Was soll ich lesen? Das ist für Gabriele Lechner, die Leiterin der Herzogenauracher Stadtbücherei, selten eine Frage.Dafür stellt sie sich immer öfter die Frage, wie soll ich es lesen. Für sich selbst, aber auch aus dem Blickwinkel der Büchereinutzer

Seit Jahren schon stellt sie Bestseller und zeitlos beliebte Bücher auch als Hörbücher in den Bestand ein: vorgelesene Langversionen ebenso wie komprimierte Hörfassungen. Oder: Die beliebte Kinder-Wissens-Buchserie "Was ist was" gibt es auch als informative Filme zu entleihen.

Längst hat sie für sich einen E-Book-Reader angeschafft und findet es sehr angenehm, auf dem kleinen Bildschirm zu lesen. Damit steht sie keineswegs allein. Weder als Privatperson noch als Büchereileiterin.
Und so ist ihr auch klar, dass der käufliche Erwerb einer Leselizenz - und um nichts anderes handelt es sich beim E-Book - kein Centbetrag ist, auch wenn er unter der Hälfte des Buchpreises liegt.

Kostenlos E-Books lesen

Aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen und Äußerungen von Büchereimitgliedern hat sich die Stadtbücherei dem Verband franken-onleihe angeschlossen. Ab September können dann die Nutzer der Herzogenauracher Bücherei von zuhause, von ihrem Computer aus, zu jeder Tages- und Nachtzeit "Bücher entleihen", sprich sich mit ihre Benutzernummer und mit einem Passwort auf der Internetseite einloggen und das gewünschte "Buch" herunterladen. Einzige Voraussetzung ist der bezahlte Büchereimitgliedsbeitrag.

Ende Juni lag der Bestand der Online-Entleihe franken-onleihe bei über 10.000. "Jeden Tag kommen neue dazu", sagt Lechner und klickt die Seite auf dem allgemein zugänglichen Übungs-PC in den Büchereiräumen an. Eine übersichtliche Maske öffnet sich. Ins Auge fallen tatsächlich einige Buchvorstellungen, über die derzeit geredet wird. "Verfügbar ab..." enden die Beiträge und weisen aktuelle Daten auf. "Welche Werke aufgenommen werden, sprechen die beteiligten Büchereien ab", erklärt Lechner. Erworben werden die Verleih-Lizenzen durch die Tochterfirma Vibib der EKZ, der Büchereieinkaufszentrale. Bezahlt wird der Verleihverbund von den teilnehmenden Büchereien. 7,5 Prozent ihres jährlichen Medienetats wenden sie dafür auf.

"Das Entleihverfahren hat große Ähnlichkeit mit dem Online-Einkauf", sagt Lechner und öffnet die Maske mit den verfügbaren "Büchern". Belletristik: 4864 erscheint; in der Kategorie Kinder sind es 1120, bei den Jugendlichen 1090, in der Spezialkategorie "Schule und Lernen" 190. Und groß ist die Auswahl an Sachbüchern: 3689 Stück. Hat man in Ruhe die Buchbeschreibung studiert oder kennt den Titel schon, verschiebt man ihn mit einem Klick in den "Warenkorb", der hier Leserkonto heißt.

Lizenz für 14 Tage

Eine halbe Stunde Entscheidungszeit hat der Nutzer dann. Das ist nützlich, vor allem, wenn Sachbücher zu einem speziellen Inhalt sucht. Acht E-Books gleichzeitig kann man entleihen. Sie können vom Nutzerkonto auf Computer, MP3-Player und E-Book-Reader heruntergeladen werden. Eine Einschränkung gibt es: Das System funktioniert nicht beim Kindle, denn der ist speziell auf Amazon-Produkte programmiert. Die "Lesezeit beträgt zwei Wochen; bei Zeitschriften und Zeitungen einen Tag.

"Einen Nachteil gibt es noch", sagt Lechner. "Es gibt keine vorzeitige Rückgabemöglichkeit." Das wäre ihrer Meinung nach besonders interessant für Leute, die zu einem bestimmten Thema recherchieren und in dem entliehenen Medium nicht das Passende gefunden haben, aber weitersuchen wollen. "Begeisterte Leser, die den Thriller online verschlungen haben, möchten ihn vielleicht deshalb auch gleich dem nächsten zur Verfügung stellen." An einer solchen individuellen Lizenzverkürzung soll gebastelt werden, weiß Lechner aber schon.