Noch 30 Sekunden auf der Uhr, den Höchstadter Fans stockt der Atem: HEC-Spielertrainer Daniel Jun muss auf die Strafbank, der ESC Dorfen - der unbedingt gewinnen muss, um das Play-off-Halbfinale noch zu erreichen - nimmt den Goalie zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis. Doppelte Unterzahl für die Aischgründer, denen das Unentschieden dank des direkten Vergleichs das Tor zur Runde der letzten Vier öffnen würde. Die Situation irgendwie unbeschadet überstehen, beten die Alligators-Anhänger - und werden erhört. Die Schlusssirene ertönt, das Eisstadion am Kieferndorfer Weg verwandelt sich in ein Jubelmeer: "Halbfinale, Höchstadt ist dabei. Halbfinale, Höchstadt ist dabei", schallt es aus 800 Kehlen.
Bei den anderen 100 Zuschauern überwiegt Enttäuschung.

Ihre Eispiraten haben alles gegeben, um ins Halbfinale vorzupreschen, hatten die Panzerechsen im zweiten Drittel dank einer unglaublich engagierten Leistung am Rand einer Niederlage. Doch es sollte nicht sein. Die Tatsache, dass Alexander Eberl als Einziger beim anschließenden Penaltyschießen traf und dem ESC den Siegpunkt bescherte, war da nur ein sehr schwacher Trost.
Dorfens Spielertrainer Thomas Vogl war bei der Pressekonferenz noch sichtlich geknickt, sprach seiner Mannschaft und dem HEC aber ein großes Lob aus. "Das war heute ein großer Kampf. Beide Teams hätten den Einzug ins Halbfinale verdient gehabt. Am Ende hat das Glück entschieden. Aber ich sehr stolz auf meine Jungs." Vogls Gegenüber, Daniel Jun, sprach gar von einer "Sensation.

Mein persönliches Ziel war es, unter die besten sechs Mannschaften zu kommen, jetzt zählen wir zu den Top-Vier, das ist Wahnsinn", sagte der Chef-Alligators, für den der Einzug ins Halbfinale, nach all der Kritik, die sich das Team in den letzten Jahren immer wieder hat anhören müssen, eine Genugtuung sein dürfte.
Weiter geht es für den Höchstadter EC nun am Sonntag, 2. März. Für das Halbfinal-Hinspiel reisen die Aischgründer dann zum ERC Sonthofen, der die Zwischenrunden-Gruppe A dominiert hat.

Höchstadter EC - ESC Dorfen n. P. 2:3
Unaufgeregt aber absolut fokussiert starteten die Alligators und machten gleich deutlich, wer Herr im Hause ist. Daniel Jun und Co. ließen Spielzug auf Spielzug folgen, erarbeiteten sich eine Reihe guter Möglichkeiten, wollten unbedingt vorlegen.

Doch gegen Goalie Tanzer und seine gut gestaffelte Abwehr gab es zunächst kein Durchkommen. Selbst im Powerplay taten sich nicht die erhofften Lücken auf. Die Gäste aus Dorfen lauerten auf Konter, und kamen so zu zwei guten Möglichkeiten, doch Philipp Schnierstein parierte glänzend. Gegen Ende des Drittels legten die Alligators noch eine Schippe drauf: Daniel Tratz hatte eine Riesenchance, aber ein Schlittschuh fälschte die Scheibe noch ab (15.). Petr Gulda (17.) und Andre Lenk (18.) hatten kein Glück, und selbst das dritte Powerplay des HEC verpuffte. Mehr als ein Fernschuss von Jun sprang nicht heraus.
Nachdem Seitenwechsel machten die Alligators weiter Druck und endlich rappelte es in der Kiste: Über Gulda und Tomas Urban kam die Scheibe zu Martin Vojcak, der zum 1:0 einnetzte (23.). Doch der HEC hatte zuviel Kraft gelassen. Dorfen erkannte dies, spielte urplötzlich wie entfesselt, aggressiv und giftig.

Damit kam der HEC überhaupt nicht zurecht. Ein ums andere Mal brannte es nun vor Schniersteins Kasten, der Höchstadter Abwehrverbund wurde immer löchriger. In der 31. Minute war es soweit: Attenberger schob zum 1:1 ins lange Eck. Und Höchstadt konnte froh sein, dass es bis zur Pause dabei blieb, denn die Gäste machten weiter höllisch Dampf und hatten dicke Chancen.
Die nun verdiente Führung gelang den Eispiraten aber erst im Schlussdrittel: Ein Pass von hinter dem Tor landete bei Attenberger, der aus kurzer Distanz keine Mühe hatte, das 1:2 zu erzielen (43.). Höchstadt geriet unter Zugzwang und ließ in der höchst intensiven Partie mit einigen Strafzeiten die richtige Antwort folgen: Im ersten Powerplay des Drittels vergab Ryan Cornforth eine Riesenchance.

Doch die nächste Überzahl ließ nicht lang auf sich warten: Im Getümmel vor dem Tor behielt Richard Stütz die Übersicht und spitzelte den Puck zum 2:2 in die Maschen (49.). Die folgenden elf Minuten mit der oben beschriebenen, nervenzerfetzenden Schlussszene waren an Spannung nicht zu überbieten. Am Ende jubelten die Alligators, die nun den größten Erfolg der letzten fünf Jahre feiern.

Die Statistik zum Spiel
Höchstadter EC - ESC Dorfen n.P. 2:3 (0:0, 1:1, 1:1)

Höchstadter EC: Tor: Schnierstein, Glaser; Verteidigung: Stütz/Sikorski, Kaczmarek/Cornforth, Goblirsch;
Angriff: Jun/Lenk/Dzemla, Gulda/Urban/Vojcak, Tratz/Grau/Meyer

ESC Dorfen: Tor: Cesak, Tanzer; Verteidigung: Vogl, Numberger, Rauscher, Fuchs, Weberstetter, Gumplinger, Kroner; Angriff: Attenberger, Brenninger, A. Koß, Spindler, Zollo, Birk, Granberg, Weindl, Eberl, D. Koß, Findeis, Hinterwimmer

SR: Max Welz, Jakub Klima, Marlon Walter
Zuschauer: 900
Tore: 1:0 Vojcak (23.), 1:1 Attenberger (31.), 1:2 Attenberger (43.), 2:2 Stütz (49.)
Strafzeiten: 10 / 18 + 10 (Rauscher) + 10 (Attenberger) + 10 (Brenninger)