Seit Montag haben die Geschäfte in Erlangen wieder geöffnet. Oberbürgermeister Dr. Florian Janik (SPD) beobachtet das Shopping-Treiben mit gemischten Gefühlen: Er freue sich über die Perspektiven - gleichzeitig befürchtet er steigende Corona-Zahlen, nicht zuletzt durch den Shopping-Tourismus, der viele Auswärtige in die Stadt Erlangen führt. "Es kann nicht sein, dass wir einerseits regional lockern, aber andererseits überhaupt keine Rücksicht mehr darauf nehmen, wie da der Austausch zwischen den Regionen stattfindet", sagt der Oberbürgermeister im Interview.   
 
Nach wie vor ist Erlangen die einzige Stadt im Raum Nürnberg, die ihre Geschäfte öffnen darf. Deshalb lockt das Shopping-Angebot auch viele Menschen aus den umliegenden Regionen in die Stadt, um uneingeschränkt einkaufen zu gehen. Eine Regulation würde der Oberbürgermeister befürworten, sei es durch Reisebeschränkungen, verpflichtende Tests oder eine generelle Maskenpflicht. Im Interview gibt Janik außerdem eine erste Bilanz zur Öffnung nach vielen Wochen Corona-Lockdown.  

Erlanger OB Florian Janik: Bei Regel-Verstößen keine Toleranz

inFranken.de: Die Läden in Erlangen haben ja seit Montag geöffnet. Wie sieht denn die erste Bilanz aus? 

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Janik: Zunächst ist es schön zu sehen, dass unser Handel da wieder eine Perspektive hat. Der Start hat gut funktioniert und die überwiegende Anzahl der Läden und Menschen hält sich an die Hygienekonzepte. Aber nichtsdestotrotz, es sind schon viele Menschen unterwegs. Gemessen an dem normalen Einkaufstag, wie wir ihn vor Corona kennen, ist es noch etwas weniger. Aber gemessen an dem Gefühl, wenn man da so durchläuft, ist es schon ungewöhnlich, so viele Menschen an einem Fleck zu sehen. Die Leute standen zum Teil in langen Schlangen vor den Läden und es sind auch relativ viele Besucherinnen und Besucher von auswärts gekommen, zumindest wenn man den Kennzeichen auf den größeren Parkplätzen Glauben schenken mag. Wir sind ja auch die einzige Stadt hier im Großraum, die geöffnet hat.  
 
inFranken.de: Sie sagen, die überwiegende Anzahl der Menschen hält sich an die Hygienekonzepte. Gab es Zwischenfälle?  
 
Janik: An der ein oder anderen Stelle wurden Geschäfte darauf hingewiesen, dass sie ihre Sache noch besser machen könnten. Und natürlich gibt es den ein oder anderen, der auch auf Aufforderung die Maske verweigert und ein Bußgeld kassiert hat. Da kenne ich aber auch keine Toleranz: Wenn sich jemand nicht an Regeln hält, dann kostet es halt Geld.  

Nach Öffnungen: Oberbürgermeister befürchtet steigende Corona-Zahlen

inFranken.de: Es sind, wie Sie sagen, auch viele Menschen von auswärts gekommen. Klar, in Erlangen dürfen die Geschäfte öffnen, während in den umliegenden Regionen die Inzidenzen überall bei über 50 liegen. Haben Sie denn Sorge, dass viele Menschen aus den anderen Regionen nach Erlangen kommen und das Virus sozusagen "einschleppen"?  
 
Janik: Es geht ja nicht nur um das Einschleppen. Bei der Öffnungsstrategie, für die Bayern sich jetzt entschieden hat, gibt es regionale Öffnungen, aber gleichzeitig keine Beschränkung der Bewegung zwischen den Orten. Auch Leute aus einem hohen Inzidenzbereich können zu uns kommen, und völlig ohne Einschränkungen einkaufen gehen. Das ist natürlich schlecht vor Ort, aber auch für alle anderen Regionen, wenn sich die Leute hier treffen, anstecken und das Virus weiterverbreiten.  

inFranken.de: Befürchten Sie, dass dadurch die Corona-Zahlen in Erlangen wieder steigen werden?  

