Es gibt Menschen, die wählen ihr Urlaubsziel danach aus, ob es ihnen gefällt. Und wenn es ihnen gefällt, wird hingefahren. "Mach´ doch einmal Urlaub vom Laufen!", meint die Läuferfrau. "Wer läuft, braucht doch auch Ruhepausen", will sie mich locken. Doch so leicht kriegt sie mich nicht. Ich muss erst das Höhenprofil unseres Urlaubsorts Seeboden abchecken.

Und außerdem: Wie sieht dort eigentlich die Bodenbeschaffenheit von Wald- und Feldwegen aus? Auch die Bisshäufigkeit der örtlichen Hunde ist zu beachten. Und wie steht es mit dem öffentlichen Personennahverkehr? Es gilt, den Rückholservice für den langen Lauf zu bedenken. Toll wäre natürlich, wenn es noch eine Laufveranstaltung in der Nähe gäbe. Ein "Run over the Mountain" oder ein "Drei-Täler-Lauf" wären nicht schlecht. Ich googel: Aha, da haben wir es ja.
Der Kirschblüten-Lauf in Krumpendorf wäre doch ideal.

Die Laufschuhe kommen somit immer in unseren Urlaubskoffer. Flugreisen fallen allein wegen der Gepäckbeschränkung aus. Was bleibt dann noch übrig? Mit dem Kombi zu den Ösis! Der Kombi hat den Vorteil, dass meine sieben Paar Laufschuhe locker rein passen. Ich muss mich auch nicht zwischen meinen Berglaufschuhen und der Spiegelreflex entscheiden. Beides geht mit. Und das ein oder andere Laufaccessoire darf auch nicht fehlen. Natürlich gehören verschiedene Laufdevotionalien dazu.

Das Rennsteiglauf-Finisher-Shirt wird mich in den Bergen als erfahrenen Bergläufer outen. Das Tour-de-Tirol-Shirt beeindruckt auf stark frequentierten Wegen. Ruckzuck ist der Koffer voll. "Schatz, was nimmst du fürs Konzert am See mit?" Auweia, ein paar Freizeitklamotten brauche ich auch. Doch mein Koffer ist schon mit den Laufsachen voll. Umpacken kommt nicht infrage.

Die Anfahrt verläuft problemlos. Keine Wartezeit an der Grenze und der Tauerntunnel ist frei befahrbar. Vor Ort könnte es gleich mit dem Laufen losgehen, aber es beginnt das Auspacken. Danach hält mich nichts mehr. Ab in die Laufschuhe und los! Wäre da nicht das Problem des unbekannten Geländes. Die Anschubhilfe des Läufersohns, "Lauf' doch einfach drauf los, Papa!", löst die Anspannung auch nicht.

Expeditionen ins Ungewisse sollten sorgfältig geplant werden. Allzu oft stellen sich unüberwindbare Hindernisse in den Weg. Labyrinthähnliche Steinmauern, erboste Bauern oder wilde Hunderudel. Sondierungsgespräche mit Einheimischen, ausführliches Kartenmaterial sowie ausgiebige Internetrecherchen können hier das Schlimmste verhindern. So wird der Urlaubslauf mitten in einem fremden Land zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Am Besten frühmorgens, wenn noch keine Touris unterwegs sind. Der Querläufer genießt die Stille der Natur auf einsamen Pfaden. Hinterher wandert er mit seiner besseren Hälfte die neu entdeckten Wege gemeinsam ab. Schöner kann Urlaub nicht sein. Die Läuferfrau ist da anderer Meinung, hält sie mir doch ständig vor, dass ich Bergwandern mit Crosslaufen verwechsle. Okay, ich gebe zu: Mein "Garmin" ist auch hier dabei. Die Seeumrundung am Ossiacher-See-Trail zum Beispiel. Am Beginn des Trails wird der "Garmin" abgedrückt. Pausen werden so dokumentiert.

Die Gehzeit auf den Wegtafeln darf auf keinen Fall überschritten werden. Wunderbar, es gibt auch eine Verpflegungsstation. Hier ließe sich einiges an Zeit herausholen, wenn mir die Sennerin im Vorbeihasten einen Becher frisch gemolkene Milch und ein Stück selbst gemachten Käse reichen würde. Aber die Läuferfamilie bremst mich aus. Es kommt zu einem Sitzstreik, denn auf dieser Hütte gibt es laut Geheimtipp den besten Kaiserschmarrn in der Umgebung. Guten Appetit!

Run happy and smile!
Euer Querläufer