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Adelsdorf
Gemeinderat

Adelsdorf: Raucherwohnung soll Büros weichen

Die Adelsdorfer Räte besichtigten das Wasserwerk in Uttstadt, wo es von der Solaranlage bis zum Notstromaggregat mehrere Baustellen gibt.
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des Adelsdorfer Haupt- und Finanzausschusses nehmen die alte Hausmeisterwohnung des Wasserwerks in Augenschein. Britta Schnake
des Adelsdorfer Haupt- und Finanzausschusses nehmen die alte Hausmeisterwohnung des Wasserwerks in Augenschein. Britta Schnake
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Ein Ortstermin führte die Mitglieder des Adelsdorfer Haupt- und Finanzausschusses zum Wasserwerk in den Ortsteil Uttstadt. Betriebsverbundleiter Hans Schockel empfing die Gemeinderäte auf der Nordseite des Gebäudes, um das erste Sorgenkind zu präsentieren: Ein Teil des Daches ist bereits mit einer Photovoltaikanlage bestückt. "Die Nordseite des Daches ist ungenutzt", sagte er und fügte hinzu, dass man das früher so gemacht habe. Doch nun würde sich eine Anlage aufgrund der fallenden Modulpreise auch auf der Nordseite rentieren. "In sechs Jahren würde sich die Anlage amortisieren", erklärte Schockel.

Ein Problem könne jedoch sein, dass das Dach bereits 50 Jahre auf dem Buckel hat und erst überprüft werden müsste. "Wenn etwas repariert werden muss, dann unabhängig von Photovoltaik." Mit der Anlage ließen sich 15 000 Kilowattstunden pro Jahr erzielen. Bei einem Verbrauch des Wasserwerks von 300 000 kWh/Jahr könnten so vier Prozent des Bedarfs selbst erzeugt werden. "Auf allen kommunalen Dächern haben wir solche Anlagen", bekräftigte Bürgermeister Karsten Fischkal von den Freien Wählern. Auch Uwe Pöschl (CSU) unterstützte die Prüfung. Zudem wurde der Beschluss gefasst, der in Adelsdorf ansässigen Firma Sunset den Auftrag für die Bestückung mit Modulen zu Kosten von 30 182 Euro zu erteilen.

Dann landeten die Räte in der leerstehenden, ehemaligen Hausmeisterwohnung. Angedacht ist, diese in Büro-, Besprechungs- und Sozialräume umzuwandeln. Momentan teilen sich die fünf Mitarbeiter des Wasserwerks ein Büro unter dem Dach. "Man merkt am Geruch, dass es eine Raucherwohnung war", sagte Schockel. Die Wand zwischen Bad und Küche wurde bereits eingerissen, um Platz für Toiletten zu schaffen.

Zur Debatte steht die Sanierung der Wohnung mit der Gefahr, in sechs oder sieben Jahren erneut tätig werden zu müssen. Oder gleich etwas mehr Geld hineinzustecken, sprich, den Bereich neu zu bauen, so dass er alle Belange der Wasserwerktechnik beinhaltet. Allein schon die brandschutztechnischen Anforderungen kämen bei einer Sanierung nicht gerade billig. "Eine Gegenüberstellung der Kosten wäre nötig", erklärte Fischkal und erhielt Zustimmung von Pöschl. Der Geschäftsleiter der Gemeinde Adelsdorf, Wolfgang Mößlein, gab zu bedenken, dass sich bei einem Neubau der eine oder andere Fördertopf auftun könnte.

Ein weiterer Punkt war der Bau einer Fahrzeughalle, stehen die Autos doch das ganze Jahr über draußen. "Das ist im Winter nicht so toll", merkte Schockel an. Das letzte Sorgenkind war das Notstromaggregat. "Vor 50 Jahren war das der neueste Stand", verdeutlichte der Bürgermeister. Schockel sagte, dass das Aggregat nicht von einer Person allein hochgefahren werden könne. Mößlein fasste zusammen: "Wir bitten, ein Angebot einzuholen." 50 Jahre gehen halt auch an einem Wasserwerk nicht spurlos vorüber.

