Hauptberuflich ist der 28-Jährige Fachkraft für Abwassertechnik bei der Stadt Nürnberg. Nebenbei ist er Landesgeschäftsführer der Jungen Freien Wähler in Bayern und Gemeinderat in Röttenbach. Nach der Nominierungsveranstaltung im Hotel Krebs in Röttenbach hat er sich für ein paar Fragen Zeit genommen.

FT: Was unterscheidet Sie von Ihrem Kontrahenten von der CSU? Weshalb sollte man den Kandidaten der FW wählen?
Patrick Prell: Wir stehen für einen Politikwechsel. Wir wollen die Art verändern, wie Politik gemacht wird.
Die FW bringen viele Anträge im Landtag ein, die eigentlich auch bei einigen CSU-Abgeordneten auf Unterstützung stoßen, aber von der Fraktion abgelehnt werden. Wenn man mitbekommt, dass diese dann oft sagen: "Wir würden ja gerne mitstimmen, wir dürfen aber nicht", dann muss man sagen, ist das der absolut falsche Weg. Ich glaube, wenn eine Partei zu lange die Alleinherrschaft inne hat, oder mit der FDP einen Partner hat, der eigentlich alles wahllos mitmacht, dann wird man automatisch irgendwann selbstherrlich.
Und so passieren dann Dinge wie etwa das Desaster bei der Landesbank, die dem Steuerzahler teuer zu stehen kommen. Bei den Studiengebühren geht es weiter: Die Freien Wähler stellen zusammen mit der SPD und den Grünen zur Abschaffung fünf Dringlichkeitsanträge. Alle wurden von der Regierung abgelehnt. Kurz danach geht man aber über die Presse und sagt: "Jetzt wollen wir sie doch abschaffen." Warum stimmt die CSU nicht gleich zu? Ich halte diesen Politikstil für völlig abgehoben.

Mit Axel Rogner wurde ja heute Abend zum ersten Mal auch ein Bundestagskandidat aufgestellt. Ist es Ihrer Meinung nach geglückt die FW zu einer bundesweit wahrnehmbaren Partei zu machen, auch personell?
Ich denke es ist noch schwierig im Moment. Die FW sind zwar in jedem Bundesland vorhanden, aber natürlich tun wir uns im Norden etwas schwerer. In BW und in Bayern sind die Strukturen ja über Jahre wenn nicht gar Jahrzehnte, gewachsen. Ich glaube dass es aber jeder Partei gleich schwer fällt, wenn Strukturen erst noch geschaffen werden müssen. Aber ich bin zuversichtlich. Die fünf Prozent können wir schaffen.
Eines finde ich immer sehr schade: Viele sagen, die FW hätten keine bekannten Gesichter. So ganz stimmt das ja auch nicht. Ich denke zum Beispiel an Stephan Werhahn, den Adenauer-Enkel, der bei der Weltbank gearbeitet hat und jetzt bei den FW mit im Boot ist.

Gabriele Pauli hat ja auch einen Versuch gestartet, zurück zu den Freien Wählern zu kommen. Was halten Sie davon?
Ja, Frau Pauli wollte in die Fraktion zurück. Sie hat sich ja auch schon bei den Piraten beworben. Aber ich glaube ein Mandat bei den FW hat sich erledigt. Soweit ich weiß hat sie ja das höchste Stimmergebnis für die FW gehabt. Ich glaube am Anfang hat sie sich auch gut eingebracht. Aber die Bundestagswahl wollte sie zu schnell. Dafür waren wir nicht ganz bereit.

Ihrem Parteichef Hubert Aiwanger wurde nach seiner Kritik an der Europolitik der Regierung von manchen Seiten vorgehalten, im rechten Milieu zu fischen. Was halten Sie von diesen Vorwürfen?
Die Euro-Rettungspakete ESM und EFSF haben 26 Abgeordnete der Regierungskoalition im Bundestag abgelehnt. Wolfgang Bosbach, Vorsitzender des Innenausschusses hat gesagt, erstimmt nicht zu, weil er nicht möchte, dass seine Kinder dafür aufkommen müssen. Dafür wurde er von Pofalla dann beleidigt. Ich glaube, dass viele in der Bevölkerung die Euro-Politik kritisch sehen und ich finde es richtig, dass die FW als Fraktion dagegen geklagt haben.
Ich kann nicht verstehen, dass man den FW hierbei Populismus vorwirft. Der Chef der Bundesbank, Axel Weber, ist zurückgetreten wegen der Euro-Rettungspolitik, Jürgen Stark, Chef der EZB ist zurückgetreten. Auch Jens Weidmann, der jetzige Bundesbankchef, läuft ja seit Monaten dagegen Sturm. Die Schuldenpolitik verstößt auch gegen die Maastrichter Verträge. Also ich sehe nicht, warum gerade nur den FW Populismus vorzuwerfen ist, wenn man die aktuelle Europapolitik der kritisiert.

