die Frauen tragen knapp geschnittene, schimmernde Kleider, die Männer treten zwar auch paillettenbesetzt, aber etwas dezenter in Schwarz in Erscheinung. Alle Tänzer sorgen mit Selbstbräuner für einen einheitlichen Teint, sind stark geschminkt. "Und die Haare färben wir uns mit Schuhcreme, die hat pflegende Fette und einen schönen Glanz", berichtet Caroline Dirian.

Bis dann alle gleich aussehen, verstreichen schon mal drei oder vier Stunden und deshalb muss jeder in der Truppe vorbereitende Aufgaben übernehmen. Die 18-Jährige, die neben Anja Mederer und Sebastian Daßler der dritte Herzogenauracher in der 2010 wieder ins Leben gerufenen Tanzsportabteilung des TV Ketschendorf ist, muss sich um das Schminken der Männer kümmern. "Gar nicht so einfach, denn die zwinkern beim Lidstrich immer so viel."

Unter dem ganzen Glanz steckt viel harte Arbeit. "Ein sechsminütiger Auftritt von uns lässt sich mit einem 5000-Meter-Lauf vergleichen", weiß Caroline Dirian. Sie hat sich schon immer gern zu Musik bewegt, fing aber erst vor drei Jahren in der Schule überhaupt mit dem Tanzen an und wurde von Kursleiterin Silke Hoffmann nach Oberfranken geholt, die damals selbst in Coburg tanzte und dort noch als Trainerin aktiv ist. Ganze sieben Monate stecken die Ketschendorfer schon in der Vorbereitung für die Saison, die am nächsten Wochenende im hessischen Hofheim beginnt.

Heim-Turnier ist was Besonderes

"Wir sind leistungsorientiert und natürlich hat man immer den Ehrgeiz und den Willen, den ersten Platz zu erreichen, jedoch ist das als Aufsteiger eher unwahrscheinlich, deswegen ist unser oberstes Ziel der Klassenerhalt", sagt die Herzogenauracherin, die sich selbst als sehr ehrgeizig beschreibt. Für solche Ziele muss viel Schweiß fließen. An den Wochenenden wird trainiert, bis zu elf Stunden am Tag - da schmerzen nicht nur die Füße. "Die ganze Mannschaft hat nur durch das Training in der Vorbereitung insgesamt 75 Kilo abgenommen und brennt jetzt darauf, dass es los geht."

Vor allem im Heim-Turnier am Samstag, 16. Februar, will das Team um das Küken aus Herzogenaurach zeigen, was in ihm steckt. In der dritthöchsten Liga Deutschlands wird es schwieriger, als beim souveränen Marsch durch Landes- und Oberliga in den vergangenen Jahren, die besten Wertungen zu ziehen. Doch ein Wettbewerb in eigener Halle setzt besonders viel Motivation frei. "Man muss gewisse Auflagen erfüllen, um überhaupt ein solches Turnier ausrichten zu dürfen. Und schon allein das Mieten des vorgeschriebenen Tanzparketts ist sehr kostspielig."

Caroline Dirian, die früher auch Tennis gespielt, sich aber für das Tanzen entschieden hat, will mit ihrer Mannschaft so viel wie möglich erreichen. "Wir sind wie eine Mauer, die auch privat eng zusammensteht." Diese Verbundenheit wird auf dem Parkett deutlich, denn dort geht es alles andere als ruhig zu. "Wir jubeln und schreien und pushen uns so gegenseitig zu Höchstleistung", berichtet die junge Frau, die hofft, auch diese Saison ohne größere Patzer zu überstehen. Dass man mal in einem anderen Kleid hängen bleibt oder wegrutscht, kommt schon vor. "Da erschrickt man sich kurz, aber es ist nicht dramatisch. Das Schlimmste wäre, in Ohnmacht zu fallen und vom Parkett geschleift werden zu müssen, während die anderen weitertanzen." Das ist zum Glück nicht sehr wahrscheinlich, aber selbst wenn, gilt: Immer schön lächeln.