Schwimmhalle soll nachhaltig saniert werden

Die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses war am Mittwochabend in der Aischgrundhalle mit einem Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen gestartet, in dem um die Beteiligung der Gemeinde an der Kampagne "Fairtrade-Towns" ersucht wurde. "Das wäre eine schöne Ergänzung zu unserer Klimaoffensive", erklärte Fraktionssprecher Michael Auer. Es gehe um fairen Handel. Viele der Kriterien, die gefordert sind, erfülle Adelsdorf bereits, wenn man sich den Einzelhandel anschaue.

"Das sollte man gemeinsam angehen", sagte Bürgermeister Karsten Fischkal. Er schlug vor, über das Amtsblatt einen Termin festzusetzen, um ein Treffen zu vereinbaren, bei dem eine Steuerungsgruppe in Leben gerufen wird. Das Vorhandensein einer solchen stellt ein Kriterium einer Fairtrade-Town dar.

Als harter - und teurer - Brocken entpuppte sich der nächste Punkt auf der Tagesordnung: die Sanierung der Schwimmhalle. Schäden an der Konstruktion des Zwischendachs machten eine Schließung der Halle erforderlich. Als Sebastian Berger vom technischen Bauamt genauer auf das Thema einging, merkte man, wie sehr ihm die Schwimmhalle am Herzen liegt. "In Gesprächen mit der Schulleitung wurde betont, wie wichtig sie für die Schule ist", sagte er. "Wir sind umgeben von Weihern und Flüssen. Da ist es wichtig, dass ein Kind schwimmen lernt."

Drei Varianten präsentierte Berger dem Gremium: Bei der Minimalstufe entstünden Kosten von etwa 837 000 Euro. Die nachhaltigere Sanierungsvariante würde mit knapp 1,4 Mio. Euro zu Buche schlagen. Ein Neubau käme auf gut 3,6 Mio. Euro. Berger selbst präferiert die mittlere Stufe, womit er bei Fischkal offene Türen einrannte. Die Möglichkeit einer staatlichen Förderung von gut 60 Prozent wäre eine große Erleichterung.

"Wir können die Halle natürlich auch platt machen und die Kinder woanders hinschicken", sagte Fischkal, "aber die haben keine Kapazitäten." Sein FW-Kollege Tim Scheppe forderte: "So schnell wie möglich sanieren mit der nachhaltigen Variante." Ein wenig sentimental wurde Uwe Pöschl (CSU): "Viele von uns, die hier sitzen, haben dort schwimmen gelernt." Sein Parteifreund Nico Kauper hätte gerne eine vierte Variante gesehen, die zwischen der minimalen und der nachhaltigen liegen soll. "Wenn wir das Mittelmaß machen, bekommen wir das nicht so gefördert", entgegnete der Bürgermeister und ergänzte: "Das fällt uns in drei bis vier Jahren auf die Füße."

Ralf Olmesdahl (ABWI) bemängelte den zeitlichen Ablauf: "Anfang Februar wurde der Schaden festgestellt und erst im März ist was passiert." Fischkal erläuterte, dass man anfangs davon ausgegangen war, dass von Kindern hinaufgeworfene Gegenstände zur Verformung der Decke geführt hätten. Berger sprang ihm zur Seite: Erst beim Öffnen des Walmdaches sei der Schaden erkannt worden.

Letztlich beschloss das Gremium, einen Arbeitsauftrag zu erteilen, bei dem die nachhaltigere Variante präferiert und der Regierung als Alternative die Minimalform vorgelegt wird. Erst danach könne entschieden werden, ob Adelsdorf in den Genuss der Förderung kommt. Im kommenden Schuljahr werden die Kinder wohl ohne Schwimmunterricht auskommen müssen. "In diesen sauren Apfel müssen wir beißen", sagte Fischkal.

