Führungsspieler, Kapitän, Fan-Liebling, Legende. Abgesehen von einem Mini-Gastspiel bei den Rostock Piranhas (2007) hat Daniel Sikorski seit 2003 ausnahmslos das Trikot der Alligators getragen und wurde im Lauf der Jahre zu einer Institution beim Höchstadter EC, die sich auch als Jugendcoach, Trainer der 1b oder in den Sommermonaten bei den Gaylords, dem Skaterhockey-Team der Aischgründer, engagierte.

Damit ist jetzt Schluss, der 39-Jährige hängt sein Trikot an den Nagel oder - wie es sich für HEC-Legenden gehört - unters Hallendach, wo sich schon eine Handvoll weiterer klangvoller Namen verewigt hat. Doch keiner von ihnen kann Sikorski das Wasser reichen, selbst Thomas Schmidhuber - bis vor wenigen Monaten mit 468 Einsätzen noch Rekordspieler in der 24-jährigen Vereinsgeschichte - hat es nicht so lange beim HEC ausgehalten wie Sikorski.

14 Spielzeiten begleitete der im Eishockey-Mekka Weißwasser aufgewachsene und ausgebildete Verteidiger die Aischgründer, machte viele Höhen und Tiefen mit. Als Neu-Alligator gelang dem Sachsen mit dem Team 2004 der Klassenerhalt in der Oberliga, obwohl es in der gleichen Saison unter anderem eine 0:10-Klatsche in Sikorskis alter Heimat Weißwasser setzte. Der Schock folgte im Jahr darauf: Der HEC konnte sich kein Profi-Team mehr leisten, und um dem finanziellen Ruin und dem Absturz in die unterste Spielklasse zu entgehen, zog der Klub sein Team aus dem laufenden Spielbetrieb zurück.

In der Bayernliga klappte dann wieder alles wie am Schnürchen: Die Alligators holten Rang 1 in der Hauptrunde und nach der erfolgreichen Play-off-Finalserie gegen Waldkraiburg den bayerischen Meistertitel. "Das Jahr hat Spaß gemacht. Wir waren ein funktionierendes Team und es hat einfach alles gepasst."


Fünf Jahre lang nur bergauf

Eine Einschätzung, die sich eins zu eins auf die Ära Daniel Jun übertragen lässt, die nach einer grässlichen Saison mit vielen Verletzten, zwei Trainerwechseln, zwischenmenschlichen Differenzen und dem Abstieg in die Landeliga im Sommer 2011 eingeläutet wurde. "In den bislang fünf Jahren ging es stetig bergauf. Es in so kurzer Zeit von der Landesliga bis in die Oberliga zu bringen und dazu noch zweimal hintereinander im Finale um die bayerische Meisterschaft zu stehen, muss man erstmal schaffen", sagt Sikorski, für den sich mit der Rückkehr in die Oberliga ein Kreis schloss. "Es war toll, noch einmal da oben zu spielen. Und obwohl wir den Klassenerhalt nicht geschafft haben, glaube ich, dass wir besser zurecht kamen als vor zwölf Jahren." Es sei laut Sikorski zwar schwer, die Oberliga von damals mit der von heute zu vergleichen, "aber damals sind wir nach Bremerhaven gefahren, haben zehn Tore kassiert und sind wieder heimgefahren. Das ist uns heuer in der Form nicht passiert."

Nach dem knapp verpassten direkten Klassenerhalt und dem tollen Auftreten in der Gruppenphase der Verzahnungsrunde sei das Team guten Mutes gewesen, nicht nur den Absteig zu vermeiden, sondern im dritten Anlauf auch bayerischer Meister zu werden. "Doch das Viertelfinale gegen Miesbach war einfach nicht unsere Serie. Im Endeffekt war die Situation eine ähnliche, wie in den vergangenen beiden Spielzeiten, als wir knapp an der bayerischen Meisterschaft vorbeigeschrammt sind. Wenn du es sportlich nicht schaffst, dann hast du es auch nicht
verdient", betont Sikorski.

