Schaeffler testet beim DTM-Rennen auf dem Nürburgring erstmals eine neuartige Nassbremse im Motorsport. Die Innovation soll wichtige Impulse für die Elektroauto-Entwicklung liefern.
Beim an diesem Wochenende stattfindenden DTM-Rennwochenende auf dem Nürburgring präsentiert der Herzogenauracher Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler erstmals öffentlich eine nasslaufende Lamellenbremse im Renneinsatz. "Die DTM ist für uns ein ideales Umfeld, um neue Technologien unter realen Extrembedingungen zu testen", erklärt Matthias Zink, Vorstand Powertrain & Chassis bei Schaeffler, in einer am Mittwoch (12. August 2026) veröffentlichten Pressemitteilung. "Mit der Lamellenbremse zeigen wir eine Lösung, die im Motorsport erstmals in dieser Form eingesetzt wird und gleichzeitig wichtige Impulse für die Serienentwicklung liefert."
Integriert ist das System in das sogenannte "Innovationstaxi" des Unternehmens - ein Audi R8 LMS GT2 - , wo es unter realen Rennbedingungen seine Praxistauglichkeit unter Beweis stellt. Wie der fränkische Konzern mitteilt, ist das Fahrzeug seit 2023 fester Bestandteil der DTM-Rennwochenenden. Es dient Schaeffler als mobile Versuchsplattform, auf der neue Technologien unter realen Bedingungen getestet und zugleich Fans wie geladenen Gästen zugänglich gemacht werden. Angesichts der anhaltenden Schwäche in der Automobilindustrie hat Schaeffler derweil seine mittelfristigen Geschäftsziele zuletzt nach unten korrigiert.
DTM: Schaeffler zeigt Nassbremse im Motorsport-Einsatz - Premiere auf Nürburgring
Das aktuelle Motorsport-Event auf dem Nürburgring (14. bis 16. August) wird für Schaeffler zur Testplattform: Vor Ort kommt erstmals die nasslaufende Lamellenbremse - kurz Nassbremse - zum Einsatz. Diese ist konzeptbedingt in die Räder der Hinterachse des Fahrzeugs integriert. Im Gegensatz zu konventionellen Scheiben- oder Trommelbremsen arbeite das System laut Angaben des Zulieferers vollständig gekapselt und in einem Ölbad. Dadurch entfielen Bremsfeinstaubemissionen vollständig. Das System arbeite zudem geräuscharm und sei auf wartungsfreien Betrieb ausgelegt.
Ein weiterer Vorteil der Kapselung laut Schaeffler: Feuchtigkeit führt nicht mehr zu Korrosion, was stabile Reibwerte und gleichbleibende Bremsleistung sicherstellt. Aktuell stehen Drehmomentverhalten und Reibwertstabilität über die Lebensdauer im Fokus der Erprobung. Die vollständige Kapselung stellt das Entwicklungsteam vor eine thermische Herausforderung: Die im Rennbetrieb entstehende Wärme muss zuverlässig abgeführt werden. Laut eigenen Angaben hat Schaeffler dafür ein Thermomanagementsystem mit hydraulischen Pumpen und Wärmetauschern entwickelt.
"Die gewonnenen Daten bilden die Grundlage für eine effiziente Beölungsstrategie zukünftiger E-Achsen mit integriertem Bremssystem", wird Andreas Wassmer, Leiter Konzeptfahrzeugentwicklung, in der Mitteilung zitiert. Das langfristige Ziel ist eine hochintegrierte Einheit aus Bremse, Aktuator und Kühlkreislauf. Ein erstes Konzeptfahrzeug wurde im Juni beim sogenannten "Automotive Symposium" in Bühl vorgestellt. Der Nürburgring-Auftritt markiert die erste Präsentation vor breitem Publikum.
Vom Motorsport in die Serienentwicklung - Relevanz für E-Autos
Besonderes Potenzial sieht Schaeffler bei Elektrofahrzeugen: Da diese beim Bremsen einen Großteil der Energie über den Elektromotor zurückgewinnen - Fachleute sprechen von Rekuperation -, kommen mechanische Bremsen seltener zum Einsatz, müssen dann aber zuverlässig funktionieren. Genau für dieses Anforderungsprofil sei die Lamellenbremse ausgelegt, erklärt der fränkische Autozulieferer.
Weitere Vorteile seien der staubfreie Betrieb zur Erfüllung der künftigen Euro-7-Norm, ein geringeres ungefedertes Gewicht für mehr Fahrkomfort sowie die Kompatibilität mit elektronisch gesteuerten Bremssystemen - einer Schlüsseltechnologie für das autonome Fahren.