Für die Höchstadter Gewerbetreibenden ist es "fünf vor zwölf". Im Kampf gegen das am Kieferndorfer Weg geplante Aischpark-Center rücken die Unternehmer näher zusammen.

Bei einer Versammlung im Gremsdorfer Gasthaus Scheubel tauschten sie sich aus und entwickelten Strategien. Tenor der Veranstaltung: Das mit einer Verkaufsfläche von 16.000 Quadratmetern geplante "riesige" Einkaufszentrum werde nicht gebraucht, ja es bedeute "das Aus" für die Geschäfte in der Innenstadt. Man könne bereits jetzt alles in Höchstadt einkaufen. Noch dazu, da in Kürze bei der Fortuna ein neues Geschäftszentrum eröffne.
Etwa 50 Geschäftsleute aus Höchstadt und Umgebung hatten sich eingefunden. Reinhold Murk, Unternehmer aus Wachenroth, wollte wissen, wie denn die Stimmung dazu im Stadtrat sei.

"Von einem Projekt dieser Größenordnung haben wir aus der Zeitung erfahren", antwortete Alexander Schulz, CSU-Stadtrat und Vorsitzender des Gewerbevereins. Einen Beschluss dazu habe es nicht gegeben. Lediglich die Grundstückskäufe seien im Gremium abgesegnet worden. Dabei sei man immer nur von einer Nahversorgung für den Osten der Stadt ausgegangen, keinesfalls von einem Zentrum dieser Dimension.


Antrag kommt vom Investor

SPD-Stadtrat Philipp Käs bestätigte das. Wobei CSU-Stadtrat Franz Rabl einwandte, dass die Antragstellung nicht von der Stadt, sondern von Arndt Zauritz, einem Investor, ausgegangen sei. Geplant sind Geschäfte für Lebensmittel, Getränke, Schuhe, Mode, Reisegepäck, Geschenkartikel, Heimtextilien, Wohnaccessoires, Betten, Sportartikel, dazu Friseur, Imbiss, Apotheke, Optik und Hörgeräte, Drogerie, ein Gartencenter, H & M, Deichmann, Tchibo und ein Elektrofachmarkt.

Derzeit laufe das Raumordnungsverfahren. Wenn die Regierung Grünes Licht gibt, müsse die Stadt entscheiden und einen Flächennutzungplan- sowie ein Bebauungsplanverfahren auf den Weg bringen. Daher sei es sinnvoll, Stadträten und Fraktionen die Meinung der Höchstadter Geschäftswelt nahezubringen.

Nur gemeinsam könne man etwas bewegen, betonte Andre Debertin, einer der Initiatoren. Man habe einen Brief verfasst, den möglichst jeder Gegner an die Regierung schicken solle. Darin heißt es, das Aischpark-Center habe eine "existenzvernichtende Wirkung" auf die kleinen Geschäfte der Stadt.

Es werde zu einer Verödung der Innenstadt führen. Die explosionsartige Schaffung neuer Verkaufsflächen stehe in keinem Verhältnis zur Zunahme der Bevölkerung und werde ein Ungleichgewicht schaffen, da die Kaufkraft fehle. Als Beispiel führte Debertin das leerstehende Atrium in Bamberg an.

Das Aischpark-Projekt stehe zudem nicht unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit der Region. Mit dem Bau würden Bodenressourcen zerstört, die für nachfolgende Generationen gebraucht werden.

Alexander Schulz erinnerte sich, dass es bereits bei der Ansiedlung von "Kaufland" geheißen habe, das werde der Innenstadt gut tun. Genau das Gegenteil sei eingetreten.

Mit dem Einkaufscenter werde der Verkehr am Kieferndorfer Weg gewaltig zunehmen. Das werde Kinder und Erholungssuchende in den Sportstätten und im Freibad belasten.

Auch die umliegenden Gemeinden sähen das Vorhaben sehr kritisch, erklärte Birgit Brückner. "Wenn die Höchstadter Stadträte nichts wissen, Neustadt weiß mehr", berichtete eine Teilnehmerin. Und Neustadt sei "voll dagegen". Noch nicht einmal das Geschäftszentrum an der Fortuna sei fertig, kritisierte CSU-Stadtrat Georg Schockel. "Mit dem Aischpark machen wir für die großen Konzerne unsere Innenstadt kaputt."

"Die brauchen nur ein paar Hausfrauen zum Einräumen der Regale. Die qualifizierten Arbeitskräfte bringen sie mit", meinte ein anderer Teilnehmer.

Alexander Schulz plädierte dafür, den Kontakt zu Bürgermeister Brehm (JL) und zu den Fraktionsvorsitzenden zu suchen. "Man muss die Politik vor den Karren spannen", hielt Franz Hünnerkopf, Prokurist des Wachenrother Unternehmens Murk, für den richtigen Weg.

Das soll auch geschehen: Die Gewerbetreibenden wollen Landtagsabgeordnetem Walter Nussel (CSU) ihre Bedenken darlegen. Außerdem soll am Samstag, 5. Dezember, ein Rundgang durch die Innenstadt mit einer Überraschungsaktion stattfinden.