Was für ein Saisonverlauf: Das ausgegebene Ziel, den direkten Wiederaufstieg in die Kreisliga, verpasst. Dann, weil der TV Erlangen IV am letzten Spieltag noch eine unerwartete Niederlage einstecken musste, als bester Tabellendritter der drei Kreisklassen doch noch in die Relegation gerutscht - und am TC Höchstadt gescheitert. Das Schicksal der Volleyball-Frauen der TSG Weisendorf schien besiegelt. Doch wie es der Zufall will, wird durch Verschiebungen in anderen Ligen doch noch ein Platz in der Kreisliga frei. Und der geht, dank der insgesamt starken sportlichen Leistung, nach Weisendorf.

Auf Umwegen aufgestiegen

Auf Umwegen hat das Team von Jürgen Strässer ihr Vorhaben doch noch realisiert. "Es wäre natürlich schöner gewesen, das auf sportlichem Weg zu schaffen", sagt Mittelangreiferin Anna Eigen. Die 24-Jährige hätte es aber auch nicht schlimm gefunden, noch ein weiteres Jahr in der Kreisklasse zu spielen. "Sportlich und spielerisch war die abgelaufene Saison eine der besten, die wir je hatten." Die Umstellung auf Libero habe den TSG-Mädels Sicherheit gebracht, und aufgrund der Leistungsdichte in der Liga sei das Abschneiden der Mannschaft mit Rang 3 auch sehr gut gewesen. "Die Kreisklasse war niveauvoller als 2011, als wir fast ohne Gegenwehr Meister geworden sind", erklärt Anna, die den Klassenerhalt in der Kreisliga für machbar hält.

Der wäre auch im vergangenen Jahr möglich gewesen. "Aber wir haben uns einfach ein bisschen dämlich angestellt. Nach dem Aufstieg mussten wir erst mal wieder lernen, was es heißt, zu verlieren", erinnert sich die Bankkaufrau. Und Niederlagen gab es reichlich. Nicht ein einziges Spiel entschieden die Weisendorferinnen für sich. Zwar bekamen sie am grünen Tisch noch einen Sieg zugesprochen, doch das war zu wenig, um den freien Fall zurück in die Kreisklasse zu stoppen.

Alles Mögliche ausprobiert

Auf ein Neues heißt es deshalb ab Herbst, und Anna Eigen freut sich auf die Herausforderung - ein Leben ohne Volleyball kann sich die junge Frau eh‘ nicht vorstellen. Als Kind und Jugendliche hat sie alles Mögliche ausprobiert - Reiten, Schwimmen, Gardetanz, Kickboxen und Tennis. Letzteres spielt die 24-Jährige heute noch ab und zu, die Begeisterung für alles andere legte sich schnell wieder. Nur die für Volleyball blieb, und Schuld hatte eine japanische Zeichentrick serie. "Ich habe ,Mila - Superstar‘ geliebt und die Volleyball-Szenen mit anderen Kindern auf der Straße nachgespielt", erinnert sich die gebürtige Bochumerin, die in Herzogenaurach aufgewachsen ist und vor allem die Tatsache zu schätzen weiß, dass es sich um eine Mannschaftssportart handelt.

Seit 1996 in Weisendorf

Die Möglichkeit, selbst in einem Team zu spielen, bot sich aber erst 1996, als die Familie nach Weisendorf zog. "In der dritten Klasse meldete ich mich bei der Volleyball-Abteilung des ASV an, die sich kurz darauf aus dem Hauptverein löste und eigenständig unter dem Namen TSG Weisendorf lief", berichtet die Mittelangreiferin, die sich von Anfang an auf dieser Position wohl fühlte.

Zwar musste sie oft bei den Älteren mitspielen, da es die Besetzung der einzelnen Altersklassen nicht anders zuließ, doch das schadete nicht. Schon mit 14 Jahren spielte sie in der A-Jugend und unter den Fittichen von Jürgen Strässer parallel auch bei den Damen, die damals gerade wieder ins Leben gerufen worden waren.
In den zehn Jahren im Erwachsenen-Bereich hat sich Anna Eigen kontinuierlich weiterentwickelt. "Sie ist sehr engagiert und absolut zuverlässig, bei ihr kann ich mir sicher sein, dass sie ihre Privattermine so legt, dass sie kein Meisterschaftsspiel verpasst", erklärt der Coach und verweist auf die Relegation, als Anna nach ihrem Thailand-Urlaub direkt vom Frankfurter Flughafen zum Spiel kam. Ihre Stärken seien sehr harte und platzierte Angriffsschläge sowie gutes Blockspiel. "Ich bin davon überzeugt, dass wir mit Anna, Veronika Leiblein und Beate Schmidt das auf der Mittelangreifer-Position am stärksten besetzte Team in der Kreisliga sein werden", betont Strässer, der hofft, dass es diesmal zum Klassenerhalt reicht.

Führungsspielerin

Der Coach bezeichnet Anna Eigen als absolute Führungsspielerin, die es versteht, ihr Team selbst von der Bank aus mitzureißen, die Kritik professionell annimmt, zweifelhafte Schiedsrichter-Entscheidung hinterfragt, den Kopf nie hängen lässt und abseits des Feldes eine echte Stimmungskanone ist. "Deshalb habe ich mich entschlossen, sie für die kommende Saison zum Mannschaftskapitän zu machen", sagt der erfahrene Trainer.

"Spaß ist das Wichtigste"

Strässer ist auch überzeugt, dass Anna eine oder zwei Klassen höher spielen könnte. Doch davon will die 24-Jährige nichts hören. "Ich würde nicht wechseln, nur um höher zu spielen. Der Spaß an der Sache ist das Wichtigste. Und den haben wir. Wir haben uns als Team gefunden und sind auch neben dem Feld eine tolle Truppe, die sehr gut harmoniert", weiß die Führungsspielerin, die unter der Führung von Jürgen Strässer mit ihrem Team noch so lange wie möglich zusammenspielen möchte.
Mit persönlichen Zielsetzungen hält sich die frisch gebackene Spielführerin zurück, muss aber nach eigener Aussage noch an der Konstanz ihrer Aufschläge feilen. Ansonsten ist sie zufrieden, wenn die einstudierten Spielzüge klappen und "ich den Ball ordentlich treffe". Und dafür wird Anna Eigen in der Kreisliga in der nächsten Saison wieder viele Gelegenheiten bekommen.

Zur Person

Geburtstag 16. Januar 1989
Geburtsort Bochum
Familienstand ledig
Wohnort Herzogenaurach
Beruf Bankkauffrau
Hobbys Tennis, früher auch Kickboxen, Beachvolleyball in den Sommermonaten
Verein TSG Weisendorf
Position Mittelangreifer
Schönster Erfolg "Der Aufstieg 2011. Der Spieltag, an dem es geklappt hat, war richtig toll."
Schlimmste Niederlage "Der direkte Wiederabstieg, vor allem, dass wir in dieser Saison kein einziges Spiel gewonnen haben."