Reinhold Gehringer leitet die Dienstgruppe B. Er sitzt vor mehreren Monitoren. "Ich habe Sie schon auf dem Bildschirm gesehen", sagt er, während er den Türöffner zur Polizeiinspektion Höchstadt betätigt. Die Haustür öffnet sich. Doch auch dann steht man dem Polizisten nicht gegenüber. In der Wand des kargen Vorraums ist ein Schalter. "Mit schusssicherem Glas", erklärt er durch die Scheibe. Hat er erfahren, was der Besucher will, öffnet er die ebenfalls schusssichere - Stahltür daneben.

"Und wenn man meint, der will Böses, lassen wir ihn nicht rein", sagt Gehringer mit einem freundlichen Schmunzeln. Denn manchmal muss er die Person auch bitten, auf einem der Warteplätze vor der Stahltür zu warten, weil jemand anderer schon bei einem Sachbearbeiter am Tresen im Innenraum ist.

Zu Beginn seiner Dienstzeit gab es solche Sicherheitsschleusen noch nicht.
"Sie wurden eingeführt, nachdem in Dorfen ein Mann vier Kollegen niedergeschossen hat", weiß Gehringers Chef Jürgen Schmeißer. Er sieht den Konflikt mit der notwendigen Bürgernähe sehr wohl. Aber: "Wir haben sehr oft mit Menschen zu tun, die es mit anderen Menschen wie auch Polizisten nicht gut meinen."

"In Dorfen ging es um eine Waffensache", erinnert sich Schmeißer, "der Mann kam rein und zog seine Waffe." Ähnlich unerwartet war es auch bei dem Prozess in Dachau, bei dem ein Staatsanwalt getötet wurde. Die Justiz reagierte sofort. Bei allen Gerichten werden Besucher seither streng kontrolliert, müssen den Inhalt ihrer Taschen ausbreiten und eine Sicherheitsschleuse wie an Flughäfen passieren.

Werden nun aus den Pforten von Behörden mit offenen Türen und einer Person, bei der man Auskünfte einholen kann, auch sicherheitsverglaste, kameraüberwachte Eingangsschleusen? Das erwartet Gerhard Backert, der stellvertretende Dienststellenleiter der Höchstadter Polizei nicht. "Bei der Justiz geht es mehr um Gesetzesbrecher, bei der Verwaltung um ganz andere Dinge. Leute müssen Anträge stellen. Selbst der, der einen Waffenschein will, ist ein unbescholtener Bürger", bringt er den Unterschied auf den Punkt.

"In Amerika stehen wegen der Amokläufer vor den Schulen Sicherheitskräfte oder auch Polizisten", ergänzt Gehringer. "Das ist doch nicht zeitgemäß, höchstfalls in den USA", fährt er fort und verweist auf die Bemühungen der Polizei, keine Angst beim Bürger zu erzeugen. Deshalb machten sie in Höchstadt auch regelmäßig beim Kinderferienprogramm mit. Auch die Verkehrserziehung oder Seniorenberatung soll Vorbehalte und Hemmschwellen abbauen.

Beim Landratsamt - sowohl beim Erlanger Hauptgebäude wie auch der Außenstelle Höchstadt - wird alles so bleiben, wie es ist. Ohne Türöffner und Videoüberwachung. "Wir sind ein offenes und bürgerfreundliches Amt. Das ergibt sich aus der Natur der Sache. Die totale Sicherheit wird es nie geben", sagt dazu Landrat Eberhard Irlinger (SPD).