Janik: Ich befürchte insgesamt, dass mit den Öffnungen die Infektionszahlen wieder steigen. Ich hoffe sehr, dass diese Strategie nicht nach hinten losgeht. Für uns alle - und jetzt nicht nur für den Handel - wäre es schwer zu ertragen, wenn wir jetzt nach wochenlangem Lockdown und dann zwei, drei kurzen Wochen der Freude wieder in der Tristesse angekommen wären. Ich meine, ich freue mich darüber, wenn es hier Perspektiven für den Handel gibt. Aber wir wollen diese Perspektiven dauerhaft erhalten und das gelingt nur, wenn sich jeder klarmacht: Es ist noch nicht die Zeit, um fröhlich durch die Stadt zu bummeln. Es ist immer noch die Zeit, vorsichtig und vernünftig zu sein, so wie es in den letzten Monaten galt, gerade in Erlangen. Wir hatten ja immer relativ niedrige Inzidenzwerte.  
 
inFranken.de: Halten Sie die unterschiedlichen Regelungen in den unterschiedlichen Regionen für sinnvoll? Es kann ja durchaus ein Problem werden, wenn wie aktuell im Raum Nürnberg nur die Stadt Erlangen ihre Geschäfte öffnen darf.  

Janik: Ich finde es richtig, dass wir regional abgestuft öffnen und dass dort, wo die Inzidenzen niedriger sind, es auch mehr Möglichkeiten gibt. Aber wenn man aus einer Region mit einer höheren Inzidenz in eine Region mit einer niedrigeren Inzidenz kommt, müsste man das mit einem Schutzkonzept verbinden.  

Generelle Maskenpflicht oder verpflichtende Tests für Besucher aus Risikogebieten

inFranken.de: Das heißt, Sie wären dafür, den Austausch zwischen den Städten zu regulieren?  

Janik: Ich glaube, das wäre in der momentanen Situation absolut sinnvoll. Zwischen Regionen mit niedrigen Inzidenzwerten ist das ja kein Problem. Aber es kann nicht sein, dass wir einerseits regional lockern, aber andererseits überhaupt keine Rücksicht mehr darauf nehmen, wie da der Austausch zwischen den Regionen stattfindet.  

inFranken.de: Wie könnte eine derartige Regulation denn aussehen?

Janik: Entweder, dass es für manche gar nicht möglich ist, beispielsweise zum Einkaufen. Und, dass es für andere Dinge mit einem Test oder einem Schutzkonzept verbunden ist. Zum Beispiel der generellen Pflicht, eine Maske zu tragen, egal wo man unterwegs ist, oder einem verpflichtenden Test. Bundesweit hat man sich dagegen entschieden - ich aber glaube, dass das noch besser wäre.  
 
inFranken.de: Würden Sie denn aktuell mit Ihrer Familie in der Erlanger Innenstadt shoppen gehen? 

Janik: Nein, im Augenblick nicht. Wenn wir was Dringendes brauchen, würde einer von uns gehen. Aber aktuell würde ich keinen Einkaufsbummel machen. Das hat nichts damit zu tun, dass ich mich in den Läden unsicher fühle, aber es ist eben nach wie vor das Gebot der Stunde, Kontakte zu reduzieren.  
 
inFranken.de: Denken Sie, dass die Geschäfte in Erlangen in den nächsten Wochen weiterhin geöffnet bleiben können? 

Janik: Ich hoffe sehr, dass es gelingt. Und es gelingt dann, wenn wir uns alle am Riemen reißen. Es geht darum, dass wir alle verantwortungsbewusst handeln und vorsichtig bleiben, Kontakte reduzieren und darauf achten, dass wir für uns und unsere Mitmenschen nicht dazu beitragen, das Virus zu verbreiten.  

Die Erlanger Arcaden verlieren unterdessen zwei langjährige Mieter. Der Center-Manager geht zudem von weiteren Ladenschließungen aus.

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