Folgt man dem Treibweg hinauf bis auf die Felder, öffnet sich ein weiter Blick über den Aischgrund und die Stadt. Im Vordergrund leuchten die weißen Fassaden des Neubaugebiets, während sich dahinter der historische Kirchturm erhebt und gemeinsam mit Schloss und Stadtturm an die mehr als 1000-jährige Vergangenheit Höchstadts erinnert. Doch wie soll die Zukunft aussehen?

Vision bereits auf Papier

Die Stadt hat ihre Vorstellungen dazu in einen neuen Flächennutzungsplan umgesetzt, der zwar noch nicht in Stein gemeißelt ist, aber die Vision bereits auf Papier bringt. "Wir Grünen waren entsetzt von dem Flächenfraß und dem Verlust wichtiger Naturräume, den dieser Plan mit sich bringt und wollen früh entgegensteuern", erklärt Peter Winkler, der Fraktionssprecher der Grünen im Höchstadter Stadtrat. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern seien einige Aktionen geplant, um die Bevölkerung für dieses Thema zu sensibilisieren. Den Anfang setzte am Samstag der Informationsstand auf den Feldern am Treibweg mit Vorträgen und einer anschließenden Diskussion.

Unter den Gästen waren hauptsächlich Anwohner wie Sieglinde Dresel, die in den letzten rund 30 Jahren beobachtet hat, wie Hecken und Bäume immer weiter zurückgedrängt wurden. "Darum bin ich hier. Diese Landschaft tut einfach gut - für das Auge und für die Seele - und es tut mir weh, wenn sie zerstört wird." Sie fasst damit zusammen, was die Interessengruppe bewegt: der Verlust eines Naherholungsgebiets mit weitem Panoramablick sowie wertvoller ökologischer Lebensräume. Gerade die Hecken des Steilhangs bieten einen Rückzugsort für Tiere und Pflanzen sowie Schutz vor Erosion und Wind. Sie filtern und kühlen die Luft, die dann in den Talboden und die Stadt sinkt.

Neben den geplanten Wohngebieten, die sich an beiden Seiten entlang des Treibwegs in Richtung Weingartsgraben sowie Häckersteig ausbreiten sollen, umschließt der Flächennutzungsplan unter anderem auch neue Wohn- und Industriegebiete in Höchstadt Süd an der B 470. Besonders bedauerlich sei es, dass die Weiher am Ortsausgang in Richtung Lonnerstadt mit neuen Gewerbegebieten eingefasst werden sollen. Die Grünen befürchten auch hier den Verlust wichtiger Lebensräume, beispielsweise für den seltenen Eisvogel, der dort brütet.

"Wir fordern einen Landschaftsplan mit gesicherten Naturräumen, die nicht weiter eingeschränkt, sondern gezielt gefördert werden", fasst Winkler zusammen. Bevor neue Baugebiete ausgewiesen werden, gelte es, die Stadt von innen heraus zu beleben, Wohnräume zu verdichten und generationenübergreifende Lösungen zu fördern.

Doch ist das eine ausreichende Antwort auf hunderte Bauanträgen, die der Stadt vorliegen? Wo müssen die Grenzen gesetzt werden? Wie lassen sich die Interessen der aktuellen und potenziellen neuen Anwohner, der Stadtentwicklungen und der Schutz der Natur am besten vereinbaren?

Freiraum erhalten

Christian Zwanziger (MdL, Bündnis 90/Die Grünen), der selbst in Höchstadt zur Schule gegangen ist, berichtet von Ansätzen auf bundespolitischer Ebene, wie dem Antrag seiner Partei für kommunale Flächenmanager, der jedoch seit einigen Jahren immer wieder abgewiesen wurde. Diese Fachleute könnten die vorhandenen und zukünftigen Anforderungen und Potenziale rund um Wohn- und Gewerbegebiete professionell betreuen. Sie können Ansprechpartner sein und auch direkt mit den Bürgern in Kontakt treten, wenn es zum Beispiel darum geht, Leerstände zu nutzen.

Er betont, wie wichtig es aber sei, lokal zu handeln und sich starkzumachen. "Mischt euch ein und bleibt dran", appelliert er. "Wir als Bürger müssen uns engagieren", sagt auch der Anwohner Martin Beißer. "Es ist in der öffentlichen Diskussion viel von Flächenfraß und Umweltschutz die Rede und vielleicht können wir im Kleinen etwas bewirken. Ich wünsche mir, dass uns und der Natur dieser Freiraum erhalten bleibt."