Derzeit bieten wieder sämtliche Modehäuser Trachten an - oder das, was viele dafür halten. Oft handelt es sich dabei jedoch um pseudo-bajuwarische Landhausmode, die oft in Fernost hergestellt und für unter 50 Euro pro Teil an die Frau bzw. den Mann gebracht wird. Das "Dirndl-Set 3-teilig" in Lila gibt es für 49,99 Euro sogar schon im Supermarkt. Dirndlbluse oder Trachtenshirt für 12,99 Euro und für den Herrn wird die "Original bayerische Trachten-Lederhose" aus echtem Ziegen-Velours-Leder mit hochwertigen, echten Beinknöpfen für 99 Euro angeboten.

Damenschneidermeisterin Monika Bürks betitelt solche Mode allerdings als "Partygewand".

"Es interessiert die Leute meist nicht, ob es traditionsbewusst ist." Was heutige Kerwa-Besucher oft nicht wissen: Das Dirndl war früher mitnichten das Festtagsgewand. Das war die Tracht.
Ein Dirndl trug die "Dirn", die Magd, und zwar als Arbeitsgewand.

Wer es sich leisten konnte, hatte auch in unserer Region für den Kirchgang und Festtage besondere Gewänder. "Gewand" ist der Begriff, der auf dem Land verwendet wurde. Nur von den Städtern wurde die bäuerliche Kleidung als "Tracht" bezeichnet. Kleidung war teuer, wurde lange getragen und wechselte daher nur von Generation zu Generation ihren Stil. In Städten wie Höchstadt oder Herzogenaurach wurde eine Tracht bereits vor dem Ersten Weltkrieg kaum mehr getragen. Selbst Hochzeiterinnen, die aus den umliegenden Dörfern etwa in der Stadt Herzogenaurach heirateten, trugen bereits um 1900 das vornehmere städtische Schwarz.

Allerdings haben sich gelegentlich Einzelstücke erhalten.

Etwa die Tracht von Barbara Großkopf aus Hammerbach, die in Frauenaurach in Stellung war. Sie wird im Museum im Amtshausschüpfla in Frauenaurach aufbewahrt und zu besonderen Anlässen von Brigitte Schieder getragen.

Eine Tracht tragen auch die Frauen des Vereins Loisachthaler in Welkenbach. Ihre Anregung holten sie sich über einen Verbindung zur Gruppe der Volkstanzfreunde Frauenaurach. Sie haben sich für eine gedeckte Variante entschieden, sie sollte nicht so auffallend sein und orientiert sich eher an der evangelischen Tracht. Die Damen haben ihre Blusen zum Teil in einem Kurs selbst genäht, zum Teil aber auch von Monika Bürks nähen lassen. Die Ergebnisse trägt die Gesangsformation aus Birgit Düthorn, Helga Geinzer, Maria Hertel und Evelyn Wein bei ihren Auftritten.

Die Musterzeichnerin und Damenschneidermeisterin Monika Bürks gründete 1990 eine Textilwerkstatt in Münchaurach. Seit 2004 befindet sich ihre Textilgestaltung in Weimersheim bei Ipsheim. Nach der Schneiderinnen-Ausbildung folgte eine Ausbildung zur geprüften Trachtenscheiderin. Als Meisterstück fertigte sie eine erneuerte fränkische Tracht an und darf sich seit 1994 Damenschneidermeisterin nennen.

Gibt es die "Party-Stücke" im Supermarkt eher günstig zu kaufen, müssen für ein Gewand von Monika Bürks hingegen 400 bis 600 Euro aufgewendet werden. Man erhält dafür aber etwas Besonderes und Anspruchsvolles.
Für die Maßarbeit sind natürlich vor allem die Maße der Kundin entscheidend. Zwei Anproben sind die Regel, Wünsche werden berücksichtigt. Bürks verwendet andere Stoffqualitäten, als die Discounter-Stücke, wobei ein gemusterter Stoff mehr kostet, als ein uni-farbener. Aber Bürks stellt auch fest: "Das Material ist das größte Problem." Es sei gar nicht leicht, es zu bekommen. Ob es sich bei einer Tracht um eine evangelische oder katholische handelt, kann vor allem an der der Verzierung festgestellt werden.

Im vergangenen Jahr hat die Schneiderin ein Paar für die Stadt Windsheim neu eingekleidet, wie es um 1860 ausgesehen haben könnte. Der Herr hatte bereits ein Hemd und eine lange lederne Hose, für ihn fertigte Bürks eine ärmellose Weste und einen Gehrock an. Die Frau stattete sie mit Bluse, Schürze, Rock, Mieder und einem aufwendigen Jäckchen aus.
Gekostet hat das Ganze 1573,30 Euro.

Auch für Bamberg konnte im vergangenen Jahr eine erneuerte Tracht vorgestellt werden, allerdings ohne Jäckchen. Das gute Stück schlug mit etwa 600 Euro zu Buche und gehört jetzt der Trachtenberatungsstelle Oberfranken. Nach einer alten Grafik hat Bürks das Gewand eines Bamberger Milchmädchens hauptsächlich aus Leinen hergestellt.

Es macht einen großen Unterschied ob das gewünschte Stück nahe am Vorbild sein soll oder so umgesetzt werden kann, dass es auch alltagstauglich ist. Hier sind dann moderne Schnitte sowie eine elegante und leichte Passform möglich.

Es muss also nicht das Produkt mit bajuwarischen Touch sein. Auch in und für Franken gibt es kleidsame Alternativen.