Learn to fly - Lerne, zu fliegen. Ein Spruch, der sich wie ein roter Faden durch das Leben von Benedikt Aumeier zieht. Besonders im sportlichen Bereich musste sich der Herzogenauracher Basketballer lange Zeit durchbeißen, ehe er den Sprung in die erste Garde der Longhorns schaffte.

Heute zählt "Benni" mit seiner Körpergröße von 1,90 Metern und seinen 70 Kilogramm zwar eher zu den Fliegengewichten der Regionalliga, dennoch verdient sich der 23-jährige Aufbauspieler der Longhorns von seinem Abteilungsleiter Olaf Kaddatz-Dassler das Attribut "brillant", nicht nur wegen zuletzt starker Leistungen. Als Führungsspieler ist Aumeier maßgeblich daran beteiligt, dass sich sein Team derzeit frei von jeglichen Abstiegssorgen im Mittelfeld der Tabelle etabliert. Das Jungtalent ist als Spielmacher kaum noch wegzudenken.


Am vergangenen Spieltag in der Gymnasium-Sporthalle Herzogenaurach: Noch lange schimmerte der 94:86-Sieg der Longhorns über die Rattelsdorf Independents von der Anzeigetafel. Dabei hatte sich die TSH schwer getan. Trotz einer langen Führung lauerten die Gäste oftmals in Schlagdistanz. In solchen Situationen sind gut ausgebildete Führungsspieler wichtig. Und Benedikt Aumeier, der mit zehn Punkten ein glückliches Händchen hatte, erfüllte seine Leader-Rolle. Doch der Weg zu einem Aushängeschild des Herzogenauracher Basketballs war für den gebürtigen Fürther mit Hindernissen verbunden.

Ein großer Ballsportfan

Schon mit vier Jahren griff Benni zum Ball und folgte seinem Vater Rainer ins Training - damals jedoch im Handball. Doch schnell änderten sich die Pläne: Mit Schulfreunden stieg Benedikt ins Basketballtraining ein und wechselte die Abteilung. Ein Schritt, den er nicht bereut, obwohl er sich der anderen Sportart noch verbunden fühlt: "Beim Handball liegt die Ästhetik mehr in der Kraft, während beim Basketballwurf ein eleganter, technischer Grundablauf wichtiger ist. Aber ich bin allgemein ein großer Fan von Ballsportarten."

Der quirlige Aumeier durchlief sämtliche Jugendmannschaften der Herzo-Baskets und schaffte den Sprung zu den "Franken-Hexern", ein Nürnberger Auswahlteam. Mit Glück kam Benedikt in eine talentierte TS-Jugendmannschaft, die durch anspruchsvolle Trainer auch gefördert wurde. Zusammen mit Sebastian Schiele bekleidete er schon in der Jugend die Position des Aufbauspielers, die er bis heute inne hat. Allerdings hatte Aumeier lange mit einem Handicap zu kämpfen: seiner Körpergröße. "Ich zählte eigentlich immer zu den Kleinsten. Deswegen habe ich mich lange Zeit auch sehr schwer getan und oft nur wenig Spielzeiten bekommen." Denn bei Duellen mit viel Körperkontakt habe er noch heute oft Schwierigkeiten, sich gegen robustere Gegenspieler konsequent durchzusetzen.

Deshalb und wegen seiner drahtigen Figur verliehen ihm seine Teamkollegen den lieb gemeinten Spitznamen "Zahnstocher". Im Training legt Aumeier sein Hauptaugenmerk auf Schnelligkeit. Daher gelingt es ihm immer wieder, seinen Kontrahenten durch quirlige Körpertäuschungen davonzueilen und jede noch so kleine Lücke in der gegnerischen Defense zu nutzen.

Auch an seinem Wurf hat Benedikt gearbeitet. So verbringt der Lehramtsstudent seine Freistunden regelmäßig in der Sporthalle der Uni. Diesen Fortschritt attestiert ihm auch Abteilungsleiter Kaddatz-Dassler: "Bennis Stärken sind unbändiger Wille, Ballsicherheit und ein stark verbesserter Wurf." Arbeiten müsse er hingegen noch etwas an seiner "Coolness" in hitzigen Spielphasen.

Kaum Zeit für die Musik

Neben drei wöchentlichen Trainingseinheiten mit dem Team und den freiwilligen Wurfübungen absolviert "Zahnstocher" zusätzliche Einheiten im Kraftraum. Dieser Aufwand lohnt sich, fordert aber auch Opfer. So bleibt weniger Zeit für Benedikts zweite Leidenschaft, die Musik. Schon seit etlichen Jahren spielt er Gitarre und Klavier, brachte 2010 sogar eine Solo-Gesangsplatte raus und veranstaltet manchmal kleinere Konzerte.
In erster Linie verfolgt Aumeier aber hohe sportliche Ziele: Er möchte sich mit den Longhorns im oberen Drittel der Regionalliga etablieren und irgendwann den Sprung in die "ProB" schaffen. Eine anspruchsvolle Liga, die noch mehr Aufwand fordert. "Ich habe in meinem ersten Jahr bei den Longhorns kaum gespielt, und wenn, dann nur sehr schlecht. Aber ich habe mich durchgebissen. In der Zeit habe ich gelernt, dass man sich, wenn man was erreichen will, durch nichts davon abbringen lassen darf. Genau das bedeutet für mich ,Learn to fly'", erzählt der Spielgestalter und deutet auf seinen Oberarm, wo sein Motto als Tattoo verewigt ist.