Mit dem Auto unten durch gefahren sei er schon ein paar Mal, sagt Georg Hetzler. Und freut sich, dass er jetzt auch drüber gehen darf. Gemeint ist die Puma-Bridge, die die beiden Verwaltungsgebäude verbindet und hoch über die Nordumgehung führt. Der 87-Jährige zollt durchaus Anerkennung für das, was das Unternehmen mit dem Logo der Raubkatze in all den Jahrzehnten geschaffen hat. Gleichwohl er immer wieder beteuert, welch sparsamer Mensch Rudolf Dassler gewesen sei.

Georg Hetzler hat Rudolf Dassler nicht nur gekannt, er war auch ein Vertrauter des Chefs im Betrieb. Schon mit 17 Jahren zählte er zu den Gründern von Puma. Und als solcher war er nun eingeladen. Denn Firmenarchivar Helmut Fischer hat eine Ausstellung mit Fotos und Accessoires aus sieben Jahrzehnten zusammengestellt. Diese wird zurzeit 1500 Mitarbeitern aus aller Welt gezeigt, die sich zum Kollektions-Meeting in Herzogenaurach befinden.

Geburtsstunde

Am 1. Oktober 1948, so erläutert Fischer, hat Rudolf Dassler die Marke Puma beim Deutschen Patent- und Markenamt angemeldet. Das ist für das Unternehmen die Geburtsstunde. Der Eintrag ins Handelsregister erfolgte am 14. Januar 1949.

Im Dezember 1947 hatten die Mitarbeiter der Sportschuhfabrik Gebrüder Dassler erfahren, dass sich die beiden Brüder trennen. Acht Frauen und sechs Männer, darunter eben auch der junge Georg Hetzler, entschieden sich, mit Rudolf Dassler einen Neubeginn zu wagen. Am 23. Januar 1947 meldete er zunächst die Sportschuhfabrik Rudolf Dassler (Ruda) an, aus der dann Puma hervorging.

All diese sieben Jahrzehnte hat Fischer, das wandelnde Archiv von Puma, in der Ausstellung zusammengetragen, die nun zunächst intern auf der Bridge gezeigt wird. Es sei aber auch geplant, sie der Öffentlichkeit zu präsentieren.

In den vergangenen Tagen waren Stars zugegen, wie Boris Becker oder Tommie Smith und Linford Christie. Die Sprinterlegende ist auf einem großen Poster zu sehen, mit der Raubkatze als Motiv auf seinen Kontaktlinsen - ein Foto des zweifachen Olympiasiegers von 1996, das um die Welt ging. Jetzt hat Christie verraten, dass das gar kein PR-Gag von Puma gewesen sei, sagt Fischer. Das hat der Läufer sich selbst ausgedacht. Für Fischer ist das keine Überraschung, hat der schnelle Mann doch inzwischen selbst eine PR-Agentur. Auch über Tommie Smith wusste Fischer einiges zu erzählen. Der habe 1968 den so genannten Bürstenschuh (Brush Spike) bekommen, mit 68 kleinen Nägeln auf der Sohle. Dieser Schuh wurde damals verboten, weil er angeblich die Bahnen schädigen würde. Inzwischen, so Fischer, wisse man, dass der Konkurrent aus der eigenen Stadt das Verbot initiiert habe.

46 Jahre lang war Georg Hetzler in Diensten der Raubkatze. Und vor allem von Rudolf Dassler. "Er war ein guter Chef", fasst der Senior zusammen. Und er habe stets gespart. Als Dassler nach einem Kuraufenthalt in Bad Wörrishofen zurückgekommen sei, standen zwei neue Maschinen in der Halle. Dassler habe zuerst nur fünf Mark aus der Hosentasche gekramt, erinnert sich Hetzler. Ein paar Wochen später habe er die Neuerung dann trotzdem genehmigt.

Höhen und Tiefen

In viereinhalb Jahrzehnten hat der ehemalige Arbeiter "manches erlebt", wie er sagt - Höhen und Tiefen. Aber im Nachhinein betrachtet sei es eine schöne Zeit gewesen. Und als er vor dem Bild des Firmengründers steht, sagt Hetzler schmunzelnd: "Schöner wie der Adolf war er auf jeden Fall."

Und dann lauscht er aufmerksam, als Helmut Fischer ihn durch die, chronologisch gereihte Ausstellung lotst. Auch Firmenchef Björn Gulden und Finanzvorstand Michael Lämmermann gestellten sich kurz dazu. Auf einem Foto der Zwickerei aus dem ersten Pumajahr erkennt er den Helfer Fritz Hanke wieder, und am Foto des ungarischen Fußballstars Ferenc Puskas berichtet Fischer, dass die Ungarn in Puma spielen wollten, das als stalinistisches Land aber nicht durften. Und sinniert: "Wer weiß, wie das Wunder von Bern ausgegangen wäre..."

Goldener Schuh

Fischer zeigt den goldenen Schuh, den Firmenchef Rudolf selbst gefertigt hat, und den ersten Weltrekordschuh von Heinz Fütterer (1954). Er führt zu den Fußball-Legenden Pele, Maradonna und den Herzogenauracher Lothar Matthäus, den einzigen deutschen Weltfußballer, dessen ganze Familie in Diensten von Puma stand. Man sieht einen ausgetretenen Lederschuh. Fischer: "Der Lothar hat die Schuhe immer gespielt, bis sie kaputt waren." Bei einem Lederschuh habe das ziemlich lang gedauert.

Und von Usain Bolt hat der Archivar ein Exemplar des schnellsten Schuhs der Welt im Original bekommen.