"Adelsdorf hat hochwertige Arbeitsplätze"

Auch die erste Sitzung des Sozialausschusses nach der Kommunalwahl fand auf ungewohntem Terrain statt: Die Mitglieder trafen sich am Mittwochabend in der nigelnagelneuen Kinderkrippe Villa Regenbogen II, die in Modulbauweise entstanden ist. Der Ort war bewusst gewählt, denn zunächst stand die Besichtigung der Krippe auf der Tagesordnung, die am 1. März den Betrieb aufgenommen hatte. "Unser neuestes Baby - im wahrsten Sinne des Wortes", scherzte Verena Haberkamm, die für die pädagogische Leitung sämtlicher Kitas sowie die Schulkindbetreuung in Adelsdorf verantwortlich zeichnet.

Den Kleinen in der Villa Regenbogen II blieben gerade mal zwei Wochen, dann war coronabedingt wieder Schluss. Momentan befinden sich zwei Kinder in der Notbetreuung, die vorhandenen 48 Plätze sind dennoch komplett vergeben. Insgesamt können in Adelsdorf 600 Kinder zwischen zwölf Monaten und dem Vorschulalter betreut werden. Die Modulbauweise der neuen Kita lobte Haberkamm: "Dass es von innen so aussieht, ist genial." Die Räume präsentieren sich hell, groß und kindgerecht.

Kurz vor dem Besuch der Gemeinderäte wurden die letzten Türen eingebaut, der großzügige Außenbereich wird laut Heike Zahnleiter, Leiterin der sozialen Dienste, in den kommenden Wochen bzw. Monaten fertiggestellt. Der Wunsch Haberkamms nach einem Streichelzoo dürfte sich wohl nicht erfüllen. Karsten Fischkal brachte als Alternative ins Spiel, mal eine Kuh vorbeizubringen.

Beim vom Bürgermeister gelobten Personal hakte Günter Münch (FW) ein: "Wir haben in den letzten Jahren einige Kitas aus dem Boden gestampft. Ich habe aber nichts von einem Personalengpass mitbekommen." Haberkamm begründete dies mit "einigen Bewerbungsmarathons", die sie absolviert habe. "Auf zwei Stellen kommen 20 bis 30 Bewerber. Das spricht für unsere Qualität", erläuterte die pädagogische Gesamtleiterin. "Adelsdorf hat hochwertige Arbeitsplätze", unterstrich Marion Bierlein (FW), die selbst als Erzieherin in der "Kita Kunterbunt" tätig ist. "In Erzieherkreisen ist Adelsdorf ein Top-Arbeitsplatz."

Seit 1. September haben Eltern die Möglichkeit, ihre Sprösslinge online in den Kitas anzumelden bzw. den Bedarf an einem Platz kundzutun. Um zu sehen, wo es bei der Koordinierung hakt, spielte Zahnleiter "Undercover Boss": "Ich habe mir probeweise ein paar Kinder zugelegt und es selbst ausprobiert", berichtete sie. "Danach wusste ich, welche Fragen auf mich zukommen würden." Ihrer Meinung nach habe sich das Programm bewährt - nicht nur wegen Corona, als ein persönlicher Kontakt nicht möglich war.

"Die ganzen Anmeldungen hätten wir anders gar nicht machen können", sagte Zahnleiter. Mehr als 200 Anfragen wurden beantwortet, in 80 Prozent der Fälle bekamen die Eltern den Wunschkindergarten. Positiver Nebeneffekt: Die manchmal nicht einfachen Namen der Kinder erscheinen nun korrekt im System. "Die Eltern geben die Namen selbst ein", erläuterte Zahnleiter. Die Verwechslung von Vor- und Nachname sei somit nahezu ausgeschlossen. "Datenschutzkonform ist es auch, da sich die Eltern einloggen müssen", erklärte die Leiterin der sozialen Dienste. Johannes Funke (FW) bemängelte lediglich die fehlende Zwischenspeicherung des Systems.

Kerstin Auer (Grüne) nutzte die Gelegenheit, sich nach dem geplanten Familienstützpunkt zu erkundigen, der in Kooperation mit der Caritas Mitte des Jahres starten sollte. Angedacht ist eine Anlaufstelle bei Fragen und Problemen rund um die Familie, finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten und Hilfe bei der Betreuung von Senioren. "Aufgrund von Corona kann dieses Angebot erst am 1. Januar 2021 starten", erklärte Fischkal, "das sei mit der Caritas abgestimmt worden."bs