Befeuert von der Coronakrise verlieren Deutschlands Sportvereine immer mehr Mitglieder. Allein im Bayerischen Landessportverband (BLSV) ist die Zahl der Aktiven binnen eines Jahres um 1,8 Prozent gesunken - Tendenz steigend.

Eine Ausnahme bildet der Dartssport: Die Fangemeinde des Geschicklichkeitsspiels wächst stetig. Millionen Deutsche verfolgen die Darts-Weltmeisterschaft im Londoner Alexandra Palace, die in der Weihnachtszeit live in die Wohnzimmer flimmert. Der Darts-Boom spiegelt sich auch in der Zahl aktiver Spieler in Franken wider.

Kilian Stolzenberger bestätigt die positive Entwicklung: "Unsere Mitgliederzahlen steigen seit Jahren konstant. Obwohl der Ligaspielbetrieb pausieren muss, haben in diesem Jahr sechs neue Vereine gemeldet", sagt der Präsident des mittel- und oberfränkischen Dartverbands (MOFDV). Mittlerweile sind 115 Mannschaften in 42 Vereinen beim Verband angesiedelt. "Wir haben 915 aktive Sportler", sagt Stolzenberger. Beim Dartverband Nordostbayern, der neben wenigen oberfränkischen Klubs auch Vereine aus der Oberpfalz beheimatet, sind weitere 194 aktive Spieler gemeldet.

Gegründet wurde der MOFDV im Jahr 1998, der große und andauernde Wachstumsschub setzte aber erst in den vergangenen Jahren ein. Analog zu den steigenden TV-Quoten beim TV-Sender Sport1, der sämtliche große Turniere live überträgt, wuchs besonders in Franken das Interesse. "Die Vereine hier sind offen für Darts. Vielen laufen die Mitglieder weg, Darts ist eine Chance, die Jugend wieder für Vereine zu gewinnen", sagt Stolzenberger.

"Die Einstiegshürden sind gering"

Für ihn ist die Entwicklung nicht überraschend - und nicht nur auf die vielen TV-Übertragungen zurückzuführen: "Der Unterschied zu vielen anderen Sportarten liegt in den geringen Einstiegshürden und der großen Einstiegsmotivation. Eine Dartscheibe und Pfeile kosten zusammen keine 100 Euro. Wer einen Pfeil halten kann und zu Hause etwas Platz an der Wand hat, kann mitmachen."

Zudem werden Zuschauer leicht vom Darts-Fieber angesteckt. Denn anders als beim Basketball, Fußball und Eiskunstlauf müsse man weniger Fachwissen mitbringen, um das Spiel zu verstehen. "Die Ergebnisse sind für jeden sichtbar und verständlich. Es gibt kein Taktieren. Jeder sieht, ob der Pfeil gut war oder nicht", sagt Stolzenberger.

Von alten Gepflogenheiten lösen

Die positive Entwicklung müsse der Sport nutzen, findet Stolzenberger: "Der Ruf als Kneipensport mit Alkohol hängt uns nach - weil es teilweise noch Realität ist. Das macht es nicht einfacher, Kinder und Jugendliche für diesen Sport zu begeistern. Für uns geht es darum, der gewachsenen Geschichte ein Stück weit zu entkommen." Um den Vereinen zu helfen, organisieren die Verbände Trainerlehrgänge, investieren in Nachwuchsturniere und Schnupperkurse.

Heroldsbach/Thurn als Vorbild

Doch auch die Vereine sind gefordert. Ein positives Beispiel ist die Dartsabteilung der SpVgg Heroldsbach/Thurn (Kreis Forchheim), die eine eigene Jugendgruppe hat. "Bei uns spielen acht Kinder zwischen neun und elf Jahren Darts, jeden Freitag wird trainiert", erklärt Abteilungsleiter Marc-Oliver Mideck. Gegründet hat er die Abteilung im Februar dieses Jahres - nachdem der Verein ihn darum gebeten hatte.

"Ich spielte bis dahin in Erlangen, war aber Mitglied in Heroldsbach. Der Klub wollte eine eigene Abteilung, die Nachfrage war da", erinnert sich Mideck. Unterstützt vom Verein bauten Mideck und seine Mitstreiter im Nebenzimmer des Sportheims ein Spiellokal. Mittlerweile hat der Verein drei Mannschaften gemeldet, die Mitgliederzahl stieg von 15 auf 25 Spieler. Und die Spiele werden auf einer Leinwand live im Schankraum übertragen. "Der Verein steht absolut hinter uns, wir wollen bald weitere Boards aufhängen", freut sich Mideck.

Etwas weiter in der Entwicklung ist Condor Lautertal: Der 1985 gegründete Dartclub spielt mit seiner ersten Mannschaft in der Bayernliga, 50 Spieler sind im Verein aktiv. "Vor acht Jahren hatten wir noch 20 Aktive, es werden stetig mehr", sagt der Vorstandsvorsitzende Andreas Nothdurft.

Im Coburger "Café Q" hat sich der Klub ein Spiellokal geschaffen, das höchsten Anforderungen entspricht.

Das müsse auf höherem Niveau Standard werden, findet Nothdurft: "Man sieht gerade bei jüngeren Spielern, dass sie Darts ernst nehmen, nichts trinken und sich konzentrieren. Wir wollen diese Spieler. Dafür müssen wir ihnen aber auch etwas bieten und das Image des Kneipenspiels hinter uns lassen."