Nach der großen Pause herrscht wieder Stille auf dem Pausenhof der Realschule Höchstadt. Die unteren Jahrgänge, die den Platz gerade noch mit Lärm erfüllten, haben sich wieder in ihre Klassenzimmer begeben. Zeit zum Konzentrieren. Schulleiter Reinhard Bum schaut auf die Uhr. "Noch fünf Minuten, dann kommen sie so langsam alle raus."

Die lange Glasfront des Gebäudes ist überall mit selbstgebastelten Postern beklebt. Fotos auf buntem Karton, ausgeschnittene Herzchen. "Laura, du schaffst es!", "Greift nach den Sternen", "Ich wünsch euch allen meeeega viel Glück!" ist dort zu lesen. Die vielen Daumen drücken Freunde und Mitschüler den 162 Zehntklässlern, die zur Zeit ihre Abschlussprüfungen absolvieren.

Faire Aufgabenstellung


Heute steht Deutsch auf dem Programm. Textgebundender Aufsatz und Erörterung. Welche Texte zu analysieren sind und welche Themen genau diskutiert werden sollen, haben auch die Lehrer vorher nicht gewusst. Aber Schulleiter Bum, selbst Deutschlehrer, ist zufrieden: "Es sind altersgemäße und faire Aufgaben heuer. Wirklich gut ist der Auszug aus dem Roman ,Mord im Gurkenbeet' von Alan Bradley. Ich habe keine Bedenken, dass es die Schüler nicht packen könnten." Allgemein handle es sich um einen guten und pflegeleichten Jahrgang. "Klar, ein paar einzelne Schwänzer, die man an den Hosenträgern ziehen muss, sind immer dabei. Aber das ist ja normal", sagt Reinhard Bum.

Geburtstagskind macht Prüfung


Es ist 12 Uhr. Im Treppenhaus regt sich was. In kleinen Gruppen kommen die Schüler sichtlich geschafft die Treppe hinab ins Freie. So auch Moritz Hirschmann aus Mühlhausen und Jamina Broll aus Hemhofen. Mit Jamina gibt es in der Gruppe ein Geburtstagskind. Sie ist heute 17 geworden. Viel Zeit zum Feiern bleibt natürlich nicht, wenn man mitten in den Prüfungen steckt. Auf die Frage, ob sie in Deutsch gut sei, lächelt Jamina verschmitzt. Aus der Runde kommt sofort: "Hallo? Sie hat immer eine Zwei!" Bei Jamina ist es gut gelaufen: "Die Themen fand ich einfach. Als Erörterung habe ich eine Reportage aus der Süddeutschen Zeitung genommen. Da ging es um Kinder im Kaufrausch, also um den Konsumzwang. Neun Seiten habe ich geschrieben."

Bei Moritz drehte sich das Thema um die erneuerbaren Energien. Vor- und Nachteile abwägen, Statistiken auswerten. Beide haben den kaufmännisch-wirtschaftlichen Zweig gewählt. Sie freuen sich erstmal, dass es jetzt vorbei ist. Allerdings stehen die nächsten Prüfungen mit Englisch am nächsten Tag und Mathematik am Montag schon an.

Für David Lesnik aus Hemhofen ist Deutsch nicht so das Spezialgebiet. "Es ist schon ganz gut gelaufen. Ich habe den mathematisch-technischen Zweig. Naturwissensschaften sind schon eher mein Ding", sagt der 16-Jährige. Für die Zeit nach dem Abschluss hat er schon eine Ausbildungsstelle gefunden. Er wird Fachinformatiker bei der Telekom in Nürnberg. Er bleibe aber erstmal in Hemhofen wohnen. Auch Moritz beginnt im Herbst eine Ausbildung. Er wird Kaufmann bei Siemens. Jamina wird weiterhin die Schulbank drücken. Sie wechselt nach dem Abschluss auf das Gymnasium in Herzogenaurach.

Fast alle wissen wie´s weitergeht


Schulleiter Bum zieht eine positive Bilanz, was die Zukunft seiner Absolventen anbetrifft. "Bei uns wissen quasi alle Schüler schon, wie es ab Herbst bei ihnen weitergeht. Schaeffler und Siemens zählen natürlich zu den beliebtesten Ausbildungsbetrieben. Ungefähr ein Drittel besucht mit Fachoberschule und Gymnasium noch eine weiterführende Schule."

Noch eine Weile bleiben die Schüler auf dem Hof stehen. Schnell lösen sich die Grüppchen aber auf. Jamina, Moritz und David müssen weiterlernen. Mit den anstehenden Prüfungen ist noch viel zu tun bis zu ihrem ersehnten Abschluss.