Gerade mal zwölf Jahre alt ist das Realschulgebäude in Höchstadt. Ein Prachtbau, der rund 16 Millionen Euro gekostet hat. Da würde Otto-Normal-Steuerzahler wohl nicht daran denken, dass schon jetzt eine faulende Fassade erneuert werden muss.

Auch Kreisräte sowie Landrat Alexander Tritthart (CSU) äußerten am Donnerstag im Kreisbauausschuss ihren Unmut. "Das kommt davon, wenn man einen Zweckbau unzweckmäßig baut", sagte Kreisrat Wilfried Glässer (FW). "Sehr unerfreulich", nannte Tritthart die Angelegenheit. Denn der Kreis muss 256.000 Euro ausgeben, damit die Fassade nicht noch weiter Schaden nimmt.


Sturm reißt Fassadenteile weg

Ans Licht gekommen sind die Baumängel bereits im Frühjahr 2013. Ein Sturm hatte Bleche, die auf den hölzernen Regalfassaden angebracht sind, losgerissen. Die meterlangen Metallverkleidungen wehten über das ganze Gebäude und krachten nahe der Fahrradständer herunter. Später stellte man fest: Schrauben hatten sich mit der Zeit gelockert, da sich die Bleche bei Temperaturwechseln ausdehnten und zusammenzogen.

Als man sie wieder fest schraubte, fiel auf, dass schon seit längerem Wasser in die Unterkonstruktion aus Holz eingedrungen war. Und jeder, der einen Gartenzaun hat, weiß: Wasser und Holz sind auf Dauer eine modrige Sache.

Ein Gutachter wurde eingeschaltet. Dieser erkennt eine "falsche Montage". Eine "fehlende fachgerechte Hinterlüftung" führe zur "Verrottung der Holzunterkonstruktion". Nun heißt es: Runter mit den Blechen, weg mit dem Teil der Holzkonstruktion. Dafür soll Aluminium angebracht werden. Ein Angebot der Spenglerei Frankenstein aus Oberreichenbach liegt vor.


Wer zahlt, entscheidet das Gericht

Nur: Wer muss dafür aufkommen? Eine Viertelmillion Euro ist nicht wenig, wie auch die Kreisräte feststellten. "Wir liegen im Clinch mit der Baufirma", sagt Landrat Tritthart. Bereits 2015 zog der Landkreis gegen die damals ausführende Firma, Vereinigte Holzbaubetriebe aus Memmingen, vor das Landgericht Nürnberg.

Kreisbaumeister Thomas Lux spricht von einem "sehr aufwändigen und langwierigen Verfahren", das noch läuft. Ob die Firma tatsächlich gepfuscht hat und ob sie dafür gerade stehen muss, ist noch offen. Zwar stützt das Gutachten die Sicht des Landkreises. Jedoch ist die Mängelanspruchsfrist von vier Jahren nach Abnahme des Gebäudes längst verstrichen.

Andererseits sei die falsche Verschraubung der Bleche äußerlich nicht zu erkennen gewesen und daher bei keiner Abnahme des Gebäudes aufgefallen, sagt Baumeister Lux.

Im Grunde ist es an der Realschule aber noch richtig gut gelaufen, schaut man sich den Fall des Gymnasiums in Eckental (fertig gestellt 1999) an, das zufällig auch gestern im Ausschuss auf der Tagesordnung stand.

Auch hier gibt es Feuchtigkeitsprobleme an der Fassade. Allerdings so gravierend, dass die komplette Außenhaut des Gebäudes in fünf Bauabschnitten völlig neu gemacht werden muss. Kosten für den Landkreis: voraussichtlich drei Millionen Euro. Da wirken die paar hunderttausend Euro für ein paar Bleche ja fast geschenkt.