"Das sollte man gemeinsam angehen", sagte Bürgermeister Karsten Fischkal. Er schlug vor, über das Amtsblatt einen Termin festzusetzen, um ein Treffen zu vereinbaren, bei dem eine Steuerungsgruppe in Leben gerufen wird. Das Vorhandensein einer solchen stellt ein Kriterium einer Fairtrade-Town dar.
Als harter - und teurer - Brocken entpuppte sich der nächste Punkt auf der Tagesordnung: die Sanierung der Schwimmhalle. Schäden an der Konstruktion des Zwischendachs machten eine Schließung der Halle erforderlich. Als Sebastian Berger vom technischen Bauamt genauer auf das Thema einging, merkte man, wie sehr ihm die Schwimmhalle am Herzen liegt. "In Gesprächen mit der Schulleitung wurde betont, wie wichtig sie für die Schule ist", sagte er. "Wir sind umgeben von Weihern und Flüssen. Da ist es wichtig, dass ein Kind schwimmen lernt."
Drei Varianten präsentierte Berger dem Gremium: Bei der Minimalstufe entstünden Kosten von etwa 837 000 Euro. Die nachhaltigere Sanierungsvariante würde mit knapp 1,4 Mio. Euro zu Buche schlagen. Ein Neubau käme auf gut 3,6 Mio. Euro. Berger selbst präferiert die mittlere Stufe, womit er bei Fischkal offene Türen einrannte. Die Möglichkeit einer staatlichen Förderung von gut 60 Prozent wäre eine große Erleichterung.
"Wir können die Halle natürlich auch platt machen und die Kinder woanders hinschicken", sagte Fischkal, "aber die haben keine Kapazitäten." Sein FW-Kollege Tim Scheppe forderte: "So schnell wie möglich sanieren mit der nachhaltigen Variante." Ein wenig sentimental wurde Uwe Pöschl (CSU): "Viele von uns, die hier sitzen, haben dort schwimmen gelernt." Sein Parteifreund Nico Kauper hätte gerne eine vierte Variante gesehen, die zwischen der minimalen und der nachhaltigen liegen soll. "Wenn wir das Mittelmaß machen, bekommen wir das nicht so gefördert", entgegnete der Bürgermeister und ergänzte: "Das fällt uns in drei bis vier Jahren auf die Füße."
Ralf Olmesdahl (ABWI) bemängelte den zeitlichen Ablauf: "Anfang Februar wurde der Schaden festgestellt und erst im März ist was passiert." Fischkal erläuterte, dass man anfangs davon ausgegangen war, dass von Kindern hinaufgeworfene Gegenstände zur Verformung der Decke geführt hätten. Berger sprang ihm zur Seite: Erst beim Öffnen des Walmdaches sei der Schaden erkannt worden.
Letztlich beschloss das Gremium, einen Arbeitsauftrag zu erteilen, bei dem die nachhaltigere Variante präferiert und der Regierung als Alternative die Minimalform vorgelegt wird. Erst danach könne entschieden werden, ob Adelsdorf in den Genuss der Förderung kommt. Im kommenden Schuljahr werden die Kinder wohl ohne Schwimmunterricht auskommen müssen. "In diesen sauren Apfel müssen wir beißen", sagte Fischkal.
"Adelsdorf hat hochwertige Arbeitsplätze"
Auch die erste Sitzung des Sozialausschusses nach der Kommunalwahl fand auf ungewohntem Terrain statt: Die Mitglieder trafen sich am Mittwochabend in der nigelnagelneuen Kinderkrippe Villa Regenbogen II, die in Modulbauweise entstanden ist. Der Ort war bewusst gewählt, denn zunächst stand die Besichtigung der Krippe auf der Tagesordnung, die am 1. März den Betrieb aufgenommen hatte. "Unser neuestes Baby - im wahrsten Sinne des Wortes", scherzte Verena Haberkamm, die für die pädagogische Leitung sämtlicher Kitas sowie die Schulkindbetreuung in Adelsdorf verantwortlich zeichnet.
Den Kleinen in der Villa Regenbogen II blieben gerade mal zwei Wochen, dann war coronabedingt wieder Schluss. Momentan befinden sich zwei Kinder in der Notbetreuung, die vorhandenen 48 Plätze sind dennoch komplett vergeben. Insgesamt können in Adelsdorf 600 Kinder zwischen zwölf Monaten und dem Vorschulalter betreut werden. Die Modulbauweise der neuen Kita lobte Haberkamm: "Dass es von innen so aussieht, ist genial." Die Räume präsentieren sich hell, groß und kindgerecht.
Kurz vor dem Besuch der Gemeinderäte wurden die letzten Türen eingebaut, der großzügige Außenbereich wird laut Heike Zahnleiter, Leiterin der sozialen Dienste, in den kommenden Wochen bzw. Monaten fertiggestellt. Der Wunsch Haberkamms nach einem Streichelzoo dürfte sich wohl nicht erfüllen. Karsten Fischkal brachte als Alternative ins Spiel, mal eine Kuh vorbeizubringen.
Beim vom Bürgermeister gelobten Personal hakte Günter Münch (FW) ein: "Wir haben in den letzten Jahren einige Kitas aus dem Boden gestampft. Ich habe aber nichts von einem Personalengpass mitbekommen." Haberkamm begründete dies mit "einigen Bewerbungsmarathons", die sie absolviert habe. "Auf zwei Stellen kommen 20 bis 30 Bewerber. Das spricht für unsere Qualität", erläuterte die pädagogische Gesamtleiterin. "Adelsdorf hat hochwertige Arbeitsplätze", unterstrich Marion Bierlein (FW), die selbst als Erzieherin in der "Kita Kunterbunt" tätig ist. "In Erzieherkreisen ist Adelsdorf ein Top-Arbeitsplatz."
Seit 1. September haben Eltern die Möglichkeit, ihre Sprösslinge online in den Kitas anzumelden bzw. den Bedarf an einem Platz kundzutun. Um zu sehen, wo es bei der Koordinierung hakt, spielte Zahnleiter "Undercover Boss": "Ich habe mir probeweise ein paar Kinder zugelegt und es selbst ausprobiert", berichtete sie. "Danach wusste ich, welche Fragen auf mich zukommen würden." Ihrer Meinung nach habe sich das Programm bewährt - nicht nur wegen Corona, als ein persönlicher Kontakt nicht möglich war.
"Die ganzen Anmeldungen hätten wir anders gar nicht machen können", sagte Zahnleiter. Mehr als 200 Anfragen wurden beantwortet, in 80 Prozent der Fälle bekamen die Eltern den Wunschkindergarten. Positiver Nebeneffekt: Die manchmal nicht einfachen Namen der Kinder erscheinen nun korrekt im System. "Die Eltern geben die Namen selbst ein", erläuterte Zahnleiter. Die Verwechslung von Vor- und Nachname sei somit nahezu ausgeschlossen. "Datenschutzkonform ist es auch, da sich die Eltern einloggen müssen", erklärte die Leiterin der sozialen Dienste. Johannes Funke (FW) bemängelte lediglich die fehlende Zwischenspeicherung des Systems.
Kerstin Auer (Grüne) nutzte die Gelegenheit, sich nach dem geplanten Familienstützpunkt zu erkundigen, der in Kooperation mit der Caritas Mitte des Jahres starten sollte. Angedacht ist eine Anlaufstelle bei Fragen und Problemen rund um die Familie, finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten und Hilfe bei der Betreuung von Senioren. "Aufgrund von Corona kann dieses Angebot erst am 1. Januar 2021 starten", erklärte Fischkal, "das sei mit der Caritas abgestimmt worden."bs