Es ist eine Zeit, in der Europa am Scheideweg steht: Eurokrise, Brexit, Flüchtlingskrise und das Erstarken des Nationalismus. Wenn sich Menschen aus Herzogenaurach mit französischen Freunden aus der Partnerstadt Sainte-Luce-sur- Loire treffen, dann ist das aber das Europa, wie es sein soll.

Eine Abordnung der Parti Socialiste (PS) aus Herzogenaurachs Partnerstadt Sainte-Luce-sur-Loire traf sich auf Einladung der SPD in Herzogenaurach. Die Ortsvereinsvorsitzende Renate Schroff konnte die ehemalige Partnerschaftsbeauftragte und Freundin Marie-Paule Lizé, sowie den Sekretär des PS-Viertes von Sainte Luce, Jean Le Govic, ebenso begrüßen wie Alain Lizé, Daniel und Jacqueline Priou sowie Francois und Jocelyne Colson.


Regelmäßige Treffen

Wie Renate Schroff erzählte, bestehe die Verbindung der SPD Herzogenaurach mit der Parti Socialiste schon über viele Jahre und man treffe sich regelmäßig um sich politisch auszutauschen, denn die beiden Parteien haben ähnliche politische Ziele: "Der europäische Gedanke ist uns sehr wichtig", erklärte sie Ortsvorsitzende, was Daniel Priou kopfnickend bestätigte. Gerade nach der Wahl in Frankreich, sind Europa und seine Zukunft eines der wichtigsten Themen, des politischen Austausches. Die Parti Socialiste erwartet mit Spannung die Parlamentswahlen in Frankreich, denn das alte politische Frankreich sei mit der Präsidentschaftswahl gestorben: Konservative und Sozialisten, seit sechs Jahrzehnten immer abwechselnd an der Macht, haben es nicht mehr in das entscheidende Duell geschafft. Nach den Worten von Marie-Paule Lizé wünschen sich die Franzosen mehrheitlich eine Regierungsform, nur dann habe Europa eine Chance.

Die Mehrheit der Franzosen wünsche eine "neue Form des Regierens". "Es muss gelingen", sagte Marie-Paule Lizé, "es ist die letzte Chance für Europa". Bei den kommenden Parlamentswahlen komme allerdings erschwerend hinzu, dass die Parti Socialiste zerrütteter ist denn je, der Wahlkampf hat alte Narben und neue Wunden aufgerissen.


Erklärung mitgebracht

"Die sind völlig zerstritten", erklärte Daniel Priou und Jean Le Govic ergänzte, dass ein Teil der PS den Präsidenten unterstützen werde, andere aber würden gegen ihn sein und trotzdem wollen sie alle Reformen durchsetzen. Diese dürften, wie die Gäste feststellten, angesichts der Arbeitslosigkeit in Frankreich, einer Reform des Arbeitsrechts sowie des Flüchtlingsproblems zu einer weiteren Zerreißprobe werden.

Zum weiteren Ausbau von Europa und einem gemeinsamen Haus hat die Parti Socialiste eine gemeinsame Erklärung mit nach Herzogenaurach gebracht: "Leben wir die Partnerschaft zwischen unseren beiden Städten", heißt es da. Denn 60 Jahre nach dem Vertrag von Rom bleibt Europa fragil. Heute lebt Euro in Frieden, aber die Wahlen, sowohl in Frankreich als auch in Deutschland, zeigen wieder Spuren von Spaltung und Gewalt. Es sei nicht alles perfekt in Europa, aber die Fortschritte seien beeindruckend.

"In Herzogenaurach und Sainte Luce, über Fahnen und Hymnen hinweg, wollen wir das europäische Gefühl stärken und die Partnerschaft zwischen den Einwohnern unserer beiden Städte erlebbar machen", heißt es in der Erklärung.

Deshalb standen bei dem Treffen auch Fragen zur Ausbildung, der Wirtschaft und Kultur sowie der Bildung im Mittelpunkt der Gespräche. Renate Schroff hatte ein straffes Programm vorbereitet, dazu gehörte eine Stadtführung ebenso dazu wie die Stadtgeschichte mit einer Führung durch das Museum.