Herrn Aiwangers Äußerungen sind also auf keinen Fall wahl- und parteitaktisch zu interpretieren?
Nein. Ich kann nicht nachvollziehen wenn jemand Hubert Aiwanger in die rechte Ecke stellen will. Wir müssen mittlerweile unsere Infoveranstaltungen und unsere öffentlichen Diskussionen gegen die Europolitik in geschlossenen Hallen machen, weil sich gewisse Spinner auch vom rechten Rand anschließen. Wir können es laut Demonstrationsrecht niemandem verbieten mitzulaufen. Aber wir wollen solche Leute nicht dabei haben. Wir lehnen das ab. Nein, Rechtspoulismus gibt es bei den FW eindeutig nicht.

Die Landesregierung war gerade in Nürnberg. Markus Söder und Horst Seehofer scheinen sich wieder vertragen zu haben. Außerdem wurde der Ausbau des Frankenschnellwegs beschlossen. Investitionen in den Kommunen Oberfrankens auch. Geht es Franken nicht total gut?
Wenn man sieht, dass es in Nürnberg eine Arbeitslosigkeit von 7,5 Prozent gibt nicht. Wenn man den Schnitt in Bayern sieht, klar, dann ist alles ganz toll. Aber in Nürnberg gibt es schon riesige Probleme. Da muss man die Struktur besser fördern. Wenn die Staatsregierung alle paar Jahre dann mal nach Nürnberg kommt um Geld bereit zu stellen, kann man nicht von einer nachhaltigen Strukturpolitik sprechen. Übrigens: Die Mittel für den Frankenschnellweg sind schon seit Jahren dringend gefordert. Ich erlebe die Pendlersituation ja am eigenen Leib. Eine unerträgliche Situation.

Die FW haben ja die Abschaffung der Studiengebühren maßgeblich vorangetrieben. Glauben Sie an einen Erfolg des Volksbegehrens?

Ja, ich bin zuversichtlich, dass es klappt. Wir müssen es schaffen, die Leute zu mobilisieren. Die Rathäuser, wo die Bürger ihre Stimme abgeben können, müssen unbedingt länger geöffnet sein. Ich sehe es hier in Röttenbach: Einmal die Woche bis 18 Uhr wird bei vielen Berufstätigen schwer werden.

Gegen die Studiengebühren sind Sie ja zusammen mit vielen anderen Parteien und Gruppierungen in einem Bündnis. Was halten Sie von Gedankenspielen einer Koalition von SPD, Grünen und FW zur Ablösungh einer CSU-Regierung?
Wir haben unser Wahlprogramm. Danach warten wir unser Ergebnis ab. Wenn wir mit Rot-grün theoretisch eine Mehrheit hätten und wir viele unserer Inhalte durchsetzen können, halte ich das für eine Option. Gäbe es zusammen mit der CSU eine rechnerische Mehrheit könnte ich mir auch das vorstellen. Allerdings müsste sich die CSU dabei noch gewaltig bewegen.

Was müsste sich bei der CSU genau ändern?
Das Wichtigste würde sein, dass man gleichberechtigter Partner ist, und nicht wie die FDP eigentlich gar nicht wahrgenommen wird. Aber ich muss sagen, bevor wir uns theoretisch in einer Koalition programmatisch zu sehr verbiegen müssten, dann sollten wir lieber in der Opposition bleiben. Daraus kann man auch wirken. Das sieht man ja schon beim Erfolg gegen die Studiengebühren.

Was hätten Sie heute gemacht, wenn Sie nicht gerade zum Landtagskandidaten nominiert worden wären?
Ich wäre zu Hause gewesen und hätte gelernt. Im Januar mache ich meine Meisterprüfung.
Jetzt im Dezember sind auch so viele Termine. Weihnachtsfeiern allerorts. Vielleicht hätte ich mich auch einfach mal auf`s Sofa gelegt und einen Film angeschaut oder mal wieder ein Buch gelesen.


Die Fragen stellte Christian Bauriedel