Aber der HEC habe ein junges Team, in dem viele Spieler zum ersten Mal überhaupt Oberliga spielten. "Die Jungs werden wieder ihre Chance bekommen, heuer haben sie wertvolle Erfahrungen gesammelt", sagt der Ex-Kapitän, der den Alligators natürlich eine baldige Rückkehr in die Oberliga wünscht.
Aber das muss dann ohne ihn klappen. Nach 476 Spielen, 211 Toren, 278 Vorlagen, 489 Scorerpunkten und 514 Strafminuten sagt Sikorski leise servus. Zu viel Aufhebens um sein Karriereende will der 39-Jährige nicht machen, sagt lapidar: "Ich habe das Alter erreicht." Das allein sei es zwar nicht gewesen, doch sein Abschied habe nichts mit dem Verein, den Teamkameraden oder dem bitteren Saisonaus zu tun.


Urlaub im Dezember

Sikorski freut sich auf eine ausgedehnte Sommerpause, Zeit zum Angeln und "vielleicht auch endlich einmal eine Urlaubsreise im Dezember". Dass er einfach so mit Eishockey abschließen kann, glaubt der Sachse, dessen Lebensmittelpunkt längst im Aischgrund liegt, nicht. "Der Sport wird mich immer begleiten. Und wenn es mich juckt, werde ich hobbymäßig bestimmt wieder die Schlittschuhe schnüren."


Wie geht es jetzt weiter für den HEC?

Bei der Saisonabschlussfeier des HEC war der erste Schock über das unschöne Ende der Saison überwunden. Zwar wurde klar, dass neben Daniel Sikorski auch Verteidiger Jiri Ryzuk seine aktive Karriere beenden und als Nachwuchs-Coach bei einem italienischen Klub anheuern wird. Doch viele der 250 Gäste, Vereinsbosse und Spieler sprachen an dem Abend auch über die Hoffnung, das es für die Aischgründer nach dem sportlichen Abstieg doch einen Weg geben würde, in der Oberliga zu bleiben. Das wäre im Eishockey nicht ungewöhnlich, so manches Team scheiterte schon an der Lizenzvergabe, zog aus finanziellen Gründen zurück oder verzichtete auf den Aufstieg.

Doch Stand jetzt sieht es schlecht aus für den HEC. Wie der Deutsche Eishockeybund (DEB) nach seiner Tagung am vergangenen Samstag signalisierte, ist für die Oberliga Süd ein größeres Teilnehmerfeld vorgesehen, doch davon würde wohl nur der EHV Schönheide profitieren: "Der Landesverband Sachsen kann einen Oberligateilnehmer benennen. Zunächst ist das der Meister der Regionalliga. Bei einem Aufstiegsverzicht sind die Wölfe der erste Nachrücker", erläuterte DEB-Vizepräsident Marc Hindelang. Das eigentliche Problem der Höchstadter ist die Vorgabe, dass maximal vier Teams aus dem Einzugsbereich des BEV in die Oberliga rücken dürfen. Der HEC hätte also nur eine Chance, wenn Lindau, Waldkraiburg, Memmingen oder Miesbach nicht Oberliga spielen wollen.


Entscheidung wird akzeptiert

"Das ist keine sportliche Entscheidung, sondern eine verbandspolitische. Nachvollziehen können wir sie nicht, aber wir akzeptieren sie. Dementsprechend haben wir Planungssicherheit und können uns voll auf die bevorstehende Bayernliga-Saison konzentrieren", sagt HEC-Sportvorstand Jörg Schobert. Es helfe niemandem, zu lamentieren oder in Selbstmitleid zu zerfließen. "Aus Niederlagen muss man lernen und wieder aufstehen. Wir werden analysieren, was gut war und was wir verbessern müssen. Toll, dass unsere Fans bis zum Schluss mitgegangen sind. 250 Besucher bei der Abschlussveranstaltung sagen viel darüber aus, wie die Leistung des Teams honoriert wird. Daraus werden wir Kraft und Motivation für die kommende Spielzeit ziehen", erklärt Schobert.

Das Team sei informiert, die Gespräche für die neue Saison seien unabhängig von der Ligenzugehörigkeit geführt worden. Stand Mittwoch gibt es neben Sikorski und Ryzuk keine Abgänge. Allerdings traf sich die Klubführung noch am Abend zu einer Vorstandssitzung. Neue Entwicklungen waren bei Redaktionsschluss nicht bekannt. Die Aufgabe der sportlichen Leistung, die neben Schobert weiter bei Spielertrainer Daniel Jun und Assistenzcoach Petr Kasik liegen wird, besteht nun darin, den bestehenden Kader zu halten und auf einzelnen Positionen gezielt zu verstärken. "Wir setzen alles daran, die kommende Saison erfolgreich zu gestalten", sagt Schobert.