Die "Radtour Sattelfest" ist mittlerweile eine regelrechte Institution in Herzogenaurach geworden. Einmal im Jahr geht es mit Vertretern des Arbeitskreises Mobilität der lokalen Agenda 21 auf Zweirädern durch die Stadt. Angefahren werden Punkte, die aus Sicht der Radfahrer nicht wirklich optimal für die Pedalisten sind.

"Es sind manchmal nur Kleinigkeiten, die es zu ändern gilt", erklärte Dietrich Boerner, der die Tour ausgearbeitet hat. Begleitet wird die Tour von Mitarbeitern der Stadt, die sich notierten, wo es aus Sicht der Radler hapert. Ebenfalls dabei: Bernd Lösch, Vertreter der Polizei, um die verkehrsrechtlichen Grundlagen zu erörtern.

Enger Zeitplan

Los ging es im Schlosshof um Punkt 15.30 Uhr. Wegen des anstehenden Wochenendes gab es bereits da den Hinweis, dass man nicht trödeln solle, um die aufgestellte Liste abarbeiten zu können.
Erster Stopp war bereits wenige Minuten nach dem Start: An der Aurach wurde auf Höhe des Schaeffler-Geländes gehalten. "Hier fehlen Schilder, die konsequent zeigen, wo es zum Beispiel nach Erlangen geht", monierte Boerner.

Die Wegweiser seien zum Teil nicht im Blickfeld, statt Haupt endorf müsse auf dem Schild Erlangen-Niederndorf stehen, damit die Radler wüssten, wo sie hinmüssen. Haariger und in der Diskussion kontrovers wurde es dann zwischen Herzogenaurach und Hauptendorf am dortigen Verbindungsweg.

Wahr oder nicht?

"Der Schleichverkehr durch Autos zerstört das Bankett", erklärte Boerner. Für Radler, die ausweichen müssen, sei das höchst gefährlich. Ausgerechnet zwei "unabhängige" Radler, die aus Hauptendorf kamen, überzeugten einen Teil der Gruppe in diesem Moment vom Gegenteil. Die mussten wegen der Satteltour-Teilnehmer über die Bankette ausweichen und demonstrierten, dass dies völlig unkompliziert und vor allem gefahrenfrei vonstatten gehe.

Nach weiteren "kleinen" Anmerkungen ging es zu einer Umlaufsperre, die wieder für diskussionsreiche Minuten sorgte. "Die ist gefährlich", sagte Boerner. "Und bremst den Radfahrer unnötig aus!"
Der Polizeivertreter Bernd Lösch erläuterte, dass diese Sperre errichtet worden sei, weil es an dieser Stelle - der Radweg quert die Beethovenstraße - zu einem Unfall zwischen Radler und Autofahrer gekommen sei. Man habe aus Sicherheitsgründen reagiert und diese Sperre eingebaut. Nun sei es nicht ganz nachvollziehbar, warum man diese Sperre wieder wegnehmen solle.

Nicht praktikabel

"Man kann doch den Radweg vorfahrtsberechtigt in Richtung Innenstadt gestalten", forderte die Sprecherin des AK Mobilität, Ursula Walther. Da waren sich die Vertreter der Stadt und einige wenige "interessierte Bürger", die die Tour begleiteten, mehrheitlich einig, dass diese Lösung nicht praktikabel sei. Letztlich gelte es, die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zu wahren.

Da mache es keinen Sinn, der "schwächeren" Teilnehmergruppe die Vorfahrt einzuräumen, nur dafür, dass sie im Falle eines Unfalls recht bekommen würden.

Noch schwerer nachzuvollziehen, waren die Ausführungen an der Ansbacher Straße. Denn da plädierte der Radexperte Boerner, dass die Radler der Sicherheit wegen lieber auf die vielbefahrene Ansbacher Straße ausweichen sollten.

Grund: Der Radweg habe ein starkes Gefälle und das führe zu hohen Geschwindigkeiten bei den Pedalisten. Diese hätten auf dem Radweg aber keine Chance, Radfahrern auszuweichen, die aus den Wohnvierteln auf diese "Radautobahn" aufführen. In dem unteren Abschnitt der Straße müsse man den Weg nicht einmal benutzten, belehrte Boerner die Teilnehmer. "Da kann nicht einmal die Polizei etwas sagen!"

Kaum Unbeteiligte

Nach knapp zwei Stunden endete die Tour durch die Stadt. Fazit: 15 Teilnehmer, die meisten davon gehörten zum Arbeitskreis oder zur Stadtverwaltung Herzogenaurach. Ein Polizist und wenige interessierte Radler begleiteten die Tour. Die ersten Mitradler gaben bereits nach sieben Minuten auf, die fühlten sich bei den Erklärungen offenbar ratlos.